WÜRZBURG

12 000 Kilometer auf Europas Flüssen gerudert

Reiner Schäfer (vorne) mit den Wanderruderern seiner Stürtz-Gruppe vor 20 Jahren bei einer Fahrt auf dem Main bis nach Bamberg.
Reiner Schäfer (vorne) mit den Wanderruderern seiner Stürtz-Gruppe vor 20 Jahren bei einer Fahrt auf dem Main bis nach Bamberg. Foto: Stürtz-Gruppe

Seit 45 Jahren gibt es im Akademischen Ruderclub Würzburg (ARCW) die Stürtz-Gruppe, eine breitensportlich ausgerichtete Wanderruder-Abteilung, die über die Jahrzehnte mehr als 12 000 Kilometer auf Flüssen und Seen in Deutschland und Europa zurückgelegt hat. Im Mai will die Gruppe wieder auf große Fahrt gehen. Diesmal geht es nach Hamburg.

Der Kopf und Gründer dieser Gruppe ist der 73-jährige Reiner Schäfer. Er hatte als Jugendlicher bei der Echter Würzburg Fränkischen Gesellschaftsdruckerei die Ausbildung zum Industriebuchbinder gemacht. Als junger Erwachsener lernte er auf seinen beruflichen Stationen in Marktheidenfeld und Düsseldorf die Vorzüge des Rudersports kennen. „Bei Training, Regatten und darüber hinaus entwickelte sich eine tolle Kameradschaft, die noch bis heute hält“, berichtet Schäfer erfreut.

1969 entschied sich Schäfer, zurück in die alte Heimat zu gehen. Bei der Universitätsdruckerei Stürtz hatte er eine Anstellung im Verkauf gefunden, nach sechs Semestern Betriebswirtschaftslehre an der Uni Würzburg später in leitender Stellung. In seiner Freizeit wollte Schäfer natürlich wieder rudern. Mit dem ARCW war ein Verein schnell gefunden. Aber in seiner Altersklasse gab es keinen, der dort im Breitensport ruderte.

Um nicht alleine Sport treiben zu müssen, leistete Schäfer an seinem Arbeitsplatz beharrlich Überzeugungsarbeit. Erst kamen zwei zum Rudern, dann vier, dann acht. Die Stürtz-Gruppe war geboren. Mittlerweile hatte Schäfer aus seinem Freundeskreis weitere für den Rudersport begeistern können. Mittwoch wurde für sie der Rudertag. „Das lag an den Ärzten damals in unserer Gruppe“, erläutert Schäfer, „die hatten an diesem Tag früher Feierabend.“

„Das Wanderrudern kann man gut bis ins hohe Alter ausüben.“
Reiner Schäfer, Gründer der Stürtz-Gruppe beim ARCW

Schon bald wurde die erste Wanderfahrt auf dem Main unternommen, berichtet Reiner Schäfer. Die Teilnehmer waren begeistert; das war der Einstieg in weitere Wanderfahrten. Die Stürtz-Gruppe beruderte fast alle deutschen Flüsse, Bodensee und Mecklenburgische Seenplatte. Schließlich wagten sich die Würzburger Ruderer auch auf Flüsse im Ausland: die Themse in England, der Shannon in Irland, die Loire in Frankreich. Schäfer scheute die umfangreiche Organisation nicht; teilweise unternahm er sogar Vortouren. Seit einigen Jahren bekommt er Unterstützung von Roland Schmitt.

Die Stürtz-Gruppe ruderte auch auf Donau, Moldau und Elbe. Schäfer erinnert sich: „In der damaligen Tschechoslowakei mussten wir 100 Kilometer von Bratislava bis zur ungarischen Grenze an einem Tag bewältigen, weil wir nur für einen Tag die Aufenthaltsgenehmigung hatten.

“ In Venedig ist an Pfingsten bei der „Vogalonga“ für motorlose Boote das Rudern auf den Kanälen durch die Stadt gestattet. Zwei Mal waren die Ruderer der Stürtz-Gruppe dabei. 45 große Wanderfahrten und etwa ebenso viele kleinere hat die Stürtz-Gruppe mittlerweile unternommen.

Auch wenn es die Firma Stürtz selbst heute nicht mehr gibt, im ARCW ist die Stürtz-Gruppe ein fester Bestandteil des Vereinslebens. Reiner Schäfer ist inzwischen für seinen Einsatz um Verein und Gruppe zum ARCW-Ehrenmitglied ernannt worden. „Meine Mannschaft ist mir heute dankbar, dass ich sie zum Rudern gebracht habe und sie noch heute dabei sind“, stellt Schäfer zufrieden fest. „Denn das Wanderrudern kann man gut bis ins hohe Alter ausüben.“

So freuen sich 18 Ruderer der Stürtz-Gruppe im Alter von 60 bis 80 Jahren schon auf ihre Fahrt mit Reiner Schäfer vom 20. bis 27. Mai nach Hamburg, wo sie die Alster und ihre Kanäle berudern wollen.

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