WÜRZBURG

50 Jahre Würzburg Whirlers: Wo Röcke und Pettycoats fliegen

Fröhlich zeigen sie ihre Kleider, die sie zum Square Dance tragen: (v.l.) Susanne Eisele (86), die seit 1981 dabei ist und Gründungsmitglied Marlis Volz (75). Foto: Patty Varasano
Fröhlich zeigen sie ihre Kleider, die sie zum Square Dance tragen: (v.l.) Susanne Eisele (86), die seit 1981 dabei ist und Gründungsmitglied Marlis Volz (75). Foto: Patty Varasano Foto: Patty Varasano

Im Pfarrsaal der katholischen Kirche St. Josef in Rottenbauer tanzen in Pettycoats gekleidete Damen, lächeln den Herren zu, drehen sich zum nächsten Partner, klatschen in dessen Hände: Square Dance der Würzburg Whirlers (Engl. „to whirl“: herumwirbeln). Jede Figur des Tanzes wird vom Caller, dem Rufer, angesagt, während die Musik läuft. Die Tänzer richten sich danach. „Wenn wir keinen Caller haben, können wir nicht tanzen“, sagt Marlis Volz. Das war schon immer so beim Square Dance – auch vor 50 Jahren, als sich die Würzburg Whirlers gründeten. Das feierten sie jüngst mit einem großen Event.

Ein Tanz für (fast) jedes Alter

„Square“, heißt im Englischen Viereck, Quadrat. Getanzt wird in Paaren; mindestens vier Paare braucht man für einen Square Dance, beschreibt Club-Präsidentin Michaela Schmitt. Bewegt sich ein Tänzer nicht genau nach den Vorgaben des Callers, macht er oder sie also etwa nur eine Achteldrehung statt einer geforderten Vierteldrehung, dann bricht der Square zusammen, so Club-Präsidentin Michaela Schmitt. Hier führt also nicht, wie bei den üblichen Standardtänzen, der Herr, sondern alle richten sich nach dem Caller.

Auf diese Art können schon junge Leute ab etwa zwölf Jahren mitmachen und ältere Leute bis ins weite Seniorenalter. Niemand hat einen festen Partner, sondern durch die Figuren wechselt man sich ab. Fehlen Männer – was meistens der Fall ist – dann tanzen auch Frauen die Figuren der Männer. Am besten, sie sind relativ groß, denn ihr Part ist es oft, eine Frau unterm Arm durchtanzen zu lassen. Man erkennt sie am blauen Band, das sie über die Schulter und schräg über die Brust tragen. Die Männer tragen üblicherweise, zumindest bei öffentlichen Auftritten, Westernhemden oder Hemden in ähnlichem Stil.

Männer-Mangel kein Problem

Der Männer-Part verlangt von einer Frau Können und besondere Konzentration, denn zusätzlich zu den 67 Figuren, die als Basiskönnen sitzen müssen, müssen Frauen als „Mann“ immer wieder umdenken. Der 86-jährigen Susanne Eisele macht das aber nichts aus: „Wenn man schon viele Jahre tanzt und sicher ist, dann möchte man gerne noch Zusätzliches können,“ sagt sie, die viel lieber den Männer-Part übernimmt; außerdem muss sich ein Mann nicht so viel drehen wie die Tänzerinnen, und das kommt ihr in ihrem Alter entgegen. „Das Schönste ist, dass man auch im Kopf tanzt“, meint die 86-Jährige schließlich. Square Dance sei wie Fahrradfahren, ergänzt Marlis Volz. Das verlerne man nicht. Und wer früh damit angefangen hat, hat sich meist noch viel mehr als nur das Grundprogramm angeeignet; insgesamt gibt es gut 400 Figuren.

1967 gab das amerikanische Ehepaar David und Bunny Pushcar den ersten Square-Dance-Kurs in Würzburg, an dem sowohl Amerikaner wie auch Deutsche teilnahmen. Im Herbst gründeten diese Tänzer den Club „Würzburg Whirlers“. Noch im gleichen Jahr wurde der Verein in den europäischen Dachverband aufgenommen. Inzwischen zählen die Würzburg Whirlers neben den Square-Dance-Clubs in Frankfurt, Wiesbaden und Heidelberg zu den ältesten in Deutschland, so die Information des Vereins.

Zur Feier des 50. Geburtstages der Würzburg Whirlers kamen 111 Square Dancer befreundeter Clubs, die meisten aus Süddeutschland und einige aus Österreich. Auch viele ehemalige Clubmitglieder waren dabei.

Besondere Ehrung für Marlis Volz

Clubcaller Joachim Schmitt und Ulli Handtke, Caller beim befreundeten Square-Dance-Club „Chickendales“ (Gerbrunn), gestalteten das abwechslungsreiche Programm; vom frühen Nachmittag bis in den späten Abend war die Tanzfläche immer gut gefüllt bei den so genannten Pattern Calls mit durchgehendem Rhythmus, und Singing Calls mit vorwiegend Western- und Schlagermusik, wurden beispielsweise Kommandos wie „swing through“ (einmal rechts, einmal links drehen) gerufen, „grand right and left“ (rechte – linke Hand in einer Kette) oder auch scoot back (mit dem gegenüberliegenden Tänzer eine Drehung mit dem rechten Arm). Besonders geehrt wurde Gründungsmitglied Marlis Volz, die nach wie vor tanzt und sich am Clubleben beteiligt.

Die Würzburg Whirlers tanzen mittwochs ab 19 Uhr im katholischen Pfarrheim St. Josef in Würzburg-Rottenbauer. Interessenten können unverbindlich vorbeikommen, um zuzuschauen und sich zu informieren. Info-Tel.: (0931) 66 24 87.

Voller Stolz zeigt Marlis Volz, dass man auch unter dem Pettycoat adrett gekleidet sein muss. Foto: Patty Varasano
Voller Stolz zeigt Marlis Volz, dass man auch unter dem Pettycoat adrett gekleidet sein muss. Foto: Patty Varasano Foto: Patty Varasano
Würzburg Whirlers in Aktion. Flache Schuhe genügen und sollten auch getragen werden, um vor allem bei den Drehungen andere nicht mit spitzen Absätzen zu verletzen. Foto: Patty Varasano
Würzburg Whirlers in Aktion. Flache Schuhe genügen und sollten auch getragen werden, um vor allem bei den Drehungen andere nicht mit spitzen Absätzen zu verletzen. Foto: Patty Varasano Foto: Patty Varasano

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