Euerbach

Wohin mit Regenwasser und Hamster?

Auf dieser Fläche oberhalb von Euerbach soll das neue Baugebiet Am Steigholz entstehen.
Foto: Silvia Eidel | Auf dieser Fläche oberhalb von Euerbach soll das neue Baugebiet Am Steigholz entstehen.

Mit zwei Baugebieten will die Gemeinde der drängenden ortseigenen Nachfrage nach Bauplätzen nachkommen: In Euerbach am Steigholz, in Sömmersdorf am Weihergraben II. Dass dabei einige Hürden zu nehmen sind – etwa die Frage der Entwässerung und das Vorkommen von Feldhamstern in Euerbach oder Proteste von Anwohnern in Sömmersdorf – zeigte die außerordentliche Gemeinderatssitzung.

Das Interesse an Informationen war groß, 16 Besucher verfolgten mit Abstand die Sitzung des Gremiums in der Schulturnhalle. Matthias Kirchner vom gleichnamigen Planungsbüro erläuterte zunächst für das Steigholz Euerbach die Situation, die mit der Entwässerungsproblematik laut Bürgermeisterin Simone Seufert "so nicht vorhersehbar" gewesen sei.

Baugebiet über Feldweg an Ortsverkehr angebunden

Die 2,7 Hektar große Fläche am topografisch höchsten Punkt von Euerbach am Waldrand gelegen, fällt Richtung Westen leicht ab. Der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan wurde bereits im November 2019 vom Gemeinderat gefasst: Und zwar nach Paragraph 13b des Baugesetzbuches, der bis Ende 2019 begrenzt war. Demnach kann für Baugebiete bis 10 000 Quadratmeter Wohnbebauung ein beschleunigtes Verfahren durchgeführt werden, ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und vor allem ohne Bereitstellung von Ausgleichsflächen. Allerdings muss der Verfahrensbeschluss bis Ende 2021 gefasst sein. Was zeitlich eng würde.

Eine Verlängerung des 13b bis 2024 ist im aktuellen Baulandmobilisierungsgesetz aber angedacht, erläuterte Kirchner. "Dann wären wir sicher".

Angebunden ist das Baugebiet über einen Feldweg an den Ortsverkehr. Eine Fernwasserleitung quer durch die Fläche könne umgelegt werden.

Vorkommen des Feldhamsters wird untersucht

Allerdings ist das Gebiet für mögliches Feldhamstervorkommen bekannt, weshalb dies in der Bauleitplanung untersucht werden muss. Ein Artenschutzgutachten ist bereits beauftragt, daraus resultierende Maßnahmen müssen eingearbeitet werden.

Die Entwässerung muss im Trennsystem von Regenwasser- und Schmutzwasserkanal erfolgen. Das jetzige Mischwasser-Netz im angrenzenden Altbaugebiet würde die Wassermenge gar nicht aufnehmen können, erläuterte der Planer.

Das bedeutet, dass das Regenwasser getrennt abgeleitet werden muss und dass ein Regenrückhaltebecken (RRB) in Erdbauweise gebaut werden muss. Der Schmutzwasseranschluss könnte wegen der "nicht relevanten Menge" an das bestehende Netz erfolgen.

Drei Varianten wurden vorgestellt

Das RRB müsste ins Baugebiet gelegt, das Wasser nach einem Regenereignis gedrosselt abgelassen werden, so Kirchner. Allerdings verlangt das Wasserwirtschaftsamt zum Schutz der Unterlieger einen rechnerischen hydraulischen Nachweis für ein 30- bis 40-jähriges Regenereignis, gemessen am 100-jährigen Regen. "Das gäbe ein riesiges Becken", so Kirchner, das etliche Bauplätze kosten würde.

Die mögliche Lösung heißt, den Regenwasserkanal im Altfeldweg zu vergrößern und das RRB am topografischen Tiefpunkt irgendwo im Bereich der Schäferswiese zu errichten. Dem stimmte der Gemeinderat zu.

Zur Gestaltung des Baugebiets stellte Kirchner drei Varianten vor. Eine sogenannte "moderne" Bebauung in einem Baufenster und mit wenigen Reglementierungen, eine zweigeschossige Bauweise mit allen Dachformen oder bei Satteldach dann nur ein Geschoss hatte der Gemeinderat bereits zuvor favorisiert. Bei einem Baufenster gilt dennoch das Abstandsrecht gemäß Bayerischer Bauordnung.

Etwa 27 Bauplätze könnten entstehen

Variante 1 beinhaltete eine relativ städtische Struktur mit einer Erschließung des Gebiets durch zwei parallele Straßen, die nicht miteinander verbunden sind. Etwa 27 Bauplätze mit einer Größe von 650 bis 750 Quadratmeter könnten entstehen, ohne das RRB noch zwei mehr.

Die Varianten 2 und 3 sahen etwas weniger, dafür auch größere Bauplätze vor. Eine einzelne Erschließungsstraße mit abzweigenden Wohnwegen zu den Grundstücken kennzeichnete die Varianten.

In der Diskussion wurde wiederholt Variante 1 favorisiert – von Bürgermeisterin Seufert, Andreas Schraut, Günter Hutter, Jochen Kraft, Manfred Peter – , weil sie die meisten Bauplätze biete. Allerdings würden dabei auch mehr Verkehrsflächen und damit mehr Versiegelung nötig und die Erschließung teurer, erläuterte der Planer.

Mehrheit sprach sich für Variante 1 aus

Bei einem nachgefragten Ringschluss wies er auf möglichen, ungewollten Durchgangsverkehr hin. Aber Müllautos oder Baufahrzeuge müssten gut fahren könnten, so Manfred Peter. "Sie konzipieren das Baugebiet nach der Müllabfuhr und der Befahrbarkeit und nicht nach den Menschen, die hier leben", konstatierte Kirchner.

Für Variante 3 mit moderner, aufgelockerter Platzanordnung sowie größeren Grundstücken plädierte Gabi Jakob. Jonas Weigand schloss sich dem an. "Wir brauchen keine 29 Bauplätze für unsere jungen Familien".

Die Mehrheit von elf Gemeinderäten sprach sich aber für die Variante 1 aus. Sie soll ohne Ringschluss ausgeführt werden, beschlossen neun gegen acht Räte.

Vom unverbindlichen Zeitplan her, so Kirchner, könnte Baubeginn für die Erschließung Anfang 2023 sein. Eine Privatbebauung könne dann Frühjahr/Mitte 2024 beginnen.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Euerbach
Silvia Eidel
Baubeginn
Baugebiete
Bauleitplanung
Bauordnungen und Bauordnungsrecht
Bauweisen
Bebauungspläne
Stadträte und Gemeinderäte
Sömmersdorf
Umweltverträglichkeitsprüfungen
Wasserwirtschaftsämter
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!