Heidingsfeld

A3-Ausbau: Warum Anwohner in Würzburg Angst vor Gewittern haben

Wasser und Schlamm im Keller hatten die Anwohner des Heidingsfelder Heigelsbachs zuletzt im Jahr 2016. Warum sie Angst haben, dass es bald wieder so weit sein könnte.
"So hoch stand 2016 das Wasser, als der Bach überlief", zeigt Michael Kraus, der bei einem Ortstermin Mitte November im trockenen Bett des Heigelsbaches steht. Er warnt seit langem, die Regenrückhaltebecken unter der Autobahnbrücke seien zu klein geplant. Foto: Thomas Obermeier

Im Würzburger Stadtteil Heidingsfeld hat man Angst vor Hochwasser. Deshalb soll sich die Stadt Würzburg bei der Autobahndirektion Nürnberg (ABDN) dafür einsetzen, dass ein direkt unter der neuen Autobahnbrücke geplantes Rückhaltebecken für die Autobahnentwässerung nicht erst Ende 2021 oder 2022 gebaut wird, wie von der ABDN vorgesehen, sondern sofort. So hat es der Planungs-, Umwelt- und Mobilitätsausschuss auf Antrag von Heinz Braun (ÖDP) beschlossen.

Anlieger des Heigelsbaches hatten sich an Braun gewandt, weil der Bach, der kurz vor der Brücke aus dem Zusammenfluss des Fuchsstädter und des Reichenberger Baches entsteht, nach einem Gewitter Ende Juli  über die Ufer zu treten drohte. Im Mai 2016 hatte er dies schon einmal getan und Keller überflutet und Straßen beschädigt. Die Anwohner vermuten, der Anstieg des Baches könne mit der Regenwassereinleitung der im Bau befindlichen A3 zusammenhängen, so der Stadtrat in seinem Antrag.

Links kommt der Fuchsstädter Bach, rechts der Reichenberger Bach. Wenn es im Einzugsbereich beider Bäche heftig regnet und das Oberflächenwasser der Autobahn über den Heigelsbach abfließen soll, befürchtet Michael Kraus schlimmes für die Anwohner. Foto: Thomas Obermeier

Außer Braun hatten auch weitere Stadträte in Ausschüssen und den Haushaltsberatungen Anträge gestellt, die den Hochwasserschutz am Heigelsbach als Thema hatten. Ein Konzept für den Heigelsbach sei die Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Hochwasserschutzes in Heidingsfeld, heißt es dazu aus der Pressestelle des Rathauses. Dazu stehe man auch im Austausch mit dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) in Aschaffenburg. Doch bislang habe es im Rathaus schlichtweg an personellen Kapazitäten gemangelt. Nachdem der Stadtrat kürzlich die Einrichtung der notwendigen Stellen beschlossen habe, würden diese nun besetzt. Dann könne mit der Arbeit begonnen werden.

Zuständig für die Entwässerung der Autobahn sind das WWA und die Autobahndirektion. Einer, der von Anfang an grundsätzliche Zweifel an deren Berechnungen geäußert hat, ist der Heidingsfelder Michael Kraus. Der Vorsitzende der Umwelt- und Gesundheitsinitiative Würzburg-Tunnel (BI) bezweifelt, dass die beiden unter der Brücke geplanten Rückhaltebecken in ihren Dimensionen ausreichen, sagt er in einem Gespräch mit dieser Redaktion.

"Bloß landet das ganze dann bei den Heidingsfeldern im Keller."
Michael Kraus, Umwelt- und Gesundheitsinitiative Würzburg-Tunnel

"Die Dimensionen der Rückhaltebecken waren in der ursprünglichen Planung nur auf ein fünfjähriges Regenereignis ausgelegt", weiß Kraus. Erst nach Protesten der BI seien diese Berechnungen auf ein 27-jähriges Regenereignis ausgeweitet worden, also einen Starkregen, wie er, statistisch gesehen, nur alle 27 Jahre einmal vorkommt. Aber auch das langt nach seinen Berechnungen nicht, sagt er.

"Es ist gängige Praxis, Regenrückhalteanlagen auf ein fünf- bis zehnjähriges Regenereignis auszulegen", antwortet Herbert Walter, Leiter des WWA auf Anfrage. Für das Becken direkt unterhalb der Autobahn am Heigelsbach sei jedoch zum Schutz der Unterlieger ein Sicherheitszuschlag von 50 Prozent gewählt worden. Es sei somit auf ein 23-jähriges Regenereignis ausgelegt, sagte er. Inwieweit die BI bei dieser Entscheidungsfindung eingebunden gewesen sei, lasse sich in den Unterlagen des Amtes nicht mehr nachvollziehen.

Nach dem Hochwasser vom Mai 2016: Der Heigelsbach floss am nächsten Tag wieder harmlos wirkend in seinem Bett, das Gras und die angeschwemmte Biotonne im Brückengeländer zeigen jedoch, wie hoch der Wasserstand nach dem lokalen Gewitter des Vortages gewesen war. Foto: Thomas Obermeier

Geeignete Stellen für Fluträume ausgemacht

Auch bei der Fläche, die in die Becken entwässert werden soll, gehen die Meinungen auseinander.  Laut Autobahndirektion seien es 35 Hektar aus, sagt Kraus. Er meint, hinzu kämen noch rund 20 Hektar in Richtung Kist. Das Wasserwirtschaftsamt bestätigt allerdings die Autobahndirektion: Der Entwässerungebereich zwischen der Ausfahrt Würzburg-Heidingsfeld und der Mainbrücke bei Randersacker umfasse 32,2 Hektar. In das geplante Becken am Heigelsbach würden aber nur 6,4 Hektar entwässert, schreibt der Chef des WWA.

Schulweg gesperrt: Im Mai 2016 überflutete der Heigelsbach diesen Weg und machte ihn teilweise unpassierbar. Foto: Michael Kraus

"Nach meinen Berechnungen läuft das Absetzbecken unter der Brücke bei einem 100-jährigen Hochwasser innerhalb von 13 Minuten über", hält Kraus entgegen.  Auf derartige Bedenken der BI habe das WWA geantwortet, man sei froh, wenn es immer wieder Starkregenereignisse gebe, weil dann die Mäander der Bäche und Flüsse gereinigt würden. "Bloß landet das ganze dann bei den Heidingsfeldern im Keller", sagt Kraus.

Er hat im Rottenbaurer und Reichenberger Grund Stellen ausgemacht, wo durch Dämme Fluträume angelegt werden könnten, um das Wasser der Bäche zumindest so lange zurück zu halten, bis das Oberflächenwasser der Autobahn abgeflossen ist. "Das wäre eine mögliche Maßnahme", sagt er. 

WWA: Dämme und Rückhaltebecken im Einzugsbereich des Heigelsbachs sind denkbar

Grundsätzlich wären Dämme und Rückhaltebecken im Einzugsgebiet des Heigelbachs denkbar, die das Wasser gedrosselt an die Gewässer abgeben, schreibt auch der Leiter des WWA. Sein Amt berate deshalb die Stadt bei der Erstellung eines Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzepts für den Heigelsbach. Dieses soll bebaute Gebiete dann vor einem 100-jährigen Hochwasser plus einem sogenannten Klimafaktor von 15 Prozent schützen, weiß der Chef des Wasserwirtschaftsamtes. 

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