Stadtlauringen

WZV steht vor Entscheidung mit immenser Tragweite

Noch gut in Schuss: Der Hochbehälter Altenburgweg bei Stadtlauringen. Für die nächsten 50 Jahre muss der Wasserzweckverband Stadtlauringer Gruppe jedoch grundsätzliche Überlegungen anstellen, wie es weiter gehen soll.
Foto: ner | Noch gut in Schuss: Der Hochbehälter Altenburgweg bei Stadtlauringen. Für die nächsten 50 Jahre muss der Wasserzweckverband Stadtlauringer Gruppe jedoch grundsätzliche Überlegungen anstellen, wie es weiter gehen soll.

Bis in die 1950er Jahre war es üblich beim Hausbau auch einen eigenen Brunnen zu bohren, aus dem dann das Wasser, so wie es die Erde lieferte, entnommen wurde. Vor allem für die Kleinkindversorgung musste es jedoch abgekocht werden. Mit der Gründung von Wasserzweckverbänden wurde die Wasserversorgung vor allem aus hygienischer Sicht auf eine völlig neue Grundlage gestellt.

Die "Stadtlauringer Gruppe" wurde am 4. Januar 1963 von den damals eigenständigen Gemeinden Stadtlauringen, Oberlauringen, Leinach und Rothhausen gegründet. Heute werden außerdem Altenmünster, Ballingshausen, Birnfeld, Fuchsstadt, Mailes, Oberlauringen, Stadtlauringen, Sulzdorf, Wettringen, Wetzhausen, Seubrigshausen, Reichmannshausen, Theinfeld und Ebertshausen durch die Stadtlauringer Gruppe mit Trinkwasser versorgt. Die Verwaltung des Zweckverbandes wurde 1995 vom Markt Stadtlauringen übernommen.

Schon im Gründungsjahr wurde beim Tonwerk ein Wasserwerk errichtet, in dem die technischen Anlagen und Überprüfungseinrichtungen untergebracht sind. Für Druck auf den Leitungen sorgen die Hochbehälter Altenburg bei Stadtlauringen, Taubenberg bei Oberlauringen, Hirschkopf bei Reichmannshausen und Sannig bei Altenmünster.

Sanierungs- und Strukturkonzept in Auftrag gegeben

Veränderungen des Klimas und der Einwohnerzahlen, aber auch der baulichen Substanz bedingen nun nach über 50 Jahren Überlegungen zur Zukunft der Stadtlauringer Gruppe. Der Wasserzweckverband hatte deshalb beim Dresdener Ingenieurbüro für Wasser und Boden GmbH ein Sanierungs- und Strukturkonzept für die Zeit bis 2069 in Auftrag gegeben. Abteilungsleiterin Rita Pietschmann stellte es bei der jüngsten Zweckverbandsversammlung vor.

Drei Möglichkeiten wurden dabei erörtert. Die erste Variante sieht einen Fortbestand der Stadtlauringer Gruppe in seiner bisherigen Form vor. Für die nächsten 50 Jahre errechnete das Büro dabei einen Investitionsaufwand von 63 Millionen Euro. Eine zweite Variante wäre ein abgespeckter Fortbestand mit Reduzierung der Eigenversorgung und die dritte Version sieht eine komplette Auflösung der Stadtlauringer Gruppe mit Anschluss an einen anderen Versorger vor. Allerdings würde eine Reduzierung der Eigenversorgung mit 56 Millionen Euro für die nächsten 50 Jahre ebenso erhebliche Kosten verursachen, wie eine Auflösung mit 52 Millionen Euro.

6200 Personen werden mit Trinkwasser versorgt

Als Entscheidungshilfen für die Verbandsräte legte Rita Pietschmann konkrete Zahlen vor. Rund 6200 Bürger werden derzeit mit Trinkwasser versorgt. Dafür ist ein 96 Kilometer langes Leitungsnetz erforderlich, das sich auf 56 Kilometer Leitungsstränge in den Orten und 42 Kilometer Fernleitungsrohre aufgliedert. Derzeit werden täglich rund 800 Kubikmeter Wasser verbraucht. Ein in der Zehnjahresbetrachtung relativ konstanter Wert. Tendenziell sei jedoch von eher rückläufigen Einwohnerzahlen auszugehen. Schon für 2029 legt die Berechnung in einer "pessimistischen Variante" nur noch 5600 Einwohner zugrunde. Berechnet wurde aber auch die "optimistische Version", die von gleichbleibenden Einwohnerzahlen ausgeht.

Mehr als die Hälfte der Leitungen befinde sich aktuell in einem guten oder sehr guten Zustand. Zwar sei nirgendwo die Bewertung "schlecht" oder "kritisch" vergeben worden, die "mäßigen" oder "mittelmäßigen" werden aber in den nächsten zehn bis 20 Jahren erneuert werden müssen. Das Durchschnittsalter von 44 Jahren sei zwar nicht übermäßig hoch, doch vielerorten seien PVC-Rohre verlegt worden, deren langfristige Haltbarkeit nun aber doch nicht so gut sei, wie seinerzeit angenommen.

Sorgen bereiten die Brunnen

Der Zustand der Hochspeicher sei allerorten recht gut. Sie haben zu Beginn der 2000er Jahre bereits alle Erneuerungen erfahren. Ersatzneubauten wären wohl erst Mitte der 2050er Jahre nötig. Sorgen bereiten eher die Brunnen. Von den sechs Brunnen sind nur drei in Betrieb. Brunnen II liefert zwar ergiebig, doch sind vor allem die Sulfatwerte zu hoch.

Das Wasser der Brunnen V und VI ist qualitativ zwar besser, aber weniger ertragreich. Zusammen fördern die aktiven Brunnen täglich rund 580 Kubikmeter Wasser, sodass schon heute schon rund 220 Kubikmeter zugekauft werden müssen, vorrangig von der Rhön-Maintal-Gruppe, deren Übergabepunkt sich am Hochbehälter Hirschkopf bei Reichmannshausen befindet.

Eine weitere Zukaufsoption besteht über den Zweckverband Königshofen-Mitte mit Übergabepunkt in Leinach. Von dort wäre eine Komplettversorgung aufgrund zu geringer Kapazitäten jedoch nicht möglich. Dies müsse für die Störfallabsicherung bei einer Komplettaufgabe berücksichtigt werden.

Ersatzneubau für das Wasserwerk angeraten

Erheblicher Erneuerungsbedarf besteht am Wasserwerk. Hier ist ein Ersatzneubau dringend angeraten und für einen langfristigen Weiterbetrieb der eigenen Wasserversorgung unumgänglich. Daraus resultiere auch die teuerste Variante, denn ein Neubau würde wohl so um die vier Millionen Euro kosten.

Unabhängig für welche Variante sich der Wasserzweckverband entscheiden wird, werden umfangreiche Leitungsarbeiten in den kommenden Jahrzehnten nicht ausbleiben. Hier könne auch nichts eingespart werden, so die Abteilungsleiterin in ihrem Analysevortrag weiter, denn das Leitungsnetz ist in allen Wasserzweckverbünden die kostenintensivste Maßnahme.

Für die Entscheidungsfindung gab Rita Pietschmann zum Abschluss ihres Vortrages mit auf den Weg, dass die Aufgabe eines Wasserrechtes in der heutigen Zeit von immer knapper werdendem Wasser sehr gut überlegt sein sollte.

Überschüssen können für Investitionen gespart werden

In der Sitzung wurde außerdem die Jahresrechnung gelegt. Danach schließt der Verwaltungshaushalt in Einnahmen und Ausgaben ab mit je 926 957,27 Euro. Der Vermögenshaushalt schließt in Einnahmen und Ausgaben ab mit je 575 782,35 Euro. 2017 wurde ein Kredit von 500 000 Euro aufgenommen, der in den ersten fünf Jahren Tilgungsfrei ist. Die Rücklagen bezifferte Zweckverbandsvorsitzender Friedel Heckenlauer mit 374 730,97 Euro. Dem Vermögenshaushalt konnten somit 94 039,49 vom Verwaltungshaushalt zugeführt werden.

Nach einer Neuregelung müssen Überschüsse nicht mehr zwangsläufig durch gesenkte Gebühren an die Verbraucher weiter gegeben werden, sondern dürfen auch für zukünftige Investitionen angespart werden, was dem Verbraucher dann natürlich später zugute kommt.

Beschlossen wurden außerdem die Entschädigungssätze für den Zweckverbandsvorsitzenden und die Verbandsräte. Die Sitzungspauschale für Verbandsräte wurde auf 30 Euro festgelegt. Zweckverbandsvorsitzender Friedel Heckenlauer erhält für seine Tätigkeit eine monatliche Aufwandsentschädigung von 403,67 Euro.

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