WÜRZBURG

„Ab Kilometer 38 nur noch Lachen“

Stefan Zitzmann Im Ziel seines 50. Marathonlaufs. Allemal ein Grund zum Jubeln, auch wenn's mit Wunschzeit nicht ganz geklappt hat. Foto: Christoph Weiß

3.50 Stunden – das war das Ziel von Stefan Zitzmann für den iWelt-Marathon am Sonntag. Genau die Zeit, die der Würzburger bei seinem ersten Marathon gelaufen ist. 22 Jahre ist das nun her – und 49 Marathon-Läufe. Am Sonntag hat er die 42,195 Kilometer nun zum 50. Mal bewältigt – allerdings nicht ganz in der gewünschten Zeit. „Ich bin nach vier Stunden und 15 Minuten ins Ziel gekommen“, sagte er kurze Zeit nach dem Rennen. „Für eine schnellere Zeit war es einfach zu warm“, meinte Zitzmann, der trotzdem total glücklich wirkte. „Ab Kilometer 38 nur noch Lachen“ lautete seine Devise.

Trotz wenig Training das Ziel erreicht

Angefangen hat der 49-Jährige längst nicht so ambitioniert. Bei der Bundeswehr ist er regelmäßig gejoggt. „Zehn, 15 Kilometer, das war meine übliche Distanz“, erinnert er sich. Später hat er sich einer Laufgruppe angeschlossen, mit der er regelmäßig trainierte. Sie waren es auch, die den gebürtigen Kitzinger zu seinem ersten Marathon überredet haben. 1996 ist er in Frankfurt gestartet. Schaut er heute darauf zurück, klingt er selbst ein wenig verwundert darüber, wie unvorbereitet er war. Dreimal zwei Stunden sei er gelaufen. „Damals war ich ja auch noch jünger“, sagt er und lacht.

Bestzeit unter drei Stunden

Das Marathon-Fieber hat ihn nach diesem Lauf dennoch gepackt. Er hat ambitionierter trainiert, wollte seine Zeit immer wieder verbessern. Seine persönliche Bestleistung: Zwei Stunden und 59 Minuten. Vor 16 Jahren hat er sie beim Marathon in München erreicht. Der Zieleinlauf war damals im Olympiastadion. Noch heute hört man Zitzmann die Begeisterung an, wenn er davon erzählt. „Die letzten Meter bin ich nur noch getanzt und gehüpft.“

Schmerzen habe er nach diesem Lauf keine gehabt. Doch das ist nicht die Regel, gesteht der Sportler. „Meist fängt es so nach 30, 35 Kilometern an, richtig wehzutun. Die Muskeln schmerzen, man wird träger.“ Doch Zitzmann ist hart im Nehmen. Einmal ist er bei bei einem Rennen umgeknickt. 26 Kilometer lagen noch vor ihm, er hat sich durchgebissen. Später stellte sich heraus, dass er einen Bänderriss hatte. „Der Schmerz geht, aber der Stolz bleibt“, ein Satz, den Zitzmann immer wieder sagt.

15. Marathon in Würzburg

Noch nie hat er einen Lauf abgebrochen – egal ob er in Köln, München, Leipzig oder in seiner Heimatstadt Würzburg gestartet ist. Seine Taktik? „Laufen ist wie Schachspielen“, sagt Zitzmann. „Bis Kilometer 30 bringt man sich in eine strategische gute Position und danach läuft man einfach nur noch zwölf Kilometer.“

Kopf ausschalten und nur noch einen Fuß vor den anderen setzen. Mechanisch, ohne nachzudenken. Für den 49-jährigen KFZ-Mechaniker, der vor allem im Kundendienst arbeitet, ist der Sport nicht nur ein guter Ausgleich, sondern auch ein Weg, um den Stress abzubauen. „Wenn man laufen geht, sieht die Welt danach gleich anders aus.“

Zum 15. Mal ist er heuer die rund 42 Kilometer in seiner Heimatstadt gelaufen. Jedes Mal war der Marathon vor heimischer Kulisse ein ganz besonderes Ereignis. Die Bands, die entlang der Strecke musizieren, die Menschen, die einen anfeuern und unter denen viele bekannte Gesichter sind. „Ich bin noch motivierter, wenn mich meine Familie oder Freunde anfeuern und am Ziel gratulieren.“

Eine Bratwurst zur Belohnung

„Mit Stil ins Ziel. 42 Kilometer Spaß haben“, das hatte er sich für seinen 50. Marathon vorgenommen. „Und danach eine Bratwurst als Belohnung.“ Ob es die am Sonntag wirklich noch gab, wusste er nach dem Lauf noch nicht. Seine Laufgruppe habe ihn im Ziel „bombastisch“ empfangen. Und nach kurzer Regeneration wollten sie den restlichen Tag noch mit ihm verbringen – mit oder ohne Bratwurst.

Doch auch der 50. Marathon wird nicht sein letzter gewesen sein, den nächsten hat er schon im Visier. „Heuer oder im nächsten Jahr möchte ich in New York mitlaufen.“

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