WÜRZBURG

879 Jahre altes Testament : Wein vergießen zur Vergebung der Sünden

879 Jahre alte Urkunde: Dieses Original befindet sich auf einer Schriftrolle im Bayerischen Staatsarchiv in der Residenz.
879 Jahre alte Urkunde: Dieses Original befindet sich auf einer Schriftrolle im Bayerischen Staatsarchiv in der Residenz. Foto: REPRO OHLHAUT

„1000 Jahre St. Stephan: Lebendige Tradition“ hieß es auf dieser Seite Anfang Januar. Unsere Berichterstattung regte Leser Jochen Ohlhaut dazu an, auf das Testament des Wolvodi aus dem Jahr 1135 aufmerksam zu machen. Darin hatte der Heidingsfelder Bürger erklärt, dass er seinen Weingarten am Gochesberg – dem heutigen Geisberg unterhalb der Autobahnraststätte Würzburg-Süd – „zu den Füßen der Apostel Petri und Pauli und des heiligen Stephanus übertragen habe“. Das 879 Jahre alte Testament befindet sich auf einem Rotulus, einer Schriftrolle, im Bayerischen Staatsarchiv in der Residenz.

Er sei „mehr oder weniger durch Zufall auf dieses historische Zeugnis“ gestoßen, sagt Jochen Ohlhaut. Eigentlich hatte er im Vorfeld des 150-jährigen Bestehens des Winzervereins Würzburg-Heidingsfeld im Jahr 2009 nach Schriftstücken gesucht, die belegen, dass den Heidingsfeldern erlaubt war, Weinberge am Kirchberg anzulegen.

Auf die Spur der 879 Jahre alten Urkunde brachten ihn dann die geschichtlichen Forschungen der Familie Heidingfelder: Hier fand Ohlhaut den Hinweis auf das Testament des ersten namentlich genannten Heidingsfelder Bürgers, des Weinbergsbesitzers Wolvold: „Nach langen Bemühungen gelang es mir, das Original im bayerischen Staatsarchiv anzusehen.“ Das Schriftstück befindet sich auf einer etwa sechs Meter langen Schriftrolle. Der in Latein verfasste und auf Pergament festgehaltene „Letzte Wille“ spiegelt die tiefe Frömmigkeit des Wolvold wider. „Außerdem ist das der Beweis, dass der Weinbau schon vor der kaiserlichen Privilegierung im Jahr 1170 betrieben worden ist“, so Ohlhaut. Kaiser Friedrich Barbarossa hatte also erst 35 Jahre nach Anfertigung des Testaments von Wolvold den Weinbau in Heidingsfeld „von Kaisers Gnaden“ erlaubt. Von dem Testament liegt Ohlhaut eine Übersetzung vor, allerdings konnte er bisher nicht herausfinden, wer dafür verantwortlich zeichnet. Da heißt es: „Das Denkmal für die Gläubigen, die Glauben an Christus standhaft verharren, wird wissen, wie sehr ich Wolvold das nahe Urteil Gottes über meine Prüfung fürchte, und welch schönen Weingarten der am Gochesberg liegt ich zu Füßen der Apostel Petri und Pauli und des heiligen Stephanus übertragen habe, um Verzeihung für meine Sünden zu erlangen, indem ich mit Recht folgenden Pakt bestätige, dass, solange ich an mein körperliches Dasein gekettet bin, ich jährlich einen halben Weinkrug an St. Martin (11. November) für die dort Gott dienenden Brüder vergießen werde (. . . ) Dies wurde im Jahr des Herrn 1135 überliefert.“

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