Ochsenfurt

Agenda-Gruppe: Wie Ochsenfurt die Stromfresser jagt

Bei der Straßenbeleuchtung wurde viel Strom verschwendet. Aber auch im neuen Schulzentrum liegt beim Energiesparen noch einiges im Argen.
Während früher Strahler mit insgesamt 4,5 Kilowatt installiert waren, reicht heute ein Zehntel der Leistung aus, um das Palatium nachts ins rechte Licht zu rücken. 
Während früher Strahler mit insgesamt 4,5 Kilowatt installiert waren, reicht heute ein Zehntel der Leistung aus, um das Palatium nachts ins rechte Licht zu rücken.  Foto: Gerhard Meißner

Eine Mission eint die Mitglieder der Ochsenfurter Agenda-Arbeitsgruppe: Sie haben der Energieverschwendung den Kampf angesagt. Seit über zehn Jahren eifern sie diesem Ziel nach, und die Erfolge können sich sehen lassen. Allein bei der Straßenbeleuchtung hat die Stadt Ochsenfurt in den vergangenen Jahren dank der Agenda-Gruppe rund eine halbe Million Kilowattstunden Strom eingespart, der Durchschnittsverbrauch von 140 Einfamilienhäusern. Und sie wollen noch lange nicht locker lassen. Ihr nächstes großes Projekt ist das neue Schulzentrum an der Fabrikstraße.

Elf Mitglieder gehören dem ehrenamtlichen Kreis derzeit an, die meisten haben einen technischen Beruf ausgeübt und sind inzwischen im Ruhestand. So wie Maschinenbautechniker und Stadtrat Manfred Singer und Elektromeister Robert Bausewein. Eher beiläufig war die Gruppe vor etwa zehn Jahren auf die immensen Summen aufmerksam geworden, die die Stadt Ochsenfurt alljährlich für ihre Straßenbeleuchtung ausgibt, erzählen sie - und machte sich auf die Jagd nach den Stromfressern.

Rund 1800 Lampen beleuchteten die Stadt und ihre Ortsteile in den Nachtstunden. Die meisten davon brannten damals mit veralteter Technik, und allesamt die ganze Nacht hindurch, von der Abenddämmerung bis in die Morgenstunden - wahre Stromfresser. Schlimmer noch: "Nur ganz wenig Leute haben überhaupt gewusst, welche Lampen wo drin sind", sagt Manfred Singer. Von einem Standortkataster oder Wartungsplänen ganz zu schweigen.

Eine rote Markierung zeigt an, dass diese Lampe nur die halbe Nacht brennt.
Eine rote Markierung zeigt an, dass diese Lampe nur die halbe Nacht brennt. Foto: Gerhard Meißner

Die Mitglieder der Agenda-Arbeitsgruppe machten sich daran, jede einzelne Lampe zu registrieren, in eine digitale Karte einzutragen und die Betriebsdaten festzuhalten. Unterstützung bekamen sie dabei vom Energieversorger N-ergie, der kurz zuvor erst den Stromliefer- und Wartungsvertrag für die Straßenlampen übernommen hatte.

"Wenn wir alles umgebaut haben, kommen wir auf einen Jahresverbrauch von 250 000 kWh."
Robert Bausewein, Agenda-Gruppe

Als nächsten Schritt ging es daran festzustellen, welche Lampe überhaupt die ganze Nacht über brennen muss, und welche abgeschaltet werden kann, ohne dass die Sicherheit der Bürger beeinträchtigt wird. Das Ergebnis: Seit Ende der Umbauphase brennen 425 Lampen nur noch bis 23 Uhr und werden erst um fünf Uhr wieder eingeschaltet. "Wir haben auch die Schilder angeklebt, von denen die wenigsten wissen, was sie bedeuten", sagt Robert Bausewein. Gemeint sind die weiß-rot-weißen Aufkleber an den Laternenmasten, die auf die Halbnachtschaltung hinweisen.

Eine moderne LED-Lampe, wie sie in der Frickenhäuser Straße montiert ist, braucht nur noch einen Bruchteil so viel Energie wie veraltete Technik.
Eine moderne LED-Lampe, wie sie in der Frickenhäuser Straße montiert ist, braucht nur noch einen Bruchteil so viel Energie wie veraltete Technik. Foto: Gerhard Meißner

Nach dem ersten großen Einsparschritt ging es an den Austausch der Leuchtmittel. Waren früher hauptsächlich Natriumdampflampen im Einsatz, zu erkennen in ihrem gelben Licht, so brennen inzwischen 396 Kompaktleuchtstofflampen und 773 LED-Lampen über Ochsenfurts Straßen, letztere mit der Hälfte des Energieverbrauchs und einer vielfachen Lebensdauer. Auch einen Wartungsplan gibt es inzwischen, nach dem die übrigen Stromfresser in den kommenden Jahren ausgetauscht werden.

So ist als nächster Abschnitt Kleinochsenfurt an die Reihe, wo unter anderem 239 Natriumdampflampen mit 50 Watt durch gleichwertige LED-Leuchten ersetzt werden, die nur noch 22 Watt verbrauchen. Wie immer hat die Agenda-Gruppe dazu nur den Vorschlag gemacht. Entscheiden musste der Stadtrat.

Jahresverbrauch mehr als halbiert

Das vorläufige Ergebnis: Zwischen 2008 und 2019 sank der Jahresverbrauch für die Straßenbeleuchtung von 835 422 Kilowattstunden (kWh) auf 352 329 kWh, obwohl die Zahl der Straßenlaternen sogar gestiegen ist - auf zuletzt 1842. Die Stadt spare dadurch jährlich rund 123 000 Euro, sagt Manfred Singer. Das ursprüngliche Ziel, die 500 000-kWh-Marke zu unterschreiten, ist damit längst erreicht. Und es soll weitergehen: "Wenn wir alles umgebaut haben, kommen wir auf einen Jahresverbrauch von 250 000 kWh", prophezeit Robert Bausewein.

Kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen: Als nächstes Betätigungsfeld hatte sich die Agenda-Gruppe die Beleuchtung öffentlicher Gebäude ausgesucht. Auch hier brachte die Bestandsaufnahme ein erschreckendes Ergebnis. 450 Watt-Strahler beleuchteten das Rathaus. Am Palatium waren sogar drei Strahler mit jeweils 1,5 Kilowatt montiert. Zum Glück haben sie nicht mehr funktioniert, scherzt Singer.

Auch so etwas gibt es noch. Die letzten uralten Lampen sollen in den nächsten Jahren verschwinden.
Auch so etwas gibt es noch. Die letzten uralten Lampen sollen in den nächsten Jahren verschwinden. Foto: Gerhard Meißner

Stattdessen setzen nun LED-Strahler mit jeweils 150 Watt die Baudenkmäler ins rechte Licht. Und zwar mit einem genau eingestellten Fokus, um die Nachbarn nicht zu belästigen, und in einer Lichtfarbe, die keine Insekten anlockt. Damit erfüllte die Objektbeleuchtung vor Jahren schon die Anforderungen der erst kürzlich inkraft getretenen Insektenschutz-Bestimmungen, so Manfred Singer.

Eine harte Nuss hat der Stadtrat der Agenda-Arbeitsgruppe mit dem neuen Schulzentrum an der Fabrikstraße aufgegeben. Es war aufgefallen, dass die Schule samt Sporthalle ungefähr doppelt so viel Strom verbraucht wie vor der Generalsanierung. Mitglieder der Agenda-Gruppe gingen der Sache auf den Grund und entdeckten eine Reihe von Schwachstellen. Darüber berichtete Manfred Singer in der jüngsten Stadtratssitzung.

Lampen, die immer brannten

Als erster Schritt war ein Zwischenzähler für die Halle eingebaut worden, um die Verbräuche getrennt betrachten zu können, so Manfred Singer. 32 Kilowatt verbraucht die Hallenbeleuchtung auf der stärksten von drei Schaltstufen. Und in der Regel werde die auch eingeschaltet, sagt Singer, obwohl für die meisten Gelegenheiten weniger Licht ausreicht. Außerdem kam die Gruppe einem Softwarefehler auf die Spur, der dafür sorgte, dass in einigen Umkleidekabinen das Licht Tag und Nacht brannte. Auch bei der Hallenbelüftung lasse sich Energie sparen, wenn sie nur bedarfsgerecht eingeschaltet oder über die Messung der Luftqualität gesteuert würde.

An der Beleuchtung der Grund- und Mittelschule fielen falsch eingestellte Präsenzmelder auf, die bereits bei noch ausreichender Helligkeit die Lichter in den Gängen einschalteten, und verklebte Schaltrelais, die dazu führten, dass manche Lichter ständig brannten. Eine Störung der Lüftungsanlage hatte außerdem zur Folge, dass die Lüftung ständig auf vollen Touren lief, obwohl außerhalb der Schulzeit 20 Prozent der Leistung ausreichend wären.

Arbeitsgruppe ist noch nicht zufrieden

Besonders ärgert Manfred Singer, dass die Akku-Batterien der Notbeleuchtung wegen überhöhter Raumtemperatur im Battiereraum schon nach drei Jahren ausgetauscht werden mussten. Schuld sei ein fehlerhaft eingebauter Lüfter gewesen. Auch das Fehlen von Arbeits- und Prüfanweisungen bemängelt die Agenda-Gruppe. Dadurch werde es schwierig, die erforderlichen Überwachungsaufgaben korrekt durchzuführen, wenn der Hausmeister, etwa im Krankheitsfall, von anderen Mitarbeitern der Stadt vertreten wird.

Immerhin sei es gelungen, den Gesamtenergieverbrauch von Schule und Halle zwischen 2017 und 2019 von 283 600 kWh um zwölf Prozent auf 249 800 kWh zu senken. "Damit sind wir noch nicht zufrieden", sagt Manfred Singer und mahnt die Stadt, die Vorschläge der Agenda-Arbeitsgruppe schneller umzusetzen. "Die Zusammenarbeit könnte besser sein", ergänzt Robert Bausewein.

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