WÜRZBURG

Africa Festival: Die Flut und ihre Folgen

Jäher Jubiläumsverlauf: Das 25. Africa Festival wurde vom Main-Hochwasser vertrieben. Es droht ein finanzielles Desaster, doch die Solidarität ist groß. Schon wird gesammelt und die Veranstalter bitten um Spenden.

Es war der vielleicht bewegendste Moment in der jüngsten Festivalgeschichte: Als Stefan Oschmann, Gründer und Lenker des Würzburger Africa Festivals, am Freitagabend auf der Bühne in der Posthalle stand und seinem Team danken wollte, wich seine Stimme. Stattdessen flossen Tränen. Ein aufzehrender Tag lag hinter ihm und allen Akteuren. Bis zur Erschöpfung waren sie gerannt, hatten geschraubt, gepackt – und umgeplant.

Und so waren es Tränen der Trauer, der Dankbarkeit und des Glücks gleichermaßen: Zwar mussten alle Basarleute von den hochwasserbedrohten Mainwiesen fliehen. Das Gelände wurde komplett geräumt. Doch innerhalb von zehn Stunden gelang es, die drei verbliebenen Abendkonzerte in die Posthalle zu verlegen. Sogar das Catering-Zelt für die Musiker konnte komplett dorthin umziehen. Und eine strahlende Rama Diaw N'Deye (Senegal) durfte vor den Konzerten am Samstag und Sonntag auf einer improvisierten Bühne ihre afrikanische Mode zeigen.

Ausgerechnet zum Jubiläum des 25-jährigen Bestehens wurde das Africa Festival von den Mainwiesen gespült. Deren Räumung bekräftigte Würzburgs Feuerwehrchef Harald Rehmann: „Die Einschätzung war absolut richtig. Am Freitag noch Betrieb zu haben und erst in der Nacht abzubauen – das hätte zeitlich nicht gereicht.“ Erst im Laufe des Samstags, kurz vor der Flutung, hatten die eilig angereisten Monteure die Tribüne aus dem großen Zirkuszelt herausgebaut. Das THW war die ganze Nacht über im Einsatz und leuchtete das Gelände für den Abbau aus.

Aufgehellt hatte sich bei einer Pressekonferenz am Samstag auch die Miene von Festivalchef Oschmann. Da wusste er schon, dass das Kinder- und Kinoprogramm von Arte kurzfristig im Theater am Neunerplatz stattfinden konnte, ebenso die Mali-Diskussion am Sonntag. „Diese Riesenaufgabe war nur dadurch möglich, dass viele Menschen und Institutionen an einem gemeinsamen Strick zogen“, zeigte sich der Festivalleiter dankbar.

Für BRK und Malteser berichtete Einsatzleiter Paul Justice von „schönen menschlichen Begegnungen“ in der Notunterkunft für geflohene Camper im Friedrich-Koenig-Gymnasium. Dort waren aus ganz Unterfranken 500 Feldbetten zusammengeholt worden. 250 Gäste nutzten das Übernachtungsquartier. Die meisten Betroffenen der hochwasserbedingten Verlegungen oder Absagen zeigten sich am Wochenende verständnisvoll. „Auch die Musiker waren sehr kooperativ“, so Oschmann. Die Gruppen der Offenen Bühne, deren Programm ab Freitag entfallen musste, sollen für 2014 wieder eingeladen werden. Der Dank der Festivalleitung gilt auch dem Publikum, das „hohe Flexibilität“ gezeigt habe. Viele Africa-Festival-Besucher sind Stammgäste und kommen jedes Jahr. Zwar war Bedauern über den Abbruch auf den Mainwiesen zu vernehmen. Atmosphäre sei verloren gegangen. Und doch hat die Gemeinschaftsleistung vieler beteiligter Stellen in Würzburg gerade auswärtige Gäste beeindruckt. Dagmar Koch-Zadi aus Bremen zum Beispiel: „Man merkt überall, dass dieses Festival von den Menschen in Würzburg getragen wird.“

Ein Beleg dafür ist die spontane Solidarität, die die Festivalmacher in den vergangenen Tagen erfahren haben. Nach Initiative von Würzburgs Kulturreferent Muchtar Al Ghusain wird im Mainfranken Theater und beim Mozartfest für besonders hart getroffene Basarleute gesammelt. Allein bei „Breakin' Mozart“ in der s. Oliver Arena kamen am Samstagabend 2 600 Euro zusammen. Auf dem Würzburger Weindorf, das bis kommenden Sonntag läuft, werden Besucher gebeten, ihr Glaspfand zu spenden.

Wie es mit dem Africa Festival weitergeht, ist derzeit offen. Nach der Absage an den traditionellen Standort auf den Mainwiesen („Das Gelände ist ein Unsicherheitsfaktor geworden“) wird es auch örtliche Veränderungen geben. Zunächst aber ist das abgesoffene Jubiläum zu bilanzieren. Es zeichnet sich ein Loch von mindestens mehreren 100 000 Euro ab. Nur der Donnerstag brachte mit 15 500 Besuchern normale Einnahmen. Zahlen zu Ausfall und Schäden nennen die Veranstalter nicht, dafür sei es noch zu früh. Gleich wie – die Stadt stehe dem Festival als Partner gerade in schwieriger Lage zur Seite, versprach OB Georg Rosenthal. Er setze auf eine Lösung mit möglichst vielen Partnern. Laut Vize-Festivalleiter Karl-Georg Moser wollen sich die Würzburger CSU-Landtagsabgeordneten Barbara Stamm und Oliver Jörg auch um finanzielle Hilfe durch den Freistaat bemühen.

Unterdessen gehen die Veranstalter vom Afro Project mit einem Spendenaufruf an die Öffentlichkeit. Alle Mitglieder seien ehrenamtlich tätig, der Verein sei ein „Non-Profit-Unternehmen“. Um die finanziellen Schäden abzumildern, bittet man um Spenden.

Spendenkonto: Nr. 47 365 275 (Africa Festival) Sparkasse Mainfranken (BLZ 790 500 00), Stichwort: „Spende Hochwasser Africa Festival 2013“

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