Würzburg

Africa Festival: Das Fest der Freundschaften

Für Ibou ist es das Größte, auf dem Africa Festival als Geschichtenerzähler für Kinder unterwegs zu sein. Gleichzeitig freut er sich, viele Freunde alte zu wiedersehen.
Für Ibou ist es das Größte, auf dem Africa Festival als Geschichtenerzähler für Kinder unterwegs zu sein. Gleichzeitig freut er sich, viele Freunde alte zu wiedersehen. Foto: Johannes Kiefer

Lange Dreadlocks, bunte Klamotten, exotische Düfte von Tee und Speisen und Musik voller Lebensfreude. Das Africa Festival ist ein Festival der Sinne. Und das nicht nur für die Region. Aus Europa und der ganzen Welt zieht es mittlerweile Besucher an.

In den letzten Jahren gab es zum Beispiel Kartenbestellungen aus den USA oder dem afrikanischen Kontinent. Besonders viele Afrikaner sind aus Deutschland und Europa jedes Jahr dabei. Nicht nur als Verkäufer oder exotische Musiker, sondern vor allem als Besucher. Jahr für Jahr kommt es daher auf den Würzburger Mainwiesen zu einem Wiedersehen unter Freunden und alten Bekannten.

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Einer, der jedes Jahr dabei ist, ist Ibrahima Ndiyae. Der gebürtige Senegalese lebt in Saarbrücken, ist aber bereits seit 17 Jahren fester Bestandteil des Würzburger Festivals. Ndiyae, von allen nur liebevoll „Ibou“ genannt, ist Autor, Musiker und Kabarettist. Beim Festival kümmert er sich um das Kinderprogramm als Geschichtenerzähler. Er ist deutschlandweit bei vielen Festivals zum Thema Afrika dabei, aber: „Würzburg, das ist mein Festival. Hier hängt mein Herzblut dran!“

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Afrikaner von nah und fern

Dass Afrikaner aus nah und fern nach Würzburg kommen, ist für ihn kein Wunder. „Alle wissen Bescheid. Das ist das älteste und größte Festival“, sagt Ibou. Und es sind nicht nur Menschen aus den großen afrikanischen Ländern, wie Nigeria, Kenia, dem Kongo oder Südafrika, dabei. „Das ist ein Schmelztiegel hier“, so Ibou. Auch er hat hier viele Freunde gefunden; sowohl aus seiner Heimat Senegal, als auch aus ganz Afrika. Und natürlich auch unter Deutschen – die hätten den Heimvorteil, sagt er und lacht.

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Ibou ist sichtlich gut drauf. Wenn er vom Festival erzählt, strahlt sein ganzes Gesicht. Er freut sich besonders, jedes mal alte Freunde und Bekannte in Würzburg zu treffen: „Man sagt immer wieder: 'Bis zum nächsten Jahr!' Man freut sich jedes Jahr ein Jahr lang im Voraus“, erzählt er. Für ihn schon fast wie ein Rendez-Vous.

Man erzähle sich Neuigkeiten, was man das vergangene Jahr über getrieben habe, oder rede über die Familie. Er treffe sich vor allem am Abend mit seinen Freunden, da sei der Rahmen angenehmer und intimer. Man spricht, erzählt, trinkt. Und tanzt. „Während der drei, vier Tage ist man im afrikanischen Rhythmus“, erzählt Ibou, wieder mit einem breiten Grinsen.

Tanzen, Quatschen, Feiern

Auch mit Familien und ihren Kindern hält er regen Kontakt. Kinder, die heute junge Erwachsene sind oder mit ihren kleinen Geschwistern unterwegs sind, erinnern sich an den Geschichtenerzähler und grüßen ihn jedes Mal. Es entwickelten sich auch nicht nur Freundschaften auf dem Festival. Ibou hat schon das ein oder andere mal erlebt, wie nach einem einfachen Plausch auf dem Festival mit der Zeit auch richtige Familien entstanden sind. „Was gibt es schöneres?“, fragt er.

Das Festival versprüht afrikanisches Flair: Der Basar bietet bunte Kleidung, Schmuck und Deko. Afrikanische Straßenkünstler sind unter der Brücke der Deutschen Einheit mit lauter und emotionaler Musik dabei. Direkt daneben Essensstände mit rauchigem Duft – darunter Krokodil- und Zebrafleisch.

Bei einem Spaziergang über das Gelände sind die Afrikaner natürlich durch ihre Hautfarbe und die bunt gemusterte Kleidung leicht zu erkennen. Vor den Bühnen stehen sie oft in kleinen Gruppen, tanzen im Rhythmus und mit viel Gefühl, oder liegen bei strahlendem Sonnenschein auf dem Rasen und quatschen.

Ein beliebter Treff ist auch der „Havanna Club“, dem karibischen Zelt mit DJ. An den ersten beiden Festivaltagen herrscht fröhliche Stimmung, die Besucher strahlen richtig. Wer neu dazu stößt, wird meist mit einer intensiven und langen Umarmung begrüßt. Gefeiert wird natürlich bis in die Nacht.

Angereist aus Belgien

Einer, der auch von weit her an den Main gekommen ist, ist Laurent. Der 33-jährige Ivorer lebt und arbeitet mittlerweile im belgischen Brüssel. Vor Jahren kam er eher zufällig mit einem Freund auf das Würzburger Africa Festival. Damals lebte er noch in Frankfurt. Auch wenn es nicht immer klappt, er versucht jedes Jahr zu kommen: „Ich habe viele Freunde, die jedes Jahr hier sind. Und ich lerne hier auch immer neue Menschen kennen. Es ist fantastisch!

Viele seiner Freunde seien in Deutschland verstreut – München, Frankfurt, Berlin. Man halte Kontakt übers Handy oder Facebook. Die gemeinsamen Abende seien hier etwas ganz besonderes – ob im Freien, in den Zelten, oder ab und zu auch mal in der Würzburger Innenstadt, erzählt der großgewachsene Ivorer. Dabei trifft er sich nicht nur mit anderen Ivorern. Auch er hat Bekannte und Freunde vom ganzen Kontinent. Und jedes Jahr werden es ein paar mehr.

Eine Liste an Herkunftsländern der afrikanischen Besucher wäre ziemlich lang. So mannigfaltig ihre jeweiligen Kulturen auch sind, so klein kann nur der Abriss sein, den ein Festival bieten kann. Doch für sie ist das Africa Festival eine einzigartige Möglichkeit, sich Jahr für Jahr wiederzusehen und Freundschaften am Leben zu halten. Und der Region können sie zumindest einen Einblick in ihre Kultur zu ermöglichen.

Entspannen und alte Freunde treffen: Zum Würzburger Africa Festival kommen jedes Jahr zahlreiche afrikanische Besucher aus Deutschland und ganz Europa.
Entspannen und alte Freunde treffen: Zum Würzburger Africa Festival kommen jedes Jahr zahlreiche afrikanische Besucher aus Deutschland und ganz Europa. Foto: Patty Varasano
Musik und Lebensfreude verbindet – auch über Grenzen hinweg.
Musik und Lebensfreude verbindet – auch über Grenzen hinweg. Foto: Patty Varasano

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