SCHWEINFURT

Wildwasseramazonen kontra Stricklieseln

Und hopp, und hopp: Kampf um jeden Flussmeter beim vierten „Rotarian Rowdy Raft River Race“ am Sonntag vor 6800 Besuchern an der Gutermannpromenade.
Foto: Daggi Binder | Und hopp, und hopp: Kampf um jeden Flussmeter beim vierten „Rotarian Rowdy Raft River Race“ am Sonntag vor 6800 Besuchern an der Gutermannpromenade.

Es ist zwar erst das vierte „Rotarian Rowdy River Raft Race“, aber eine zumindest kleine Tradition hat es schon begründet. Morgens um 10 Uhr beginnen Vorläufe begonnen, in denen sich nach und nach die Spreu vom Weizen trennen muss. Bei 84 Teams und über 1000 aktiven Teilnehmern – ein neuer Teilnahmerekord – ist der frühe Paddelschlag angesagt, wenn die Veranstaltung gegen 17 Uhr mit der Siegerehrung enden soll.

Sie geben sich alle Mühe, die Frau- und Mannschaften, um auf der Wettkampfstrecke zwischen Disharmonie und Wasserwerk – 250 Meter mainabwärts und dieselbe Strecke zurück – eine gute Figur zu machen und möglichst vorne dabei zu sein. Das ist die eine Seite der Medaillen, um die es ja auch geht. Die andere: Das pure Mitmachen und der Spaß steht an vorderster Stelle – und der gute Zweck, wie Bernd Meidel, Hauptorganisator beim veranstaltenden Rotarierclub Schweinfurt-Peterstirn, sagt. Das Anliegen ist eben nicht der Sieg um jeden Preis, sondern die Verbindung von sportlichem Wettkampf, viel Spaß und einem guten Zweck.

Mitmachen kann jeder – ob geübter Paddler oder Laie: Schon die Namen der Teams weisen das Ereignis als nicht ganz bierernstes aus: Die alten Schwimmerli, Leopoldina Rubber Duck Racing Team, River Rats, Bad Kissinger Saale-Prinzen, Singendes Kirchenschiff, Zillertaler Wildwassermarine, OBA(MA) yes we c@n, 11 Engel für Rolf, Wer ist eigentlich Rolf?, The GribShip, Gorschter Staustufen Kicker, Südtiroler Skiklinik, Franconian Woodies, St. Josef Wasserwandler, Nichtschwimmer Büchold, Theater Torpedos, Oberndorfer Kellerkinder, Hamicher Narrenschiff, Wernecker Bieraten.

Entsprechend locker und launig geht's zu an der Gutermannpromenade, die für den Gästeandrang gut bestuhlt ist. Bands unterhalten die mitangereisten Familien und Fanschaften der wackeren Paddler, dieweil sie es sich bei Speis und Trank und dem interessierten Blick auf die im Schlauchboot Schwitzenden gut gehen lassen.

Neben den Wettbewerbsläufen präsentiert der Schweinfurter Ruderclub eine Schaurudereinlage. Kurz davor wird der „Schulcup“ ausgetragen. Sechs Mannschaften sind gemeldet. Als schnellste paddelt das Team des Celtis-Gymnasiums ins Ziel, den zweiten Platz sichert sich die Jugendgruppe des Haus Marienthal, Dritter wird die Friedenschule.

So sehr das olympische Prinzip das „rowdy“ (laute) Schlauchbootrennen der Rotarier ziert – gewinnen darf man nebenher natürlich auch. Acht Damenmannschaften sind angetreten. Sieben kommen in den Endlauf, den – vom Ufer aus lautstark angefeuert – gegen 16 Uhr die Injoy Wildwasseramazonen mit 4:51 Minuten für sich entscheiden vor den Schonunger RSV Damen (letztes Jahr war's genau andersherum). Dritte werden Steiners stickende Stricklieseln, die offensichtlich nicht nur sticken und stricken können.

Dann der Höhepunkt: Endlauf der Herrenteams, von denen sich nach wenigen dutzende Metern die drei Boote in der Mitte ins Gehege kommen, Steuerprobleme haben und wertvolle Zeit verlieren. Nach der Wende liefern sich die Schonunger Ringer (RSV) mit dem Steigerwaldexpress (JVA Ebrach) und den Nichtschwimmern Büchold ein überaus spannendes Rennen. Der RSV gewinnt, die Bücholder werden Zweiter, nur eine Sekunde vor den Steigerwäldern (Platz 3). Der Zillertaler Wildwassermarine bekommt der recht stille Main scheinbar nicht (Platz 5). Die Rowing Basterds (Ruderclub) landen abgeschlagen auf dem 6. Rang, der„Fluch der FAG“ liegt für diese wohl auch über den Wettkampf: Letzte, Platz 7.

Wie im Jahr davor ist ein Sonderpreis für den originellsten Mannschaftsauftritt ausgelobt. 2011 holte den eine ESKAGE-Truppe im Funkenmariechen-Outfit. Heuer kommt die Jury an der „Disharmonie“ nicht vorbei. Zur Gaudi des Publikums macht die Hälfte der Mannschaft Musik statt zu rudern – mit Trompete, Banjo, Sax, Klarinette – entsprec

hend langsam kommt sie voran und verdient sich den Sonderpreis gänzlich unangefochten.

Meidel ist mit der vierten Auflage des Rotarian Rowdy River Raft Race“ jedenfalls sehr zufrieden. Neben einem Teilnehmerrekord kann er auch einen Besucherrekord vermelden. Wurde deren Zahl 2001 noch auf gut 4000 geschätzt, so haben die Zähler an drei Eingängen am Sonntag 6800 Besucher ermittelt.

In drei Jahren haben die Rotarier mit diesem Schlauchbootrennen 35 000 Euro erlöst. Die letzte Tranche daraus, 3500 Euro, überreichen sie nach dem Rennen an den Paritätischen Wohlfahrtsverband. Dass die gemeinnützige Paddelei nächstes Jahr zum fünften Mal stattfinden wird, ist wohl keine Frage.

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