GAUKÖNIGSHOFEN

Äußere und innere Schönheit

Die Spuren des Verfalls sind verschwunden, das 100 Jahre alte Gebäude der Gaststätte „Gaubahn“ zeigt sich mit einem farbig-frischen Gesicht. Für das Ehepaar Tina und Klaus Schweizer war es zur Herzenssache geworden, dem markanten Gebäude seine äußere und innere Schönheit zurückzugeben.
Der „Gaubahn“ in Gaukönigshofen: Die Eigentümer Tina und Klaus Schweizer gaben dem 100 Jahre alten Gebäude wieder ein neues Aussehen.
Der „Gaubahn“ in Gaukönigshofen: Die Eigentümer Tina und Klaus Schweizer gaben dem 100 Jahre alten Gebäude wieder ein neues Aussehen. Foto: FOTO Hannelore Grimm

Tina Schweizer arbeitete zunächst als Bedienung in der Traditionsgasstätte. Ab 1986 betrieb sie die Wirtschaft als Pächterin bevor sie und ihr Mann sich 1991 entschlossen, das Haus zu kaufen. Seither lebt die Familie mit den Söhnen Timo und Marcel in der „Gaubahn“, hinter der ein großes Stück Gaukönigshöfer Ortsgeschichte liegt.

Errichtet wurde das imposante Gebäude 1909 von Josef Hermann. Der damals 40-Jährige stammte aus Marktbreit und war verheiratet mit der Gaukönigshöferin Babette (geb. Pfeuffer). Vieles an dem Ortsbild prägenden Bau lässt vermuten, dass es von jenem Nürnberger Architekten entworfen wurde, der um diese Zeit auch die Pläne für den Kindergarten und das „Doktorshaus“ fertigte.

„Es war immer was los und vor allem gab's auch immer viel Arbeit“

Maria Jestädt Zeitzeugin

Die Wirtstradition der Hermanns setzte Sohn Oskar fort. 1932 heiratete Maria Hermann (geb. Lesch) in die Wirtschaft ein. In dem von Günther Stock heraus gegebenen Buch über die Geschichte der Gaubahnstrecke, die in unmittelbarer Nähe vorbei führte, erinnert Maria Hermann an die Jahre, in denen das Wirtshaus von Leben erfüllt war – besonders als in den 30er Jahren die Flugplatzbahn nach Giebelstadt gebaut wurde, wohnten viele der Arbeiter in dem kurz nur „Gaubahn“ genannten Wirtshaus.

In dieser Zeit war es nicht ungewöhnlich täglich bis zu 40 Menschen zu verköstigen. Da es damals noch keine befestigten Straßen gab und die Arbeiter den Dreck an ihren Schuhen ins Haus trugen, mangelte es der Wirtin und den Bediensteten nie an Arbeit. Wenn der Gauzug an dem nahe gelegenen Bahnhof einen Aufenthalt hatte, kehrte der Zugführer und der Schaffner regelmäßig zur Brotzeit in dem Gasthaus ein.

Eine der wenigen Zeugen aus dieser lebhaften Wirtshauszeit ist die Gelchsheimerin Maria Jestädt (geb. Höfner). Die gebürtige Gaukönigshöferin kam bereits in jungen Jahren in die „Gaubahn“, um als „Kindsmaad“ die vier Töchter der Hermanns zu betreuen. Später war sie im Wirtshaus als Dienstmädchen beschäftigt.

Noch lebhaft erinnert sich die 87-jährige daran: Es war immer was los und vor allem gab's auch immer viel Arbeit“. Neben dem Sportverein, der in seiner Vereinsgasstätte auch Tanzveranstaltungen abhielt, fanden sich die Honoratioren zum Stammtisch zusammen wie Bauern und Arbeiter.

So unvergessen wie Maria Jestädt das Leben in der Gaubahn geblieben ist, so unvergessen ist ihr die Novembernacht 1938, die als „Progromnacht“ in die Geschichte einging. Nach ihrer Schilderung saßen die Gäste in der Gaubahn, als plötzlich der damalige Oberlehrer Emil Fritz hereinstürmte und schrie: „Die würgen da draußen rum, die schlagen alles zusammen.“ Mit diesem Tag endete das Miteinander, dass Gaukönigshöfer und die jüdischen Mitbürger friedlich und fröhlich am Wirtshaustisch zusammen saßen.

Nachdem Tina Schweizer den Beruf der Gastwirtin aufgegeben hat, ist Pächterin Slawomira Fuchs zuständig für die nächsten Kapitel in der Geschichte der „Gaubahn“.

Eine historische Aufnahme des Gasthauses „Zur Gaubahn“.
Eine historische Aufnahme des Gasthauses „Zur Gaubahn“.

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