Rottendorf

Älteste Partei Rottendorfs feierte 110. Geburtstag

SPD-Ortsvereinsvorsitzender Detlef Wolf (rechts) überreicht Robert Hesselbach die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. Foto: Christian Ammon

Auf Bundesebene herrscht Krisenstimmung. Vor Ort ist die Sozialdemokratie jedoch noch immer stark verwurzelt. Mit dem SPD-Ortsverein Rottendorf feierte nun einer der größten Ortsvereine in der Region 110. Geburtstag. Im Juli 1910 gegründet, ist die SPD die älteste Partei im Ort. Mit der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) feierte zudem eine seit 40 Jahren unverzichtbare Untergruppe runden Geburtstag bei dem Empfang der Musikschule.

Seit ihrer Gründung habe die SPD den Ort geprägt und mitgestaltet. Sie habe entscheidenden Anteil an der Entwicklung "von einer ländlich geprägten Gemeinde hin zu einer modernen und leistungsstarken Standrandgemeinde", betonte Ortsvereinsvorsitzender Detlef Wolf. Verbunden sei dies vor allem mit dem langjährigen SPD-Bürgermeister Elmar Ditzel, der von 1965 bis 1984 die Geschicke der Gemeinde prägte und die Ausweisung des großen Gewerbegebiets westlich der Bahn mit über 3000 Beschäftigten anstieß.

Auch eine weitere, wichtige Etappe für die Gemeinde gehe, so Wolf, auf eine sozialdemokratische Idee zurück. Mit dem Erwerb des Wasserschlosses durch die Gemeinde sei eine Forderung im Wahlkampf des Bürgermeisterkandidaten von 2006, Robert Hesselbach, umgesetzt worden. In dem sanierten, historischen Schmuckstück mit großem Garten befinden sich heute die Gemeindebücherei und Räume für Veranstaltungen. Dies sei zudem die Voraussetzung für die Umgestaltung des Kirchplatzes gewesen. Auch aktuell setze sich die SPD für eine sozial geprägte Entwicklung der Gemeinde ein. Sie drängt darauf, dass im Baugebiet Am Sand West "bezahlbarer Wohnraum" entsteht. Zur Kommunalwahl im März tritt die SPD mit einer vollen Kandidatenliste an.

Eine unverzichtbare Säule der politischen Arbeit des Ortsvereins sei seit 1979 die AsF. Damals taten sich zwanzig Frauen, die der SPD nahestanden, zusammen, um die Kommunalpolitik nicht mehr allein den Männern zu überlassen und die Gemeinde "familien- und jugendfreundlicher" zu gestalten, stellte AsF-Mitstreiterin Andrea Martin fest.

Schon damals haben die Frauen Forderungen erhoben, die erst heute allmählich umgesetzt werden, etwa Ganztagesgruppen in den Kindergärten oder Rampen für Kinderwagen am Bahnhof. Erstmals gelang 1989 mit Sieglinde Seiler einer SPD-Frau der Sprung in den Gemeinderat. Heute sind von fünf SPD-Räten drei Frauen. Landratskandidatin Christine Haupt-Kreutzer lobte das Engagement. Frauen seien zwar gesetzlich gleichgestellt, in der Politik oft jedoch noch immer unterrepräsentiert.

Als Festredner stellte Bundestagsabgeordneter Bernd Rützel die Sozialdemokratie als Stütze der deutschen Demokratie heraus. Als 1933 im Reichstag 94 SPD-Abgeordnete gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten stimmten, sei dies unter Lebensgefahr geschehen. Auch heute gebe es wieder massive Angriffe auf die Demokratie, Bürgermeister und Gemeinderäte. Vor diesem Hintergrund erinnerte er an ein weiteres Jubiläum, die Befreiung von Auschwitz vor 75 Jahren: "Wir müssen mit allen demokratischen Mitteln verhindern, dass der unter populistischem Denkmantel daherkommende rechte Mob die Axt an unsere Demokratie anlegt."

Zwei Sozialdemokraten erhielten besondere Ehrungen: Seit 50 Jahren ist Hans-Jürgen Landgrebe Mitglied des Ortsvereins und heute noch Leiter des Sozialverbands VdK in Rottendorf. Mit Robert Hesselbach hat sich vor einigen Monaten ein langjähriger und verdienter Kommunalpolitiker aus der aktiven Politik zurückgezogen. Der Ortsverein ernannte den langjährigen Gemeinderat, Vorsitzenden und zweimaligen Bürgermeisterkandidaten zum Ehrenvorsitzenden. Hesselbach war 40 Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD im Gemeinderat.

Stellvertretend für viele: Andrea Martin (rechts) von der AsF mit der Vorsitzenden Gabi Straub (Zweite von rechts), Zweiter Vorsitzenden Ursel Krombacher (links) und der Ehrenvorsitzenden Antje Fehn. Foto: Christian Ammon
MdL Volkmar Halbleib (von links) und der neue Ehrenvorsitzende Robert Hesselbach, Andrea Martin von der AsF Rottendorf, langjähriges Mitglied Hans-Jürgen Landgrebe, Ortsvereinsvorsitzender Detlef Wolf, stellvertretende Landrätin Christine Haupt-Kreutzer und MdB Bernd Rützel. Foto: Christian Ammon

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