Veitshöchheim

50 500 Lampen: So entstand das Weihnachtshaus in Veitshöchheim

Schon im siebten Jahr öffnet das Ehepaar Erdle im Advent sein Weihnachtshaus für Besucher. Drei Monate investierten die beiden in den Aufbau. Wir haben sie dabei begleitet.
Es ist ein amerikanisches "Weihnachtswunderland", das jedes Jahr in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) entsteht. Das Bild zeigt die Entstehungsphase - die Hälfte der Beleuchtung fehlt noch.  Foto: Thomas Obermeier

Es ist ein schmaler Weg, der den lang gezogenen Garten in zwei Hälften teilt. Links und rechts Rasenfläche, ein Rosengarten, ein kleiner Pool. Rundherum ein Zaun. Wenn alles fertig aufgebaut ist, wird es hier ganz anders aussehen. Dann leuchten rund 50 500 Lampen aus jeder Gartenecke, der Rosengarten wird zur "Rentierlandschaft" und etwa 220 Weihnachts- und Schneemänner werden mit 48 Airblow-Figuren um die Wette weihnachten. Doch noch ist es nicht so weit. 

Ein Christbaum in jedem Kinderzimmer 

Seit nunmehr sieben Jahren zaubert das Ehepaar Erdle zur Adventszeit aus ihrem eigenen Haus und Garten in Veitshöchheim (Lkr. Würzburg) ein wahres Weihnachtswunderland, ganz im amerikanischen Stil. Immer ab dem ersten Advent öffnen sie seither ihr Gartentor, um neugierige Besucher zu empfangen. Die Leidenschaft für "alles was mit Weihnachten zu tun hat" begleitet die Familie schon lange.

Alles begann am 25. Dezember vor 27 Jahren, als der erste gemeinsame Sohn zur Welt kam. "Man wollte es für die eigene Familie gemütlich haben", erinnert sich Angelika Erdle. Später dann hatte jedes der nunmehr drei Kinder einen eigenen Christbaum im Zimmer. Über die Jahre sei die Sammelfreude für Weihnachtsdekoration einfach "explodiert". Erst im Haus, dann auch rund herum.

Matthias und Angelika Erdle beim Aufbau ihres Weihnachtshauses in Veitshöchheim. Foto: Thomas Obermeier

"Mein Mann ist schon wieder im Garten", lacht Angelika Erdle. Auch an diesem Tag ist Matthias Erdle um 16 Uhr von der Arbeit gekommen, hat noch schnell gegessen und dann zum Akkuschrauber gegriffen. Seit Mitte September sieht so der Alltag im Hause Erdle aus – jede freie Minute wird in den Aufbau ihres "Weihnachtshauses" gesteckt. Drei Monate braucht es dafür. 

Jedes von 5000 Plätzchen wird einzeln gezählt 

Jedes gebackene Plätzchen wird gezählt und auf dieser Liste für das Jahr 2019 festgehalten. Foto: Mareike Sperzel

Zwar gebe es im Vorfeld keinen Aufbauplan, aber einige Regeln müssen beachtet werden, damit später alles leuchtet: "Wir fangen immer mit den Lichterketten am Zaun an. Dann werden die Airblow-Figuren aufgestellt – die sind 2,40 Meter hoch und müssen ganz hinten stehen. Und dann kommen in die vorderen Reihen die etwas kleineren Hartplastik-Figuren", erklärt Angelika Erdle. Pfosten und Lichterketten entlang des Gartenweges halten die Besucher aus dem Figuren-Kabel-Labyrinth fern, damit sich niemand verletzt.

"Matthias behält beim gesamten Aufbau immer den Überblick ", lobt Angelika Erdle ihren Mann. Nach Feierabend und am Wochenende schraubt, verräumt und steckt der gelernte Schlosser stundenlang. Währenddessen backt Angelika Erdle meist Plätzchen, manchmal mit der Hilfe ihrer Mutter und Tochter. Am zweiten Novemberwochenende lagerten schon 3348 Plätzchen in den Keksdosen, jedes einzelne wird gezählt. Mindestens 5000 Plätzchen sollen es werden, damit es für die 300 bis 500 Besucher jedes Wochenende reicht. Denn zum Rundgang durch den Weihnachtsgarten gibt es Glühwein und Kekse auf die Hand. Alles kostenlos. "Wir machen das nicht, um hier eine Geldquelle aufzumachen", betont Angelika Erdle. Eine Spendenbox werde aufgestellt, um die Kosten für kiloweise Butter und Mehl oder die rund 600 Euro plus auf der Stromrechnung zu decken.

Matthias Erdle sucht den richtigen Platz für Schneemann "Olaf". Die Figur ist ein Charakter aus den Disneyfilmen "Die Eiskönigin" - und ein wahrer Kinderliebling. Foto: Thomas Obermeier

Kälte, Klimawandel und Kritik

Der größte Feind sei die Feuchtigkeit, erzählt Angelika Erdle. Immerhin liegt alle Elektronik wochenlang bei Nässe und Kälte im Freien. Drei Starkstromleitungen haben sich Erldes mittlerweile verlegen lassen, um die 33 Kilowatt an benötigter Stromleistung stemmen zu können. So viel Strom verbrauchen, je nach Modell, etwa 16 gleichzeitig laufende Waschmaschinen.

Beschweren sich die Leute nicht über Energieverschwendung, gerade in Zeiten des Klimawandels?  Vor Jahren habe sich mal eine Frau am Eingangstor fürchterlich aufgeregt. Und letztes Jahr habe ein vierjähriges Kind dem Ehepaar Erdle ins Gesicht gesagt: "Das hier ist Energieverschwendung." Völlig verblüfft sei Angelika Erdle in diesem Moment gewesen, erzählt sie. So wirklich nachvollziehen kann sie die Aufregung auch nicht: Die Beleuchtung sei von der Anwohnerstraße aus nicht zu sehen. Man müsse dafür den nach hinten gelegenen Garten gezielt aufsuchen. "Das Weihnachtshaus ist unser Ding und das lassen wir uns auch nicht nehmen. Wir wollen in dieser Zeit, sechs Wochen im Jahr, einfach Freude verbreiten", so Angelika Erdle.

So sieht es auch Jürgen Götz, der Bürgermeister von Veitshöchheim. Er sei selbst schon mehrfach mit seinen Kindern im Weihnachtshaus zu Besuch gewesen und es sei immer wieder ein "Highlight", die Stimmung dort auf sich wirken zu lassen. Beschwerden von Anwohnern oder andere Probleme, wie beispielsweise mangelnde Parkplätze, seien ihm nicht bekannt. In der Adventszeit und an den Wochenenden kämen generell viele Besucher von auswärts - manche auch mit dem Wohnmobil. "Wir freuen uns über Gäste, die unsere Gemeinde besuchen", so Götz. Der Anlass der Besuche, ob nun wegen des Weihnachtsmarkts oder des Weihnachtshauses, sei nicht wichtig.

Fotoserie

Der Aufbau eines Weihnachthauses

zur Fotoansicht

Jeden Abend im Advent und bis zum Dreikönigstag stehen die Erdles im Garten, um ihre Leidenschaft mit anderen Menschen zu teilen. Auch am 24. Dezember empfangen sie Gäste. Ein sechsjähriger Junge besuche seit seinem zweiten Lebensjahr zusammen mit seiner Großmutter immer an Heilig Abend das Weihnachtshaus. Erst, wenn das Christkind in der Krippe angeschaut worden sei, will der kleine Junge zuhause Bescherung feiern.

Die Höhepunkte in diesem Jahr

Diese Jahr gibt es mehrere neue Höhepunkte. So verwandelte sich beispielsweise eine kleine Gartenhütte in ein ein kuscheliges Kaminzimmer, echt amerikanisch-authentisch. Dort sollen sich die Besucher fotografieren können. Auch neun neue, lebensgroße Krippenfiguren werden aufgestellt, die Angelika Erdle ihrem Mann Matthias zum 24. Hochzeitstag in diesem Jahr geschenkt hat. 

Besonders Highlight in diesem Jahr: Die Kaminstube, in der sich die Besucher fotografieren können. Foto: Thomas Obermeier

Und wenn im Sommer kein Weihnachtshaus ist?

"Wir lieben den Sommer draußen. Es ist die Erholung von der Winterzeit." Denn die sechs Wochen seien ein Ausnahmezustand, im besten Sinne. Tag für Tag neben dem regulären Job abends in der Kälte die Besucher zu empfangen, das koste Kraft. Und nach der Weihnachtszeit muss noch der Abbau bewältigt werden: Nach vier Wintermonaten im Freien muss jede Figur abgewaschen und einzeln verpackt werden. Die Weihnachtsdekorationen werden auf den Spitzboden gelagert. Dort werden die Kisten gestapelt und geschichtet wie bei einem Tetris-Spiel. Die riesigen Air-Blow-Figuren wanken erst noch wochenlang neben der Waschmaschine durch die Luft, weil sie nur im aufgeblasenen Zustand richtig trocknen. Man sei wirklich froh, bekennt Angelika Erdle, wenn der letzte Karton verstaut sei und ein paar Monate Ruhe einkehre, bevor alles von vorne losgehe.

Bei den Erdles lagern Kisten voll Weihnachtsdeko. Das alles wird noch aufgebaut. Foto: Thomas Obermeier
"Es ist unser Hobby, unsere Leidenschaft. Und das wollen wir den Leuten einfach zeigen."
Angelika Erdle

Ob das Ehepaar sich manchmal sagt "dieses Jahr nicht"? Natürlich kommen einem auch solche Gedanken, so Angelika Erdle. Aber eigentlich nur dann, wenn gerade etwas schief gegangen sei oder man zum hundertsten Mal auf den Speicher steigen müsse. Tatsächlich haben die Erdles noch kein Jahr ausgesetzt. Vor wenigen Wochen hätten Angelika und Matthias Erdle zum ersten Mal in all den Jahren darüber gesprochen, wie lange es ihr Weihnachtshaus so noch geben werde. Der Vorsatz: Noch zehn Jahre.

Das Weihnachtshaus in Veitshöchheim ist vom 1. Dezembert bis zum 6. Januar für Besucher geöffnet. Montag bis Freitag: 17-19 Uhr; Samstag und Sonntag: 17-20 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Der Eingang durch das Gartentor ist von der Bahnhofstraße in Veitshöchheim aus zu erreichen.

Rückblick

  1. Anzeige: Händler verbrennt rund 100 Christbäume
  2. Lohrer Weihnachtsmarkt auf dem Prüfstand: Künftig am Schlossplatz?
  3. Das Wipfelder Weihnachtshaus der Familie Schneider leuchtet hell in dunkler Nacht
  4. Facebook & Instagram: Wettlauf der Netzwerke um die heilste Weihnachtswelt?
  5. Schöne Bescherung! Was ein ADAC-Helfer an Heiligabend alles erlebte
  6. Würzburger Adventskalender: Überraschung im Ausland
  7. Video: Tierische Weihnachtsgrüße aus Pflochsbach in die Welt
  8. Geburtstag an Weihnachten: Raclette fürs Kitzinger Christkind
  9. MSP-Wunschzettel: Nikolaus wünscht sich glückliche Menschen
  10. Würzburger Adventskalender: Salziger Schock  beim Plätzchenessen
  11. Stimmen Sie ab: Welches Essen darf an Heiligabend nicht fehlen?
  12. MSP-Wunschzettel: Ein Job, ein Bett und inneren Frieden
  13. MSP-Wunschzettel: Gegen den Welthunger und für genussvolles Essen
  14. Wie Holzschnitzer Metz die Rhön in die Weihnachtskrippe holt
  15. Guter Baum, böser Baum? Was los ist, wenn man sorglos dekoriert
  16. Statt Festtagsbraten: Unser Weihnachtsmenü zum Nachkochen
  17. Segnitz: Das weihnachtliche Miniatur-Wunderland in der Scheune
  18. Würzburger Adventskalender: Statt Christkind kommen die Trolle
  19. 7 Tipps für stressfreie Weihnachten
  20. Wie einsame Menschen in Würzburg gemeinsam Weihnachten feiern
  21. Würzburger Adventskalender: Was unbedingt  in die Krippe gehört
  22. Würzburger Adventskalender: Getrübte Stimmung bei der Bescherung
  23. Würzburger Adventskalender: Als das Christkind vom Himmel kam
  24. Würzburger Adventskalender: Letzte Rettung im Dönerladen
  25. Würzburger Adventskalender: Bei Weihnachten ist weniger mehr
  26. Würzburger Adventskalender: Was Weihnachten eigentlich bedeutet
  27. Plätzchen backen mit Amanda: Lieblingsrezepte der Nilpferddame
  28. Wenn der Adventskranz von Haus zu Haus wandert
  29. Würzburger Adventskalender: Turbulentes Fest im neuen Haus
  30. Würzburger Adventskalender: Aufregung im Weihnachtsflieger
  31. Winterdorf im Dornheim: Eisstockschießen im Biergarten
  32. Würzburger Adventskalender: An Heiligabend ins Schwimmbad
  33. Würzburger Adventskalender: Weihnachten vor über 70 Jahren
  34. Würzburger Adventskalender: Heiligabend auf der Intensivstation
  35. Quiz: Kennen Sie die Weihnachtstraditionen der Welt?
  36. Die Tücken des Geschenk-Gutscheins
  37. Weihnachten: Warum wir Stille brauchen
  38. Würzburger Adventskalender: Als Benno sich den Braten schnappte
  39. Würzburger Adventskalender: Warum es nicht lohnt, brav zu sein
  40. Marktheidenfelder Weihnachtsmarkt: Ein Lichterfest zum Start
  41. Würzburger Adventskalender: Als Nikolaus mit der Eisenbahn kam
  42. Würzburger Adventskalender: Der Nikolaus kommt in Opas Schuhen
  43. Würzburg Adventskalender: Wer in Wahrheit der Nikolaus war
  44. MSP-Wunschzettel: Nichts, was man kaufen und einpacken könnte
  45. Die blinde Verena Bentele weiß, wie das Christkind riecht
  46. Die schönsten Weihnachtsfilme: Wählen Sie Ihren Favoriten!
  47. Alles, was Sie zum Röttinger Winterzauber wissen müssen
  48. Autoverlosung Bad Neustadt: 3500 Lose sind bereits verkauft
  49. Wann läuft Sissi an Weihnachten 2019 im TV?
  50. 50 500 Lampen: So entstand das Weihnachtshaus in Veitshöchheim

Schlagworte

  • Veitshöchheim
  • Mareike Sperzel
  • Besucher
  • Ehepartner
  • Familien
  • Hochzeitstage
  • Jürgen Götz
  • Mütter
  • Söhne
  • Weihnachten
  • Weihnachtsmärkte
  • Weihnachtsschmuck und Weihnachtsdekoration
  • Weihnachtszeit
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!