REGION WÜRZBURG

Allianz zum besseren Schutz der Kinder

Die Stadt Würzburg und der Landkreis arbeiten in einigen Bereichen zusammen. Das gilt jetzt auch in Sachen Kinderschutz. Nachdem die Stadt die interkommunale Kinderschutzkonzeption für die koordinierenden Kinderschutzstellen bereits verabschiedet hatte, hat nun auch der Jugendhilfeausschuss des Landkreises dem Papier einstimmig zugestimmt. Die Kinderschutzstelle hat in erster Linie die Jüngsten, Null- bis Dreijährigen, im Blick. Konzeptionell reicht der Kinderschutz aber weit über dieses Alter hinaus.

Vor zwei Jahren, so der Leiter des Fachbereichs Familienarbeit, Klaus Rostek, gründete sich die Planungsgruppe, die das Konzept gemeinsam erarbeitete. An den Anfang des Papiers, so Rostek, habe man bewusst nicht die Probleme gestellt, sondern erfasst, was Kinder brauchen. Das sind liebevolle Beziehungen, körperliche Unversehrtheit und Sicherheit ebenso wie Erfahrungen, Grenzen und Strukturen, stabile, unterstützende Gemeinschaften und eine Zukunft.

Jugendamt besonders verpflichtet

Außerdem habe man zusammengetragen, was man in der Region bietet wie zum Beispiel Beratungsstellen für Gesundheit und Jugendhilfe, Schulen und Betreuungseinrichtungen.

Erst dann gehe es konkret um Kinderschutz, erst präventiv, dann reaktiv. Damit folge das Konzept der realen Vorgehensweise. Ein Kind wird geboren und hat Bedürfnisse, an seine Familie und deren Umfeld. In dieser Situation können unterstützende Maßnahmen Familien im Umgang und bei der Erziehung der Kleinen helfen, Schutzmechanismen sowie soziale Kontrolle und Begleitung verringern zudem drohende Gefahren fürs Kindeswohl (Vernachlässigung, körperliche und/oder seelische Misshandlung, sexueller Missbrauch). Wird aus der Gefahr eine tatsächliche Gefährdung, müssen die mit der Arbeit fürs Kindeswohl Beauftragten einen Schritt weitergehen, indem sie entsprechend der akuten Gefahrenlage reagieren (Schutzauftrag und damit Begleitung der Familie, Inobhutnahme, Einschalten des Familiengerichtes).

Den besonderen Schutzauftrag für das Kindeswohl, so der Fachbereichsleiter weiter, könne nur das Jugendamt leisten (staatliches Wächteramt). Dieses stünde deshalb in besonderer Weise in der Verantwortung und sei bei Gefahr verpflichtet, zu reagieren. Um den Schutzauftrag besser erfüllen zu können, kooperiert das Jugendamt mit Partnern im Netzwerk und holt sich beispielsweise erfahrene Fachkräfte als Multiplikatoren dazu. Diese Berater helfen etwa freien Trägern der Jugendhilfe, interne Standards zu entwickeln. Wobei, betont Rostek, das Entwickeln von Standards, Vorgaben und Mechanismen nie abgeschlossen sei, sondern ein andauernder Prozess.

Schritt für Schritt vorgehen

Das Konzept zeige auf, wer zum Netzwerk des Kinderschutzes dazugehört, wer welche Handlungsspielräume hat, und welche Netzwerke – ganz oder teilweise – ebenfalls im Bereich Kindeswohl und -schutz aktiv sind. Erfasst sind in dem Papier auch Ablaufschemen und Verfahrenabläufe. Bei akutem Verdacht auf Gefährdungen findet damit jedermann klare Handlungsanweisungen, nach denen er Schritt für Schritt vorgehen kann. Zudem sei das ganze Konzept nicht nur interkommunal, sondern auch interdisziplinär, betont Rosteck.

Zum Netzwerk für den Kinderschutz gehören neben den öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe, Beratungsdienste, in der Jugendarbeit tätige Organisationen und Vereine, Schulen, medizinische Dienste und Frühförderstellen sowie Polizei, Frauenhäuser, das Blindeninstitut oder auch das Körperbehindertenzentrum.

Weitere Netzwerke sind beispielsweise die runden Tische „frühe Kindheit“ und „gegen häusliche Gewalt“, die Arbeitskreise „Trennung und Scheidung“, „Streetwork“ sowie „Familien mit psychisch erkrankten Elternteil“ und die Berufsgruppe gegen sexuelle Gewalt.

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