WÜRZBURG

Alles, was es über Würzburg zu wissen gibt

Sie gehörten zum Bildungsbürgertum wie die Häkeldeckchen auf dem Esstisch, die großen Brockhaus-Bände im Bücherschrank. Dann kam das Internet und mit ihm die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Fast jeder hat zumindest schon einmal davongehört, immer mehr nutzen Wikipedia regelmäßig. Seit 2009 gibt es Wikipedia auch für Würzburg: Das WürzburgWiki.

Jeden ersten Freitag im Monat treffen sich die Autoren des WürzburgWiki im Café Journal in der Juliuspromenade. „Privat haben wir eigentlich überhaupt nichts gemeinsam, uns eint das Interesse an der Stadt, der Geschichte und der Kunst darin“, sagt Julia Breunig, die stellvertretende Vorsitzende des WürzburgWiki e.V.. Gegründet wurde der Verein im Mai 2013, seit diesem Jahr ist er im Vereinsregister eingetragen.

Das WürzburgWiki zählt derzeit etwa 1000 Besucher und 3000 Seitenzugriffe – jeden Tag. Seit kurzem stehen die über 6800 Artikel und 5300 Bilder aus Stadt und Landkreis auf einem eigenen Server zum Abruf bereit. „Wir wollten das Projekt mit der Vereinsgründung auf stabile Füße stellen“, sagt Julia Breunig. „Ähnliche Projekte in Bamberg und Schweinfurt sind wieder eingeschlafen, weil dort die Initiatoren nicht durchhielten.“

Gründer des WürzburgWikis war der Würzblog-Schreiber und jetzige Main-Post-Online-Redakteur Ralf Thees. „In Würzburg gibt es viel Wissen um die Stadt - in Büchern, in den Köpfen und auf der Straße. Ich wollte einfach, dass es eine Möglichkeit gibt, damit viele Leute dieses Wissen einfach zusammentragen können und jeder frei auf dieses Wissen zugreifen kann“, sagt Thees.

„Wir besprechen beim Stammtisch auch was wir angehen wollen oder welche neuen Kategorien wir anlegen wollen“, erzählt Breunig. Wie bei wikis üblich, kann jeder mitmachen, aber der „harte Kern“, der sich beim Stammtisch trifft, zählt derzeit bis zu sieben Köpfe aus allen möglichen Berufsgruppen. Julia Breunig ist zum Beispiel Kartografin, Vereinsvorsitzender Daniel Endres ist Controller, auch Lageristen oder Studenten machen mit.

Auch Wolfgang Keller, kaufmännischer Angestellter, ist WürzburgWiki-Autor. „Ich war lange Zeit Vorstand im WUF-Zentrum im Mainviertel“, erzählt er. „Da bin ich durch Zufall auf das Würzburgwiki gestoßen und habe gesehen, dass es da noch keinen Eintrag über das Zentrum gab.“

„Man muss recherchieren. Mal kommt man schnell voran, mal langsamer.“
Julia Breunig, WürzburgWiki e.V.

Dann sei das eine zum anderen gekommen: „Das WUF-Zentrum ist im Niggl-Weg, also wollte ich wissen, wer war eigentlich der Herr Niggl? Außerdem war dort 1990 die Landesgartenschau und das Gelände erstreckte sich auch auf die Bastion, da fand ich ebenfalls nichts im Würzburgwiki. Ich wollte das aber wissen – und damit fing es an“, sagt der Enzyklopädie-Beitragschreiber trocken. „Es gehört schon ein gewisser Forscherdrang dazu.“

„Man muss recherchieren. Mal kommt man schnell voran, mal langsamer“, weiß Breunig. Quellen sind Bücher, das Stadtarchiv, andere Veröffentlichungen im Internet und die „Sammlung Dürrnagel“des rührigen CSU-Stadtrates Willi Dürrnagel, die innerhalb des WürzburgWikis sogar eine eigene Kategorie bildet.

Bisweilen stoßen die Autoren bei ihren Recherchen auf interessante Dinge. „Wir haben in Stadtratsunterlagen aus dem Jahr 1980 festgestellt, dass damals ein Platz in Unterdürrbach nach einem Georg-Friedrich-Keller benannt worden war“, erzählt Breunig. „Den haben wir aber in keinem offiziellen Stadtplan gefunden. Wir sind dann raus gefahren und haben den Platz gefunden mit einem Schild, das die Unterdürrbacher selbst aufgestellt hatten.“ Eine Nachfrage bei der Stadt ergab, dass die Benennung 1980 wohl schlicht in Vergessenheit geraten war. Sie wurde nun nachgeholt „Die Verantwortlichen bei der Stadt oder auch beim Landesamt für Denkmalpflege in Schloss Seehof bei Bamberg sind oft dankbar, wenn wir sie auf Dinge hinweisen, die wir gefunden haben“, weiß Breunig.

So forschen sie weiter und sind über jeden, der mittun will, dankbar. Letztendlich haben sie ein Ziel für ihr Projekt: „Alles zusammentragen, was man über Würzburg wissen kann.“

Mehr Infos zum Verein gibt es unter www.wuerzburgwiki.de Der nächste Stammtisch ist an diesem Freitag, 7. März um 19 Uhr im Café Journal. E-Mail: info@wuerzburgwiki.de

Das WürzburgWiki

Ein Wiki (hawaiisch für „schnell“) ist ein System für Webseiten, deren Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch direkt im Webbrowser geändert werden können. Ziel ist meist, Erfahrung und Wissen gemeinschaftlich zu sammeln und verständlich zu dokumentieren. Die Autoren erarbeiten gemeinschaftlich Texte, die durch Fotos oder andere Medien ergänzt werden. Die bekannteste Anwendung für Wikis ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia.

Das WürzburgWiki ist eine freie Online-Enzyklopädie für die Stadt und den Landkreis Würzburg. Es strebt eine umfassende Darstellung der Kultur und Geschichte wie auch des lokalen Zeitgeschehens an. So finden sich hier auch aktuelle Informationen über Veranstaltungen, Vereine, Gastronomie und Unternehmen in Stadt und Landkreis. Das Interessante daran: Jeder kann mitmachen und sein Wissen einbringen.

Wie das „große“ Wikipedia ist das Würzburgwiki ein offenes Projekt mit ehrenamtlichen Autoren. Unter den deutschsprachigen Regional-Wikis steht WürzburgWiki nach Einträgen auf Rang elf, in Bayern auf Platz drei.

Neue Mitstreiter willkommen: Der Monatsstammtisch der wuerzburgwiki-Autoren tagt jeden ersten Freitag im Monat ab 19 Uhr im Café Journal in der Juliuspromenade. Von links: Julia Breunig (stellvertretende Vorsitzende wuerzburgwiki e.V.), Jan Speth, Roland Dörfler (Schatzmeister), Daniel Endres (Vorsitzender) und Wolfgang Keller. Foto: Theresa Müller

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