Schweinfurt

Wurden spielende Kinder mit einer Schreckschusswaffe bedroht?

Ein genervter Mann, selbst Familienvater, soll auf seinem Balkon ausgerastet sein. Nun stand er in Schweinfurt vor der Amtsrichterin.
Wurden spielende Kinder mit einer Schreckschusswaffe bedroht?
Foto: Horst Breunig

Wenn es stimmt, was in der Anklage steht, hat der 42-jährige Schweinfurter am Nachmittag des 11. Januar dieses Jahres drei Buben im Alter von neun und acht Jahren angebrüllt, sie sollten auf dem öffentlichen Spielplatz vor dem Mehrfamilienhaus aufhören zu spielen und abhauen. Er würde sie sonst "erschießen und umbringen". Dann zeigte er ihnen den Mittelfinger. Ferner soll er sich mit dem Finger über den Hals gestrichen haben, als würde er jemandem die Kehle durchschneiden.

Staatsanwalt: "Mit Verbrechen bedroht"

So trägt es der Vertreter der Staatsanwaltschaft am Donnerstag vor dem Amtsgericht Schweinfurt vor. Der Angeklagte, selbst Vater zweier Kinder, habe die drei Jungen "mit der Begehung eines Verbrechens" bedroht – strafbar als Bedrohung, Beleidigung und "Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten".

Kann das wirklich sein? Eine "unverschämte Lüge" sei das, was da erzählt wird, beteuert der Angeklagte sichtlich erregt. Er habe an diesem Nachmittag die Wohnung gesaugt, sei mit dem Staubsauger auch mal auf dem Balkon gewesen. Er zeigt einen Staubsaugeraufsatz der tatsächlich wie eine überdimensionale Pistole aussieht, fast wie eine Pumpgun. Haben die Buben dieses Teil für eine Waffe gehalten?

Angeklagter: "Kinder provozieren mich"

Der 42-jährige gelernte Maler und Lackierer klagt seinerseits, dass ihn mehrere Kinder in der Nachbarschaft ständig provozierten, ihn als "Arschloch" beleidigten, wohl weil er sie einmal aufgefordert habe, nicht mit einem Holzstück auf die Geräte des Spielplatzes einzuschlagen. Er lasse sich als Erwachsener aber nicht derart von Kindern beleidigen, was er den Müttern auch schon gesagt habe.

Der Januarnachmittag endete jedenfalls so, dass eine Mutter aufgrund der Schilderung ihres Sohnes wegen der mutmaßlichen Bedrohung der drei Buben mit einer Waffe die Polizei ruft. Die kommt, legt den Angeklagten in Handschellen. Er besitzt tatsächlich eine Schreckschusswaffe, die aber ganz oben im Schrank verstaut sei, sagt der 42-Jährige, schon damit sie vor seinen Kindern sicher sei.

Waffenwissen von YouTube

Acht Zeugen befragt das Gericht, Zeugen der angeklagten Tat waren aber nur die drei Jungs. Der Neunjährige sagt aus, er habe in der Hand des Angeklagten eine nach unten gehaltene Pistole erkannt, mit weißen Punkten. "Ich kenne mich mit Waffen sehr gut aus", sagt er. Woher er sein Wissen hat, will die Richterin wissen. "Ich habe mich auf YouTube informiert", sagt er. Schon im Sommer 2019 sei der Angeklagte mal mit seiner Pistole rausgekommen und habe diese auch seiner Tochter gegeben.

Die beiden Achtjährigen berichten, sie hätten so etwas wie eine schwarze Waffe gesehen, einer von ihnen aber nur den Griff. Von Drohungen, sie sollten anderswo spielen, sonst würde er sie umbringen, ist keine Rede, aber vom Mittelfinger, den er ihnen gezeigt habe. Die Ehefrau des Angeklagten bestätigt Provokationen von Nachbarskindern ihrem Mann gegenüber, die dieser sich nicht bieten lasse.

Übrig bleibt der Mittelfinger

"Für mich sieht das anders aus als in der Anklage", sagt die Vorsitzende Richterin nach zweieinhalb Stunden Beweisaufnahme. Es gebe wohl "eine persönliche Problematik" zwischen dem Angeklagten und dem neunjährigen Zeugen. Sie regt eine Einstellung des Verfahrens an.

Der Staatsanwalt besteht aber auf einer Geldauflage, schließlich sei zumindest der Mittelfinger erwiesen – eine Beleidigung. So geschieht es auch: Gegen eine Zahlung von 350 Euro wird das Verfahren eingestellt. Das Geld bekommt die Schweinfurter Kindertafel.

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