WÜRZBURG

Abbé Georg Joseph Vogler: Aus Würzburgs Pleich in die Welt

Würzburger Komponist: Abbé Georg Joseph Vogler.Wikipeadia
Würzburger Komponist: Abbé Georg Joseph Vogler.Wikipeadia Foto: Foto:

Als der Abbé Georg Joseph Vogler im März 1812 gemeinsam mit seinem Schüler Giacomo Meyerbeer seine Heimatstadt Würzburg besuchte, zeigten die Würzburger ihren Stolz über den großen Sohn der Stadt mit zahlreichen Ehrungen. Wen sie da priesen, dürfte ihnen jedoch nur unzureichend bewusst gewesen sein. Von Voglers Kompositionen war bis dahin am Theater nur ein einziges Mal seine Musik zu dem Schauspiel „Hermann von Unna“ aufgeführt worden. Der Theaterzettel dieser Vorstellung am 2. Juni 1808 bemerkt extra, Vogler sei als einer der „größten Künstler und Kompositeurs“ bekannt.

Wer war nun dieser Abbé Vogler, der vor 200 Jahren, am 6. Mai 1814, in Darmstadt überraschend gestorben ist? Außerhalb von Expertenkreisen gibt es kaum Wissen um ihn. Vogler hatte eine Reihe später berühmter Schüler, darunter Carl Maria von Weber und einen der bedeutendsten Opernschöpfer des 19. Jahrhunderts, Giacomo Meyerbeer. Man weiß von seinem Wirken am Mannheimer Hof und seiner wichtige Rolle für die „Mannheimer Schule“. Aber weder in seiner Person noch in seinen Werken ist Vogler greifbar. Eine moderne, kritische Arbeit an Werk und Biografie ist erst in den Anfängen geleistet. Schon sein erster Biograf, der Würzburger Georg Joseph Fröhlich, musste 1845 feststellen, dass über Voglers Jugend etwa kaum etwas bekannt ist.

Diese Jugend begann am 15. Juni 1749 im Stadtteil Pleich, in einem Haus unweit der Stadtmauern. Vater Johann Georg Vogler stammte aus einer Müllersfamilie aus Füssen und hatte sich als Geigenbauer und Violinist am Würzburger Hof einen Namen gemacht. Das Geburtshaus Voglers zeigt man heute im Inneren Graben; doch ob die Gedenktafel am richtigen Gebäude hängt, vermag niemand zu sagen.

Der kleine Georg Joseph war ein begabter Junge. In der Lebensbeschreibung von Karl Emil von Schafhäutl heißt es, dass der Knabe „schon frühe die charakteristischen Eigenschaften zeigte, die ihn durch’s ganze Leben geleiteten – eine innige Frömmigkeit, ein wunderbares Gedächtnis und eine ebenso wunderbare Sprachengabe.“ Immer in Gedanken versunken, wollte der Junge bei jeder gegebenen Anweisung den Grund wissen. Geprägt sei er gewesen von unerschütterlicher Energie, eisernem Fleiß und gewaltigem Ehrgeiz.

Weitgehend unerforscht

Bis heute fehlen Forschungen zu Voglers Jugend in Würzburg. Aus den wenigen Bemerkungen ist zu ersehen, dass er eine solide musikalische und philosophische Ausbildung erhielt. Ein Zeichen dafür ist die Aufnahme Voglers in die Stiftung Juliusspital. Sie ermöglichte Waisen und bedürftigen musikalisch begabten Kindern den Besuch des Würzburger Gymnasiums. Die Aufnahme Voglers – dessen Vater gestorben war, als der Junge drei Jahre alt war – zeichnete ihn aus, denn nur zehn Prozent der Bewerber wurden angenommen. Fürstbischof Adam Friedrich von Seinsheim entschied über die Aufnahme selbst.

Im Falle Voglers war das Stipendium ein Volltreffer: Alsbald setzte er den Unterricht im Komponieren – Instrumentalspiel hatte er sich angeblich schon in der Kindheit selbst beigebracht – in die Praxis um. Schafhäutl berichtet, Vogler sei eine „bewunderte, jugendlich schaffende Kraft in Würzburg“ gewesen. Als seine erste bekannte Komposition nennt der Biograf eine geistliche Arie mit Begleitung von zwei Violinen und einem Cello, vom Mai 1764. Überliefert ist auch, dass er ein universitäres Liebhaber-Orchester gründete, mit dem er wohl auch eigene Werke aufgeführt hat.

Mit Sechzehn verließ Vogler seine Heimatstadt. An der Universität Bamberg bildete er sich – nach Theologie, Philosophie und Musik – in der Rechtswissenschaft weiter. Seinem geplanten Eintritt ins Würzburger Franziskanerkloster kam eine Zusage vom Mannheimer Hof Carl Theodors zuvor: Der Kurfürst hatte Vogler bereits bei einem Besuch in Würzburg zu schätzen gelernt und gab ihm nach einem Vorspiel in Mannheim eine Stelle an seinem so genannten „Vorhof für Kunstjünger“. Vogler vollendete als 21jähriger in Mannheim seine Studien. Bald genoss er als „Orgel- und Clavierspieler“ einen über die Stadt hinaus reichenden Ruf.

Voglers Lebensweg führte ihn zu Studien nach Italien und nach der Priesterweihe 1775 als Hofkaplan und Zweiter Kapellmeister zurück nach Mannheim, zu Opernaufführungen nach Paris und wieder zurück zu Carl Theodor nach München, für den er 1784 die Oper „Castor und Pollux“ schuf. 1786 folgte Vogler einem Ruf an den schwedischen Hof Gustavs III. nach Stockholm, wo er bis 1799 als Lehrer, Komponist, Orgelvirtuose und katholischer Seelsorger wirkte. Seine Hymne „Hosianna Davids Sohn“ ist als schwungvoll-melodisches Weihnachtslied bis heute jedem Schweden wohlbekannt.

Seine letzte Anstellung trat Abbé Vogler am Darmstädter Hof als „Geistlicher Geheimer Rath“ an. Er komponierte – unter anderem sein bedeutendes Requiem Es-Dur – und widmete sich seinem Schülerkreis. Als er 1814 starb, schrieb Carl Maria von Weber an seinen Freund Gänsbacher: „Meinen Schmerz brauche ich Dir nicht erst zu beschreiben. Friede sei mit seiner Asche, Ewig lebt er in unseren Herzen …“.

Der Würzburger Journalist Werner Häußner engagiert sich dafür, dass Abbe Voglers Musik nicht vergessen wird.

Mozart über Vogler

Die Kompositionen von Abbe Vogler waren zur Zeit ihrer Entstehung durchaus umstritten. „Wer auf der Suche nach zu Unrecht vergessenen Höhepunkten der Kompositionsgeschichte ist, wird bei Vogler nur selten fündig werden“, heißt es in einem Text der Musikwissenschaftlerin Silke Leopold Buch über den Komponisten. Wolfgang Amadeus Mozart, sieben Jahre jünger als Vogler, hörte dessen Musik am Hof in Mannheim und ging durchaus hämisch und unfreundlich mit ihr ins Gericht: „iezt hör ich einen gedancken, der nicht übel ist, ja er bleibt gewis nicht lange nicht übel, sondern er wird bald – schön? – gott behüte! – übel und sehr übel werden; und das auf 2 oder dreyerley Manieren, nemlich daß kaum dieser gedancken angefangen, kömmt gleich was anders und verderbt ihn; oder er schliest den gedancken nicht so natürlich, daß er gut bleiben könnte, oder er steht nicht am rechten ort. oder endlich er ist durch den satz der instrumenten verdorben. so ist die Musick des voglers“.

Quelle: Brief vom 20. November 1777

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