WÜRZBURG

AfD-Chef Bystron droht Politikern: „Gnade euch Gott!“

AfD-Kundgebung am Unteren Markt
Rund 250 Gegendemonstranten war die AfD am unteren Markt ganz und gar nicht willkommen. Foto: Daniel Peter

Am Sonntagabend hat der bayerische Landesverband der AfD eine Kundgebung am unteren Markt abgehalten, Motto: „Integration gescheitert!?“ Anlass war das Attentat eines 17-jährigen Flüchtlings vom Montag.

Bis zu 80 Teilnehmer zählte die Polizei auf einem rund 1500 Quadratmeter großen abgegitterten Areal zwischen Forum und Markthalle, drumherum 250 laute Gegendemonstranten.

Platzverweis für ein knappes Dutzend Rechtsextremisten

Die Polizei nahm vier Kundgebungsteilnehmern zur Vermummung verwendbare Schals und Messer ab. Eine Gegendemonstrantin wird verdächtigt, ein Polizeiauto beschmiert zu haben. Mehrere Zeugen, unter ihnen der frühere Würzburger SPD-Chef Helmut Radler und die Grünen-Stadträtin Silke Trost - berichteten unserer Redaktion, unmittelbar im Anschluss an die Kundgebung habe ein älterer AfD-Anhänger einer dunkelhäutige Gegendemonstrantin über das Gitter hinweg ins Gesicht geschlagen. Die Polizei nahm seine Personalien auf.
 

Fotoserie

AfD-Demo Marktplatz

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Ein 39-Jähriger wurde festgenommen, weil er in der Schustergasse abziehende AfD-Anhänger angegangen sein soll. Die Polizei nahm auch eine 26-Jährige fest; sie wirft ihr den Versuch vor, den 39-Jährigen zu befreien.
 

Ein knappes Dutzend einschlägig bekannter Neonazis tauchte nahe der Bühne auf. Von der Polizei aufmerksam gemacht, schickte die AfD den Trupp vom Platz.

Die Gegendemonstranten zeigten Transparente und Schilder mit Texten wie „Solidarität ist unsere Waffe gegen Fremdenhass“, „Refugees Welcome“ (Flüchtlinge willkommen) oder „Rassismus führt zum Verlust des Mitgefühls“.

Über 16 Millionen Menschen in Deutschland haben der Bundeszentrale für politische Bildung zufolge ihre Wurzeln im Ausland, ein Drittel von ihnen kam in Deutschland zur Welt. Dass sie integriert seien, kann die AfD nicht erkennen.

Ein Ex-Polizist behauptet, Angela Merkel habe das Parlament ausgeschaltet

Petr Bystron, der bayerische AfD-Landesvorsitzende, der mit 16 Jahren als asylsuchender Tschechoslowake in die Bundesrepublik gekommen ist, erklärte die Integration samt und sonders als gescheitert. Martin Sichert vom AfD-Kreisverband Nürnberg meinte, Migranten bräuchten „nicht mehr Perspektiven und Angebote“, Bystron forderte „die „Diskussion über die Rückführung von diesen Leuten“.

Die Feindbilder waren in allen sechs Reden Flüchtlinge und Migranten; sie seien krimineller als Deutsche und nicht integrierbar. Hauptfeindin der AfD allerdings ist Bundeskanzlerin Angela Merkel. Raimund Swoboda, ein Ex-Polizist aus Mittelfranken, beschrieb sie als „die totalitärste Frau der Welt“. Merkel habe „Gewalt und Kriminalität nach Deutschland geholt“, das Parlament ausgeschaltet und entscheide alleine. Die AfD-Anhänger skandierten „Widerstand! Widerstand!“

Der bayerische AfD-Chef Byston droht Politikern: "Gnade euch Gott!"

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O-Ton: AfD-Chef Bystron droht Politikern - AfD-Kundgebung am unteren Markt mit einem gewaltsamen Höhepunkt: Mehrere Zeugen berichten, ein AfD-Anhänger habe eine dunkelhäutige Gegendemonstratin geschlagen.

Was passieren soll, wenn die AfD erfolgreich ist, verkündete ihr bayerischer Landeschef Bystron: „Angst sollten die verantwortlichen Politiker haben“, rief er unter dem Beifall seiner Anhänger und: „Gnade euch Gott, wenn wir an der Regierung sind! Wir werden euch alle zur Verantwortung ziehen!“


Korrektur: Unsere erste Information war, dass die beiden Gegendemonstranten festgenommen wurden, weil sie Polizeibeamte beleidigt haben sollen. Dem Polizeibericht von 22.20 Uhr entnahmen wir, dass es um körperliche Attacken gegen AfD-Anhänger und Polizeibeamte ging. Wir haben unsere Berichterstattung entsprechend korrigiert.

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