Würzburg

Africa Festival: "In der Not waren alle da"

Africa Festival vor der Flutung
Das große Zirkuszelt kurz bevor der Main am Samstag über die Ufer trat Foto: aj
Es war eine Gemeinschaftsleistung, bei der viele viele Hände zusammengeholfen haben. Oder wie es Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal bei einer Pressekonferenz am Samstag formulierte: "In der Not waren alle da." Gerade rechtzeitig konnte das Gelände des Africa Festivals bis Samstagsmittag vor dem Main-Hochwasser geräumt werden.

Dass man darüber hinaus noch alle Abendkonzerte in die Posthalle verlegen konnte - dafür gab es ein dickes Lob für Organisatoren und beteiligte Partner.

Auf dem Festivalgelände standen Samstagmittag, kurz vor der völligen Flutung durch den Main, nur noch wenige Zelte. Das Allermeiste war in Sicherheit gebracht. Nur am großen Zirkuszelt waren die Monteure noch eifrig am Schrauben und Abbauen, um wenigstens die Tribüne herauszubringen. Ansonsten bleibt das Zelt stehen, die Wände sind hochzogen, so dass das Wasser darunter durchfließen kann.

Auch das Rahmenprogramm hat eine neue Heimat gefunden: im Theater am Neunerplatz, wo Samstag und Sonntag ab 14 Uhr das Kinderprogramm und abends das Arte-Filmprogramm stattfindet. Auch die Diskussion über das diesjährige Schwerpunktland Mali ist ins Theater am Neunerplatz umgezogen: Zu Gast sind dort am Sonntag um 11 Uhr unter anderem Yehia Ag Mohamed Ali, malischer Minister für Tourismus und Handwerk sowie das Ehepaar Barbara und Henner Papendieck, die über das Programm Mali-Nord viel für den Frieden im Land gearbeitet hatten. Es moderiert taz-Journalist und Afrika-Experte Dominic Johnson.
Pressekonferenz Africa Festival
Am Tag nach dem Hochwasser-Abbruch hatten sich die Mienen wieder aufgehellt. Bei der Pressekonferenz von links stv. Festivalleiter Karl-Georg Moser, Festivalchef Stefan Oschmann, OB Georg Rosenthal, Ordnungsamtsleiter Alexander Hoffmann und ein Vertreter des THW. Foto: aj

Als OB Rosenthal am Samstag allen Verantwortlichen für ihren Einsatz und die Flexibilität dankte, stand noch nicht fest, dass sogar die afrikanische Modenschau mit Rama Diaw N'Deye stattfinden kann - am Samstag um 19.30 Uhr und gegen 21.30 Uhr ebenfalls in der Posthalle. Die Präsentation wurde am Abend mit großem Interesse und Beifall verfolgt. Auch am Sonntag soll die Modenschau vor den Konzerten stattfinden.

Festivalleiter Stefan Oschmann dankte vor der Presse vor allem seinem Team: "Wir sind glücklich, dass es gelungen ist, das komplette Abendprogramm in die Posthalle zu verlegen und das Festival vor dem Hochwasser zu retten." Alle Helfer hätten bis zur Erschöpfung angepackt. "Diese Riesenaufgabe war nur dadurch möglich, dass viele Menschen und Institutionen an einem gemeinsamen Strick zogen. Das Africa Festival Team möchte sich bei ihnen aufrichtig bedanken." 

Oschmann nannte den städtischen Entwässerungsbetrieb, das BRK, die Berufsfeuerwehr, das Technische Hilfswerk, das Ordnungsamt und nicht zuletzt: die Verantwortlichen der Posthalle. Sie hatten zwei Veranstaltungen am Samstag/Sonntag verlegt bzw. verschoben: Die Schwulenparty vom Samstag findet in der Kellerperle statt, der Poetry Slam statt am Sonntag erst am Dienstag. Oschmann: "Hier wurde alles getan. Das war sehr kollegial." So konnte sogar das komplette Catering-Zelt des Africa Festivals von den Mainwiesen in die Posthalle verlagert werden. Auch die Musikgruppen hätten sich sehr kooperativ gezeigt.

Für BRK und Malteser berichtete Einsatzleiter Paul Justice von "schönen menschlichen Begegnungen" in der Notunterkunft für Camper im Friedrich-Koenig-Gymnasium. Dort wurden aus ganz Unterfranken 500 Feldbetten zusammengeholt. Rund 250 Übernachtungsgäste haben dort von Freitag auf Samstag geschlafen.

Für die städtische Berufsfeuerwehr bestätigte deren Leiter Harald Rehmann die Räumung auf den Mainwiesen als gute Entscheidung: "Die Einschätzung war absolut richtig. Am Freitag noch Betrieb zu haben und erst in der Nacht abzubauen - das hätte zeitlich nicht gereicht." Auch das Technische Hilfswerk (THW) war im Einsatz, hat den Platz die ganze Nacht ausgeleuchtet und mit Transportautos und Hubwagen die letzten Sachen rechtzeitig vom Platz geholt.

Oberbürgermeister Georg Rosenthal zollte ein "Riesenkompliment" für die ehrenamtliche Struktur des Africa Festivals. Wie groß der finanzielle Schaden ist, ist im Moment noch nicht abzusehen. Definitiv fehlen mehrere Hundertausend Euro aus Eintritten und Getränkeverkauf. Von Untergangsstimmung war am Samstag dennoch nichts zu spüren, im Gegenteil. Gemeinsam schaut man zuversichtlich nach vorne. Wird es ein 26. Africa Festival geben? "Ich sehe da kein Problem", meinte Oschmann, und der OB ergänzte: "Wir werden vor einer solchen Situation nicht davonlaufen." Man müsse zunächst die Bilanz abwarten und dann eine Lösung mit möglichst vielen Partnern erarbeiten. Die Stadt Würzburg gehöre hier dazu.

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