WÜRZBURG

Ab ins Dalle. Oder anderswo hin.

Kopfüber: Die Aufnahme stammt vom 38,6 Grad heißen 5. Juli, als Abkühlung im Dalle richtig gut tat. Foto: PATTY VARASANO

Es gab Zeiten, da ist nicht lange überlegt worden: Wenn es warm war, ging es ins Freibad – wenn es heiß war sowieso. Für die Würzburger hieß das meist: Ab ins Dalle.

Und heute? Jürgen Athmer hat beobachtet, dass sich über die vergangenen Jahre die Besucherzahlen für die Freibäder insgesamt verringert haben. „Dieser Rückgang liegt nach unserem Ermessen am immer größer werdenden Angebot an Alternativen“, sagt der Geschäftsführer der Würzburger Bäder GmbH. Feste hat es auch früher schon gegeben. Doch die größte Konkurrenz der hiesigen Freibäder sind mittlerweile der Main und andere Gewässer in der näheren Umgebung. Jedenfalls sieht man an heißen Tagen gerade in Würzburg etliche Badende im Main schwimmen. Auch der eigene Garten gleicht häufig einer kleinen Poollandschaft.

Athmer und sein Team versuchen, dem Besucherrückgang durch Aktionen entgegenzuwirken. Seit Anfang August bieten die Dalle-Betreiber einen Wlan-Zugang an, der derzeit täglich drei Stunden lang kostenfrei genutzt werden kann. Es gab heuer schon ein Beachvolleyballturnier, einen Familientag, Kanurennen und Wettrutschen. Am Montag steigt wieder das Badewannenrennen.

Trotz allem: Ein Rekord in puncto Besucherzahlen wird in diesem Jahr nicht annähernd erreicht werden, auch wenn die Temperaturen seit Wochen hoch sind. Im „Jahrhundertsommer“ 2003 waren 423 316 Badegäste in das Dalle geströmt. In dieser Saison waren es laut WVV bislang rund 132 100 Besucher. Und während um die Jahrtausendwende schon mal über 16 000 Wasserratten am Tag das Bad bevölkerten, waren es heuer in der Spitze 7782 Besucher – am 4. Juli nämlich.

In den vergangenen Wochen kam man an diese Zahl nicht mehr heran. „Besucherrekordtage erreicht man gewöhnlich immer dann, wenn es schlagartig sehr heiß wird“, erklärt Athmer. Mittlerweile hätten sich die Würzburger an diese Temperaturen einigermaßen gewöhnt.

Was sagen die, deren Weg ins Dallenbergbad führt? „Es ist einfach schön hier.“ Mancher, der von Flensburg bis Kempten schon viele Freibäder gesehen hat, erklärt das Dalle gar zu „einem der schönsten Bäder in Deutschland.“ Ein Ehepaar aus dem nahen Stadtteil Heidingsfeld kommt fast täglich. „Wir müssten lügen, wenn wir behaupten würden, wir wären bei gutem Wetter nicht sieben Tage in der Woche hier“, schmunzelt der Rentner.

Seine Frau, die schon von klein auf ins Dalle geht, nickt. Die beiden sitzen oder liegen immer an der gleichen Stelle. Ihren Namen wollen sie nicht verraten, Stammgäste wüssten sowieso, wer gemeint ist.

An den heißen Tagen ist am 50 Meter langen Becken fast die komplette Umrandung mit Menschen besetzt, die ihre Füße ins Wasser tauchen. Echten Schwimmsport betreiben – anders als in den frühen Morgenstunden – tagsüber nur noch die wenigsten. Eher schon locken eine kühle Dusche oder ein weiter Satz ins Nass vom nahen Sprungturm.

Um die Mittagszeit bilden sich längere Schlangen am Dalle-Kiosk, der seit der letzten Freibad-Saison von der Familie La Rosa betrieben wird. „Eis und Pommes gehen am besten“, sagt ein Imbiss-Mitarbeiter. Das dürfte in den Anfängen des Bades in den 1950er Jahren ähnlich gewesen sein. Nachdem 1947 im Main die gefährlichen Kolibakterien nachgewiesen worden waren, musste das Riedinsel-Flussbad unweit der Konrad-Adenauer-Brücke schließen. Fast zehn Jahre warteten die Würzburger auf ein neues Freibad, das dann wenige hundert Meter entfernt auf dem Gelände der ehemaligen Ziegeleien Häusler und Weber entstanden ist.

Nächstes Jahr feiert das Dallenbergbad also 60. Geburtstag. Und wer kann schon von sich behaupten, in diesem Alter noch ein Jungbrunnen für Klein und Groß zu sein?

Das Dallenbergbad ist in der Regel täglich bis Mitte/Ende September geöffnet. In der Hochsaison August macht es um 9 Uhr auf, ansonsten um 10 Uhr. Unter der Woche ist morgens von 7 bis 9 Uhr Frühschwimmen zum vergünstigten Preis. Der reguläre Eintritt beträgt 3,50 Euro, Kinder unter sechs Jahren dürfen umsonst baden. Ab 17 Uhr gilt Abendtarif (1,50 Euro). Das Bad schließt um 20 Uhr.

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