Gerbrunn

Ändert sich die Baukultur in Gerbrunn?

Gerbrunn ist in den letzten 70 Jahren enorm gewachsen. 1948 hatten in der Stadtrandgemeinde nur rund 1200 Bewohner auf einer Fläche von 16 Hektar gelebt. Ende der 1960er waren es schon 4000 Menschen (42 Hektar). Heute sind es offiziell circa 6300 Einwohner mit Erstwohnsitz auf 130 Hektar. Doch die Nachfrage nach Wohnraum ist ungebrochen hoch – und wird es wohl auch bleiben. Daher hat die Gemeinde schon vor einiger Zeit gemeinsam mit einem Planungsbüro eine breit angelegte Untersuchung angestoßen, an deren Ende nun über allem der rechtlich nicht bindende Beschluss steht: Innen vor außen.

Das bedeutet, bevor ein weiteres Baugebiet am Ortsrand erschlossen wird, sollen erst im Inneren möglichst viele Wohnpotenziale ausgeschöpft werden. Stefan Wolfshörndl (SPD) gab sich auf der jüngsten Gemeinderatssitzung keinen Illusionen hin, dass eine Nachverdichtung einfacher umsetzbar wäre als ein Baugebiet auf der grünen Wiese. Der Gerbrunner Bürgermeister sagte: "Aus freien Grundstücken werden Baugrundstücke. Die Anwohner bekommen neue Nachbarn, die Zufahrtswege müssen neu geregelt werden." Dabei treffe man auf ähnliche Befindlichkeiten wie am Ortsrand. "Nur der Flächenverbrauch ist geringer", so Wolfshörndl.

Sechs Hektar könnten direkt bebaut werden 

Die Gemeinde hat im Sommer eine große Umfrage unter allen Hausbesitzern im Altort und den Eigentümern freier Flächen im ganzen Ortsgebiet durchgeführt. Die Rücklaufquote lag bei circa 50 Prozent. "Es gibt in Gerbrunn 81 Baulücken und insgesamt 94 Flächen, die direkt bebaut und genutzt werden könnten", erläuterte Cornelia Seifert vom Büro Wegner Stadtplanung. Das entspreche einer Fläche von sechs Hektar. Die Differenz ergebe sich daraus, dass manche Grundstücke eine Unterbenutzung hätten. "Das bedeutet, dass darauf beispielsweise nur ein Schuppen oder eine Scheune, aber kein Haus steht."

Tatsächlich eine bauliche Veränderung oder einen Verkauf strebt freilich nur ein Bruchteil dieser Eigentümer an. Dabei wären 110 zusätzliche Wohneinheiten notwendig, wenn die Gerbrunner Bevölkerung in den nächsten fünf Jahren um drei Prozent wächst, bei fünf Prozent wären es sogar 185.

Anderes Mobilitätsverhalten nötig

Die meisten Baulücken gibt es in den Neubaugebieten am Kirschberg und an der Roßsteige, doch auch im Ortskern wäre einiges möglich – zumal dort viele ältere Einwohner leben, die ihren Grund und Boden früher oder später an die nächste Generation weitergeben. "Ein weiterer Vorteil der Nachverdichtung ist, dass der Ortskern belebt wird", bemerkte Seifert. "Auf der anderen Seite kann die Parkplatzproblematik dadurch zunehmen." Hier sei auf Dauer ein anderes Mobilitätsverhalten nötig, etwa durch Carsharing.

Gabriela Gottwald (CSU) wünschte sich "eine generelle Veränderung der Baukultur in Gerbrunn". So sollten die Bebauungspläne an geeigneten Stellen angepasst werden, sodass eine Aufstockung um ein weiteres Stockwerk möglich sei. "Dort, wo aneinanderhängende überirdische Garagen stehen, könnte man beispielsweise auch Reihenhäuser errichten." Der stellvertretende Bürgermeister Reinhard Kies (FWG) brachte mahnende Worte in Richtung Planungsbüro an. Es sei Auftragnehmer der Kommunen. "Es soll bei Bauvorhaben nicht schon von vornherein die Argumente liefern, die zählen, sondern auch selbstkritisch mit sich umgehen."

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