WÜRZBURG

69. Treffen des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau

Stammbaum der Familie Rosenbaum: Rainer Christian Rosenbaum, der Sohn des Vorsitzenden des Heimatkreises Trautenau und seine Frau haben sich auf die Suche nach den Familienwurzeln im Riesengebirge begeben. Foto: Christian Ammon

Für Rainer Rosenbaum haben sich die Verbände und Organisationen der ab 1944 aus dem Osten heimatvertriebenen Deutschen nicht überlebt. Viele der 15 Millionen Vertriebenen hätten bis heute über das erlittene Schicksal geschwiegen, da die Gesellschaft nicht dazu bereit war, ihnen zuzuhören, sagte der im letzten Jahr zum Vorsitzenden des Riesengebirgler Heimatkreises Trautenau gewählte Arzt, der rund 30 Jahre als Entwicklungshelfer in Lateinamerika gearbeitet hat.

„Wir sollten aber diese Geschichten hören, denn Versöhnung ist nur möglich, wenn die Opfer sich auch mitteilen können“, sagte er beim 69. Heimatkreistreffen der Heimatfreunde vor rund 120 Teilnehmern im Veranstaltungszentrum Heiligkreuz.

Die Heimatvertriebenen hätten, so Rosenbaum, die wichtige Aufgabe, das Erlebte, die Erfahrungen und ihre Erkenntnisse weiterzugeben. Ebenso wichtig wie die Erinnerung an die Opfer deutscher Übergriffe sei die Erinnerung an deutsche Opfer, die ihre Heimat verloren haben, auf der Flucht gestorben sind, ermordet und vergewaltigt wurden. Es sei falsch, dass „unsere eigenen Kinder und Enkel kaum noch Kenntnis von einem wichtigen Teil der deutschen Geschichte haben.“

Dass sich die junge Generation für ihre Vorfahren interessiert, zeigte der Sohn des Vorsitzenden, Rainer Christian. Aufgewachsen in Bolivien, hat er sich zusammen mit seiner Frau, einer Ecuadorianerin, auf die Suche nach den eigenen Wurzeln begeben. Das Ergebnis haben beide in einem umfangreichen Stammbaum festgehalten. „Es ist eine Katastrophe, wenn ein Volk oder eine Sprache aussterben“, begründete er die zeitaufwendige Beschäftigung.

Nach Ansicht des Vorsitzenden Rosenbaum ist es wichtig, den Heimatkreis weiter nach außen zu öffnen und sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Vertreibung sei „eine elementare Menschenrechtsverletzung“ wie sie auch die Armenier um 1915 oder viele der derzeitigen Asylbewerber erlebt hätten. Die deutschen Vertriebenen seien ein Beispiel dafür, dass es möglich ist, eine neue Heimat zu finden und Versöhnung zu leben. „Wir dürfen uns nicht als die Ewiggestrigen darstellen, die ihr Leben lang nostalgisch ihrer verlorenen Heimat nachtrauern“, betonte Rosenbaum.

Ein wichtiger Schritt dazu war die Gründung einer Städtepartnerschaft zwischen Würzburg und dem tschechischen Trutnov (ehemals Trautenau) 2008. Allerdings ist im 60. Jahr des Heimatkreises die Heimatstube in der Neubaustraße 12, die heuer 30 Jahre alt wird, in ihrem Fortbestehen gefährdet. Der Riesengebirgler Heimatkreis bietet jeden ersten Dienstag im Montag eine „Schatzsuche mit Rübezahl“ an, bei dem Erinnerungen und das Brauchtum aus dem Riesengebirge wieder aufleben. Die Riesengebirgsstube ist Dienstag und Donnerstag von 9 bis 11 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet.

Info: Tel. (0931) 1 21 41 oder auf der Internetseite www.trautenau.de

Gruppenbild mir Rübezahl: Unser Foto zeigt (von links) von der Landsmannschaft der Ost- und Westpreußen Hagen Lange, vom Heimatkreis Trautenau Helmut Hiemer, der für 25 Jahre Mundartlesungen geehrte Rudi Staffa, die Geschäftsführerin Andrea Huber, den Vorsitzenden Rainer Rosenbaum sowie von der Sudetendeutschen Landsmannschaft Alfred Kipplinger. Foto: Christian Ammon

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