Schweinfurt

Wie Schweinfurter Geschäftsleute den Re-Start bewerten

Offene Türen, aber Absperrungen und Abstandsregeln: Warum die Stimmung unter den Einzelhändlern in der Schweinfurter Innenstadt verhalten, aber positiv ist.
Ungewohnte Situation: Um die Auflagen zu erfüllen, musste Wöhrl einige Bereiche sperren. Nun holt Geschäftsführer Philipp Stein - zumindest noch bis Montag - Ware für die Kunden aus den geschlossenen Abteilungen.
Ungewohnte Situation: Um die Auflagen zu erfüllen, musste Wöhrl einige Bereiche sperren. Nun holt Geschäftsführer Philipp Stein - zumindest noch bis Montag - Ware für die Kunden aus den geschlossenen Abteilungen. Foto: Dominik Großpietsch

Um ein Shirt aus dem Obergeschoss zu holen, muss Philipp Stein in der Corona-Krise erst einmal an einem Schild vorbei und ein rotes Absperrseil aus der Verankerung heben. Normalerweise würden sich dort, wo der Geschäftsführer der Schweinfurter Wöhrl-Filiale derzeit noch allein hingeht, die Kunden tummeln. Wirklich normal ist momentan wenig - was nicht nur mit den Desinfektionsmittelständern, Absperrbändern und Hinweis-Schildern zu tun hat. 

Während der seit dem 21. März geltenden Ausgangsbeschränkung, die ab heute in eine Kontaktbeschränkung umgewandelt wird, sei die Besucherfrequenz in der Schweinfurter Innenstadt deutlich zurückgegangen, berichtet Werner Christoffel, der Vorsitzende des Werbevereins "Schweinfurt erleben". Er hat die Daten, die zwei Messstellen – im Rathaus und im Büro der Tiefgarage am Georg-Wichtermann-Platz - erfasst haben, mit denen des Vorjahres-Zeitraums verglichen.

Deutlich weniger Menschen in der Innenstadt

Das Ergebnis: Statt fast 3,4 Millionen Messungen zwischen dem 21. März und dem 26. April 2019 gab es ein Jahr später nur noch gut 1,3 Millionen. "Diese Stationen registrieren es, wenn ein Mensch mit seinem Handy vorbeiläuft. Natürlich kann es auch Doppelungen sowie Menschen ohne Handy geben, aber das Ganze ist für uns zumindest ein Anhaltspunkt." Am ersten Mai-Wochenende, so Christoffel weiter, habe er sich in einigen Geschäften umgehört. "Am Samstag war die Innenstadt recht gut besucht, doch den Einzelhändlern fehlt ungefähr 50 Prozent des Umsatzes, den sie an einem Samstag ohne Krise machen würden. Ein richtiges Einkaufserlebnis kommt mit den Masken ja nicht auf."

Dennoch, so beobachtet Stein, würden sich die Kunden an die Anordnungen halten. "Die Leute sind sehr froh, dass die Geschäfte wieder offen haben und wollen es nicht riskieren, dass die Läden noch einmal geschlossen werden." Er und sein Team bieten momentan auf 800 Quadratmeter die Waren an, die das Nürnberger Bekleidungsunternehmen im Sortiment hat. Zuvor hatte es erfolgreich gegen die Regelung geklagt, dass mit der Ausnahme von Autohändlern, Buchhandlungen und Fahrradläden nur die bislang geschlossenen Unternehmen öffnen dürfen, deren Verkaufsfläche höchstens 800 Quadratmeter umfasst. Da das Haus in der Spitalstraße 3500 Quadratmeter groß ist, bleiben im Ober- und Untergeschoss - zunächst noch bis Montag - die Lichter aus.

"Bei uns gab es tatsächlich einen kleinen Ansturm. Bei Vielen haben sich die Buch-Wünsche aufgestaut."
Walter Raab, Geschäftsführer der Collibri-Buchhandlung, über die derzeitige Situation

"Das betrifft den Bereich 'Junge Mode', die Herren- und Kinderabteilung sowie die 'Modern Women'-Abteilung. Wer Dinge benötigt, die zu diesen Teilbereichen gehören, kann sie sich allerdings holen lassen", verdeutlicht Stein, der seit 2003 bei Wöhrl ist. 

Ein Stück Normalität: Vor der Collibri-Buchhandlung hat sich nicht viel geändert.
Ein Stück Normalität: Vor der Collibri-Buchhandlung hat sich nicht viel geändert. Foto: Dominik Großpietsch

Ein paar Meter weiter, vor der Collibri-Buchhandlung, locken ein paar Ständer die Bücherwürmer an - mit Erfolg, wie Geschäftsführer Walter Raab verrät. "Bei uns gab es tatsächlich einen kleinen Ansturm. Bei Vielen haben sich die Buch-Wünsche aufgestaut. Dennoch hatten wir, auch als wir schließen mussten, gut zu tun. Wir haben dann Bestellungen ausgeliefert und verschickt." So gut abfedern konnten die Friseure, die seit dem 4. Mai wieder öffnen dürfen, die Schließung nicht wirklich. Dennoch stand bei vielen von ihnen auch Tage vor der Wiedereröffnung das Telefon nicht mehr still. "Die Termine müssen wirklich sehr gut geplant sein. Bei uns darf es bis auf Weiteres keine Wartenden mehr geben, so dass ich meine Kunden auch schon über den Mai und Juni hinweg verteilt habe", erklärt Ruby King, die mit ihrer Tochter Ashley einen kleinen 50-Quadratmeter-Salon nahe der Heilig-Geist-Kirche betreibt. 

Weitreiche Änderungen im Arbeitsalltag

Doch nicht nur für sie hat sich der Alltag radikal verändert. Vor dem Schuhgeschäft von Axel Schöll in der Rückertstraße steht ein kleines Kinderspielgerät, das eigentlich kaum auffällt. Zuletzt war es so großflächig abgesperrt, dass die Warnbaken fast schon zum Hindernis wurden, wollte man den Laden des Kreisvorsitzenden des bayerischen Handelsverbands betreten. "Bei meiner Runde durch die Stadt hab ich den Eindruck gewonnen, dass die Händler top vorbereitet sind. Natürlich haben wir nicht die normale Kundenfrequenz, so dass die Geschäfte nur ein Drittel bis die Hälfte des üblichen Umsatzes machen, aber wir sind alle froh, dass wir uns wieder von Angesicht zu Angesicht mit den Kunden austauschen können – das hören wir auch von den Leuten."

Die müssen sich nach dem Re-Start aber wohl erst noch an die neue Art des Einkaufens gewöhnen. Die stellvertretende Stadtsprecherin Kristina Dietz bestätigte auf Anfrage dieser Redaktion, dass der Außendienst der Stadt Schweinfurt innerhalb der ersten drei Tage nach der Geschäftsöffnung am 27. April 49 Verstöße gegen die Maskenpflicht registrierte, die ein Bußgeld von 150 Euro nach sich ziehen können – zunächst blieb es allerdings bei Ermahnungen.

Ungewohnter Anblick: Ein von Absperrband umgebenes Spielgerät fiel vor dem Schuhgeschäft von Axel Schöll in der Rückertstraße wochenlang direkt ins Auge.
Ungewohnter Anblick: Ein von Absperrband umgebenes Spielgerät fiel vor dem Schuhgeschäft von Axel Schöll in der Rückertstraße wochenlang direkt ins Auge. Foto: Dominik Großpietsch

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