WÜRZBURG

50 Jahre Würzburger Julius-Echter-Gilde

Julius-Echter-Gilde – für viele Würzburger ist wohl der Namensgeber der seit 50 Jahren existierenden Institution ein Begriff, aber nicht die Gilde selbst. An diesem Samstag begeht die Gruppe engagierter katholischer Laien mit einem Pontifikalgottesdienst in Stift Haug und einer Festveranstaltung im großen Saal des Matthias-Ehrenfried-Hauses ihr 50-jähriges Gründungsjubiläum.

Die Echter-Gilde, die momentan 44 Mitglieder zählt, ist ein Kind der Nachkriegszeit und gehört zum 1949 gegründeten Cartell Rupert Mayer, das ursprünglich „Cartell der Christlichen Logen Deutschlands“ hieß. Die ursprünglich als Anti-Freimaurer-Loge konzipierte Vereinigung umfasst aktuell etwa 1200 engagierte katholische Laien in 34 „Freundeskreisen“. Jeder neue „Freund“ gelobt: „Ich verspreche, nach den Geboten Gottes und der Lehre der katholischen Kirche zu leben und die ihnen gemäße Ordnung in Welt und Kirche nach besten Kräften zu verwirklichen.“

Um die christlichen Werte in der Gesellschaft erfolgreich vertreten zu können, rekrutieren die „Freundeskreise“ ihre Mitglieder aus der katholischen Elite. Zu den Würzburger „Freunden“, die sich monatlich treffen, gehören unter anderem Ärzte und Juristen, Medienschaffende und Manager, Selbstständige und Beamte.

Charakteristisch ist der zurückhaltende Umgang mit der Öffentlichkeit. In der Satzung des Cartells Rupert Mayer heißt es: „Nach außen wird grundsätzlich der einzelne Cartellfreund tätig, während die Freundeskreise und das Cartell in der Regel öffentlich nicht in Erscheinung treten“.

Ursprünglich war die Mitgliedschaft nur Männern vorbehalten. Den langwierigen Abschied der Echter-Gilde vom „Männerbund“ beschrieb Bistumshistoriker Erik Soder von Güldenstubbe, der Schriftführer der Würzburger Julius-Echter-Gilde, im Gespräch. Bereits in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts diskutierte man die Zulassung von Frauen als Vollmitgliedern.

Mitunter ging es hierbei kontrovers zu. „Wie soll ich denn meiner Frau erzählen, dass ich heute meine Freundinnen getroffen habe?“ lautete ein nicht allzu ernst zu nehmender Einwand. Die pointierte Gegenposition bezog ein damals schon über 90-jähriger „Freund“: „Die Zeit der Männerbünde ist vorüber.“

Seit 2002 auch für Frauen offen

Ein einziger „Freund“ wollte seinerzeit am Männerbund-Charakter festhalten und blockierte die Satzungsänderung. Erst 2002, nach dem Austritt des „Verweigerers“, konnte in die neue Satzung geschrieben werden: „Damen und Herren, die bereit sind, ein christliches Leben zu führen und für die Ziele der Julius-Echter-Gilde zu wirken, können Mitglieder werden.“ Momentan gehören vier Frauen der Gilde an. Freundschaft, Wissenschaft und Religion bilden die drei Säulen der Freundeskreise. Dies spiegelt sich im Programm der Echter-Gilde: Im Anschluss an den Gottesdienst und vor dem gemeinsamen Abendessen informieren regelmäßig prominente Referenten wie der ehemalige Postminister Wolfgang Bötsch über aktuelle Themen.

Beim alljährlichen gesellig-kulturellen „Familientag“ treffen sich die Würzburger „Freunde“ mit ihren fränkischen Cartellfreunden aus Bamberg und Nürnberg. Die Spenden der „Freunde“ kommen sozialen Projekten wie der Gemeinschaft Sant' Egidio, der Katholischen Schule in Erfurt und einer Armenküche in St. Petersburg zugute.

So haben die „Freunde“ gleichzeitig die katholische Kirche und das Wohl des Mitmenschen stets fest im Blick. Julius Echter, Gegenreformator und katholischer Reformer, wäre wohl mit den Mitgliedern „seiner“ Gilde zufrieden gewesen.

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