ZELLERAU

Als Würzburg noch acht Brauereien hatte

Mitmachaktionen: Beim Bürgerbräu-Fest in der Zellerau kamen Groß und Klein auf ihre Kosten.
Mitmachaktionen: Beim Bürgerbräu-Fest in der Zellerau kamen Groß und Klein auf ihre Kosten. Foto: Patrick Wötzel

Deutlich über 15 Millionen Euro investieren Architekt Roland Breunig und die Sektkellerei Höfer in die Umgestaltung des Bürgerbräu-Geländes zu einem kreativen Dienstleistungs-Zentrum, wobei die alte Bausubstanz so weit wie möglich erhalten bleiben soll. Zum ersten „Bürgerbräu-Fest“ auf dem gut fünf Hektar großen Gelände strömten am Samstag trotz wolkenverhangenen Himmels mehrere Tausend Besucher: „Das ist das Signal, dass es hier losgeht“, sagte Roland Breunig.

Ganz am Ende der Frankfurter Straße, da, wo in ein paar Jahren der Verkehr aus dem westlichen Landkreis wieder über den Zeller Bock in die Stadt fließen soll, wurden bis Ende des Jahres 1989 gut 300 000 Hektoliter Bier pro Jahr gebraut. Beim „Bürgerbräu-Fest“ wurden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Areals sichtbar. Für die Vergangenheit war Willi Dürrnagel zuständig, der gut 150 Menschen bei einer Führung die Historie der Bürgerbräu näher brachte. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zog das „Bürgerliche Brauhaus“ aus Zell in die Zellerau und war vor dem Zweiten Weltkrieg eine von acht Würzburger Brauereien. Als Erste in Bayern exportierte die Bürgerbräu ihre Biere sogar über den großen Teich: „Bürgerbräu wurde auf dem Broadway in New York und auf der Reeperbahn in Hamburg getrunken“, so Dürrnagel.

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1972 wurde sie von der Patrizier Bräu geschluckt, nach der Insolvenz erwarb die Stadt im November 1989 das Gelände für neun Millionen D-Mark, und die Kultur hielt Einzug: Autonomes Kulturzentrum AKW (bis zur Pleite vor drei Jahren), Siebold-Museum, Theater Ensemble und viele Künstler-Ateliers sind in den ehemaligen Brauerei-Liegenschaften zu finden.

Sekt und Basketball

Die Sektkellerei Höfer nutzt die ehemaligen Gär- und Lagerkeller für ihre Produktion, die Direkt-Vermarkter des „Würzburger Bauernmarkts“ bieten am ersten Samstag im Monat ihre Produkte an, die s.Oliver Baskets trainieren im Basketball-Zentrum. Sie alle hatten ihre Türen für die Gäste geöffnet, boten Einblicke hinter die Kulissen und viele Mitmach-Aktionen. „Alle haben mit angepackt und in kurzer Zeit ein riesiges Fest auf die Beine gestellt. Das zeigt, dass unsere Idee funktioniert“, so Roland Breunig.

Über die Zukunft des Geländes informierten er und das Team seines Architektur-Büros „Archicult“, das vor zwei Wochen in die ehemalige Räume des AKW eingezogen ist. Viele Besucher interessierten sich für die Pläne, das Modell, den Film und die Erläuterungen dessen, was in drei Bauabschnitten passieren soll. „2013 fangen wir an zu bauen. Wenn es gut läuft, werden wir spätestens 2014 die ersten Dinge fertig haben“, sagte Breunig. Los geht es rund um den großen Platz im vorderen Teil des Geländes beim ehemaligen Sudhaus.

Die neueste Entwicklung: Im hinteren Teil des Geländes, entlang der Zufahrt zum ehemaligen AKW, sollen nicht nur vier Atelier-Häuser für Künstler, sondern auch ein kleines Hotel mit 60 Betten entstehen. „Wir haben festgestellt, dass es in der gesamten Zellerau keine Übernachtungsmöglichkeit mehr gibt. Und wir wollen dadurch auch die Straße aufwerten, die im Moment nicht sehr attraktiv ist.“ Ein verstecktes Wohngebiet werde nicht entstehen: „Nur einzelne Wohnungen, die mit dem Gewerbe in Zusammenhang stehen“, betont Breunig. Nicht nur die bereits auf dem Gelände ansässigen Künstler sind nach seinen Worten von dem Projekt überzeugt: „Wir gehen davon aus, dass sich in drei Jahren die Anzahl der Künstler hier mindestens verdoppelt haben wird.“

Information: Wie es auf dem Bürgerbräu-Gelände weitergeht, wollten viele Besucher wissen.
Information: Wie es auf dem Bürgerbräu-Gelände weitergeht, wollten viele Besucher wissen.
Rutschpartie: Anders als hier soll es in der Zellerau aufwärts gehen.
Rutschpartie: Anders als hier soll es in der Zellerau aufwärts gehen.

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