WÜRZBURG

Africa Festival: Großes Lob für trockene Unterkunft

Hochwasser Africa Festival
Samstagmorgen nach dem Abbruch des Afrca Festivals auf den Mainwiesen. Camper im Friedrich-König Gymnasium Foto: Thomas Obermeier

Als am Donnerstag noch die Sonne über den Mainwiesen lachte, wurde auf dem Africa Festival erzählt, die Basarbeschicker hätten einen Schamanen engagiert, der für gutes Wetter gebetet hätte. Sollten sie des Mannes noch habhaft werden können, sollten sie ihr Geld zurück verlangen.

Denn am Samstagmittag spiegelte sich der wolkenverhangene Himmel in großen Pfützen, der Main schickte sich an sein Bett zu verlassen und Besitz von dem Gelände zu ergreifen, wo in diesem Jahr eigentlich das 25. Africa Festival gefeiert werden sollte. Einige wenige Arbeiter waren noch dabei, die letzten Zeltgestänge abzubauen und zu verladen, bis halb vier Uhr früh sei er auf dem Platz gewesen erzählte einer mit roten Ringen unter den Augen, und ab neun Uhr schon wieder.

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Im Friedrich-Koenig-Gymnasium (FKG) in der Weißenburgstraße, wo rund 100 freiwillige und ehrenamtliche Helfer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und des Malteser-Hilfsdienstes in einer bemerkenswerten Aktion am Freitagnachmittag mit 500 Feldbetten aus ganz Unterfranken eine Notunterkunft für die vom Hochwasser bedrohten Camper des Festivals geschaffen hatten, herrschte bessere, fast fröhliche Stimmung.

Als andernorts gerade die Pressekonferenz des Festivals mit Informationen zur Verlegung der Konzerte und des weiteren Vorgehens stattfindet, überzeugte sich dort der Kulturreferent der Stadt Würzburg Muchtar Al Ghusain vor Ort in der Schule von der Situation. „Klasse, dass es so toll und schnell funktioniert hat, nachdem wir uns am Freitagmittag entschlossen hatten, die Schule aufzuschließen. Das Rote Kreuz macht hier einen guten Job“, lobte er. Die Lage der Basarleute sei dramatisch, sagte er, „aber dies hier ist auf jeden Fall besser als im Sumpf zu liegen.“

Während auf dem Campingplatzbereich auf den Mainwiesen, wo 24 Stunden zuvor noch bunte Zelte gestanden waren, dann schon Enten im über die Ufer getretenen Main badeten, hatten im FKG nämlich gut 250 Camper das Angebot der Stadt angenommen, im Trockenen und Warmen zu übernachten, berichtete BRK-Einsatzleiter Stefan Dietz. Verteilt auf Klassenzimmer und die Turnhalle verbrachten sie eine ruhige Nacht.

„Es war überhaupt nichts los“, sagte Dietz. Die einzige Ruhestörung sei ein extrem lauter Schnarcher gewesen, der auf Bitten der „Mitschläfer“ in einen  anderen Raum verlegt worden sei. Die Camper hätten ja alle ihre eigene Verpflegung mitgebracht, wofür ein Grillplatz eingerichtet worden sei, an aufgestellten Stationen konnten sich die Übernachtungsgäste mit von den Hilfskräften zur Verfügung gestelltem Kaffee und Tee selbst versorgen.

„Ich habe hier gut geschlafen, habe Kaffee getrunken und nette Leute getroffen“, sagte Felix Langani aus Wiesbaden. „Es war gut hier“, so der aus dem ostafrikanischen Burundi stammende Fotograf. Es war sein fünfter Besuch auf dem Africa Festival und er will nächstes Jahr wiederkommen. „So ist eben die Natur, das muss man akzeptieren, aber ich will so etwas nicht mehr erleben“, kommentierte er die Geschehnisse.

„Wir fanden es toll hier“, meinten auch Améyo Sester und Korbinian Wölbling aus Freiburg. Gegen die Schnarcher von nebenan halfen ihnen Ohrstöpsel. „Wir danken der Stadt Würzburg, dass sie uns so geholfen hat“, sagte Charity Herberg aus Dortmund mit einem breiten Lachen, „so etwas muss man auch mal sagen, wir kommen auf jeden Fall wieder.“

Die Musiker des Festivals bedankten sich bei den Hilfskräften am Samstag mit einem Trommelkonzert in der Aula des Gymnasiums. Am Sonntagnachmittag wurden die Notlager abgebaut. An diesem Montag hält dort wieder der Ernst des Lebens Einkehr, die die Abi-Prüfungen in Bayern beginnen.

Am Sonntagmittag bekamen die Besucher des Weindorfes auf dem Marktplatz als Dank für die Spendenaktion der Weindorf-Wirte und -Gäste für das Africa Festival Besuch von Musikern und Akrobaten vom Festival.  Mit Fahnen, Trommeln und Flöten zogen sie über den Festplatz und zeigten Ihre Fähigkeiten und Künste, wobei sie sich auch nicht scheuten, die Zuschauer in ihr Spiel mit einzubeziehen. Der Applaus war groß.

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