Weikersheim

30. Mai 1708: Das Los entschied in der Grafschaft Hohenlohe

Das Schloss in Weikersheim.
Das Schloss in Weikersheim. Foto: Günther Bayerl

Der 30. Mai war der Tag der Entscheidung: Im Jahr 1708 war dies der Tag, an dem geklärt wurde, wer künftig der Landesherr von Weikersheim sein sollte. Kaum zu glauben – aber in der Grafschaft Hohenlohe gab es die Tradition, dass die Erben um ihre Herrschaften losten. Das geschah auch im Jahr 1708, als die jungen Grafen Carl Ludwig (1674 bis 1756) und Johann Friedrich (1683 bis 1765) die geerbte Grafschaft Hohenlohe-Neuenstein aufteilen mussten, wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Die Erbtheilung war eine Spezialität in der Grafschaft Hohenlohe: In den meisten anderen Ländern erhielt der Erstgeborene alles. Damit verhinderte man, dass Herrschaftsgebiet und Besitz immer weiter aufgesplittert und neu zugeschnitten wurden. In Hohenlohe wurde in jeder Generation der Besitz unter alle erbberechtigten Söhne der Grafenfamilie aufgeteilt und die Territorien immer wieder neu zugeschnitten. Das Spektakuläre am Losverfahren vom 30. Mai 1708: Die Lose von damals sind erhalten. Es sind zwei Spielkarten, jede mit den Hälften der Grafschaft beschriftet: Weikersheim und Öhringen.

Vier Söhne, zwei Nachfolger

Die Spielkarten, die als Los dienten, werden heute vom Landesarchiv Baden-Württemberg im Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein aufbewahrt.
Die Spielkarten, die als Los dienten, werden heute vom Landesarchiv Baden-Württemberg im Hohenlohe Zentralarchiv Neuenstein aufbewahrt. Foto: Azan_ ssg

Die Auslosung vom 30. Mai 1708 war nur der Schlussakt eines Erbfalls, der sich über mehrere Jahre hingezogen hatte. Der Vater Carl Ludwigs und Johann Friedrichs, Graf Johann Friedrich der Ältere zu Hohenlohe-Neuenstein (1617 bis 1702) hatte insgesamt vier Söhne. Ein Sohn, Johann Ernst (1670 bis 1702), starb einen Monat nach dem Vater an einer Kriegsverletzung. Ein weiterer Sohn, Friedrich Kraft (1667 bis 1709), war wegen "Blödhäuptigkeit" nicht zur Regierung fähig.

Aber die gräflich-hohenlohische Verwandtschaft pochte auf Geduld und verhinderte eine schnelle Teilung. Fünf Jahre sollte abgewartet werden, ob Friedrich Kraft nicht doch wieder seiner Sinne mächtig werde. Carl Ludwig und Johann Friedrich mussten während dieser Zeit gemeinsam regieren. Erst danach konnten sie die „Landestheilung“ in die Wege leiten: Johann Friedrich erhielt Öhringen, sein Bruder Carl Ludwig Weikersheim. Doch welcher von beiden zog am 30. Mai tatsächlich den Hauptgewinn? War Schloss Öhringen oder Schloss Weikersheim das Bessere?

Nach den Idealen barocker Baukunst

In Öhringen übernahm Johann Friedrich ein voll eingerichtetes Schloss. Der Weikersheimer Schlossbau war dagegen seit einer Generation leer gestanden. Dafür lockte er mit seiner Lage und einem weitläufigen Terrain. Graf Carl Ludwig verstand es in den kommenden Jahren, beides ganz nach den Idealen barocker Baukunst überaus prachtvoll für seine umfangreichen und ehrgeizigen Pläne zu nutzen. Die prächtigen gräflichen Appartements, der repräsentative Zugang von der Stadt her – und vor allem der barocke Schlossgarten, all das entstand während der Regierungszeit von Graf Carl Ludwig und seiner Frau, der Fürstin Elisabeth Friederike Sophie von Oettingen-Oettingen.

Das Schloss Weikersheim hat täglich von 10 bis 17.30 Uhr geöffnet, zugänglich sind der Rittersaal und das Vorzimmer zum Rittersaal. Es gibt kein Führungsangebot. Der Schlossgarten öffnet täglich von 10 bis 17.30 Uhr, dort dürfen sich maximal 400 Personen gleichzeitig aufhalten. Die Ausstellungen und die Pflanzenpräsentation bleiben geschlossen.

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