Schweinfurt

Zeug gibt's: Corona killt Kulturplakate

Der Pandemie wird manches in die Schuhe geschoben, für die sie nichts kann. Jetzt wissen wir aber: Sie kann Leim fressen und edle Kulturwerbung zum Absturz bringen.
Brutaler Plakatfraß an der Litfaßsäule am Haardtberg. Wer war's? Corona!
Brutaler Plakatfraß an der Litfaßsäule am Haardtberg. Wer war's? Corona! Foto: Stefan Sauer

Am 15. März ist ein neuer Schweinfurter Stadtrat gewählt worden. Der Souverän hat die Schwarzen um ein Fünftel gestutzt und die Grünen verdoppelt. Das ist erst ein Vierteljahr her, in der Zwischenzeit hat sich die Stadt geleert und wieder gefüllt, aber eines soll - so sagen es jedenfalls Anwohner der Haardt und Eselshöhe - sich seit der Wahl nicht verändert haben, der Zustand der Litfaßsäule am Fuße des Haardtberges. Diese böte seither schon einen gar erbärmlichen Anblick. Und tatsächlich, zu großen Teilen nackert, wie er geschaffen wurde, in seiner natürlichen Betonhülle steht der Werbeträger noch Mitte Juni da herum. Am Rest baumeln ausgewaschene Papierfetzen.

Alles schon behoben?

Es hatte - wie diese Woche berichtet - eine gewisse Zeit in Anspruch genommen, bis die zuständige Litfaßsäulenbewirtschaftungsfirma diese ihre Säule gefunden, die verblichenen Reste entfernt und den Werbeträger "neu eingeklebt" hatte. Vorher wollte sie mit allerlei Fotos von anderen Objekten oder aus anderen Zeiten nachweisen, es sei alles schon behoben und wieder in bester Ordnung. Nein, das war's nicht, und selten hat eine Recherche mehr Kontrollfahrten zu einem Corpus Delicti erfordert als diese. Erst nach der vierten glänzte die Säule am Haardtberg in schönstem Plakatweiß und "Deine Mutter ist schon da - Theater Schloss Maßbach".    

Das Alte blieb hängen 

Nun hat die Fragerei um das allzu lange erbarmungswürdige Erscheinungsbild der Litfaßsäule auch ergeben, dass diese eine "Kultursäule" sei, auf der wohl ausschließlich kulturelle Veranstaltungen plakatiert werden. Und weil die Viruspandemie bis auf den Lebensmittelhandel nicht nur die komplette Wirtschaft lahmgelegt hatte, sondern auch alles, was irgendwie mit Kultur zu tun hat, hat's für die ausgefallenen Veranstaltungen auch keine Werbung auf Litfaßsäulen gebraucht. Nichts wurde erneuert, das Alte blieb hängen, zerfledderte in Wind und Regen. Corona killte die Kulturplakate.

Lagerhalle an die Stadtmauer

Das ist nicht lustig, nur die Wahrheit, zu der auch gehört, dass es kein Schaden wäre, wenn in solchen Zeiten eine Litfaßsäulenbewirtschaftungsfirma von sich aus ab und zu den Zustand ihrer Litfaßsäulen checken würde. Eine Leserin jedenfalls ist ganz begeistert von der neuen Einkleidung der Säule: "Das neue Bild wertet unseren schönen Stadtteil endlich wieder auf." Das erwartet eine andere Leserin von der umstrittenen "Lagerhalle", welche die Studentenverbindung jetzt doch an ihr Moeno-Ripuaria-Haus vor hübscher Stadtmauerkulisse klatschen darf, nicht.  

"Studentenwohnheim" - für drei

Komischerweise wurde der erste Lagerhallenplan der Korporierten vom Bauausschuss als "potthässlich" einstimmig abgeschmettert. Gegner sprachen von "Verschandelung" und "noch schlimmer als das letzte Mal". Vor vier Wochen ging eine abgeänderte Variante mit 10:15 Stimmen durch. Mittlerweile firmiert das Verbindungshaus bei Befürwortern als "Studentenwohnheim" - für drei (!) Studenten. Die wollen natürlich auch mal feiern, hoch die Tassen und so, und das geht nicht ohne eine 60-Quadratmeter-Halle.

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