RIMPAR

64 Seiten Einwände und Kritik

Es ist das Filetstück in Rimpar, das geplante Wohngebiet Sonnenweg/Lohenweinberg: Eine fast unverbaubare Hanglage mit Postkarten-Blick auf Altstadt und Schloss Grumbach. Schon seit Jahren liebäugelt der Gemeinderat mit einer Erschließung des Gebietes, und die Pläne für gut 50 Bauplätze sind auch schon mehrmals ausgelegt und überarbeitet worden. In seiner jüngsten Sitzung befasste sich der Gemeinderat eine Stunde lang mit 64 DIN A4-Seiten an neuen Abwägungen, Einwendungen und auch Kritik am Plan von Behörden, Institutionen und Bürgern. Diese Einwände werden nun, soweit notwendig, in den Plan eingearbeitet, der dann erneut öffentlich ausgelegt wird. Den genauen Zeitraum gibt die Gemeinde an den Anschlagtafeln bekannt.

In der Sitzung trug die Architektin Martina Wieland vom Büro Röschert die Einwände vor und stellte dem die dazugehörigen Antworten gegenüber. Bei Bedarf steuerte Bürgermeister Burkard Losert Ergänzungen bei. Seitens der Räte wirkte SPD-Sprecher Harald Schmid ein bisschen wie der Sprecher des gesamten Gremiums, denn Redebeiträge kamen fast ausschließlich von ihm. Weil eine ausführliche Diskussion über alle Einwendungen mehrere Stunden gedauert hätte, konzentrierte sich das Gremium auf die wesentlichen Punkte.

Grundsätzlich ist das Wohngebiet Sonnenweg/Lohenweinberg schon in den 70-er Jahren im Flächennutzungsplan als Baugebiet vorgesehen worden, was Klagen, die von mehreren Bewohnern des benachbarten Baugebietes angekündigt worden waren (unter anderem wegen einer Verschlechterung der Lebensqualität), wohl erschweren dürften. Auf Anregung eines Bürgers ist der eigentliche Plan auch geändert worden. Nach wie vor bleibt es bei der Zufahrt über die Straße Am Holzweg, da die angeregte Erschließung über die zu enge Sonnenstraße nicht möglich ist. Dafür werden die zukünftigen Bewohner des Gebietes nun an zwei anstelle einer Stelle ins Wohngebiet abbiegen können.

„Uns erreichen täglich zwei bis drei Anfragen nach Wohnbaugrundstücken.“
Burkard Losert Bürgermeister

Da es sich um ein Wohngebiet handelt, wird es kein Kleingewerbe und keine Restaurants geben, Mobilfunkmasten sind nicht erlaubt. Die Zahl der Vollgeschosse wird von zwei auf eines reduziert, bezüglich der Dachformen zeigt sich der Gemeinderat großzügig, um regenerative Energieformen zu ermöglichen. Kfz-Stellplätze müssten nachgewiesen werden, eine Ablöse ist ausgeschlossen, im Einzelfall entscheidet der Gemeinderat. Damit ist Harald Schmid eine große Sorge los, denn er hatte befürchtet, „dass wegen fehlender Stell- und Parkplätze das untere Wohngebiet zugeparkt wird“.

Immer wieder tauchte auch der Einwand auf, es gebe in Rimpar 126 unbebaute Bauplätze, und die Gemeinde möge doch bitte erst diese Leerstände füllen, bevor ein neues Wohngebiet entsteht. Diese Grundstücke aber befinden sich allesamt im Privatbesitz, so dass die Gemeinde keinen Einfluss auf einen möglichen Verkauf hat. „Uns erreichen täglich zwei bis drei Anfragen nach Wohnbaugrundstücken“, so der Bürgermeister, „wir sind wegen der räumlichen Nähe zu Würzburg schon sehr gefragt“.

Sorge bereitet den Anwohnern des Holzweges die Zufahrt zum Wohngebiet. Zum einen sei die Straße sehr eng – „Mit 5,50 Metern Breite können sich Lastwagen und Pkw problemlos begegnen“, so Losert – zum anderen befürchten sie schon durch die Erschließung noch mehr Verkehr durch Lastwagen. Um das zu verhindern, wird der Holzweg für Baufahrzeuge gesperrt, die Zufahrt erfolgt von Norden her, im Bereich der Firma Göbel. Ein Kreisverkehr an der Austraße, dessen Planung der Rat beschlossen hat, soll die Zufahrt zum Wohngebiet besser regeln.

Schwerwiegende Einwände brachten der Bund Naturschutz und der Landesbund an. Mehrere Seiten lang listen sie Gründe und Paragrafen auf, mit denen sie dieses Gebiet als „besonders schützenswert“ ansehen und deren Aufzählung aus Platzgründen nicht möglich ist. So sieht der Bund Naturschutz unter anderem eine „mangelhafte Darstellung und Anwendung der Eingriffsregelung im Umweltbericht“.

„Eine ausführliche Beschreibung der Biotoptypen mit umfangreicherer Pflanzenliste wird in den Umweltbericht eingearbeitet“, sagt die Architektin. Auch werde der Kompensationsbedarf (Ausgleichsfläche) erhöht und die Tier- und Pflanzenartenliste ergänzt. Hecken, Gehölze und Obstbäume würden neu gepflanzt, Nistkästen für Vögel und Fledermäuse aufgehängt.

Der Landesbund für Vogelschutz kritisierte unter anderem das „nicht vollständige Erfassen der Vogelarten wegen der begrenzten Anzahl an Begehungen“. Das räumte Wieland nur zum Teil ein: „Zwar hat es sechs Begehungen gegeben, aus zeitlichen Gründen aber nicht nachts, etwa während der Balzzeit der Eulen“. Jedoch hätte sich ergeben, dass es „keinerlei Hinweise auf ein Vorkommen des Steinkauzes in der Region Würzburg“ gegeben habe.

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