WÜRZBURG

Alte Getreidearten sind im Trend

Eine Emmer-Ähre: Das Mehl der alten Getreidesorte Emmer ist gelblich und eignet sich gut für Pizza, Brot und Kuchen. Foto: Wilma Wolf

Immer mehr Menschen leiden an Lebensmittelunverträglichkeiten und suchen Alternativen zu den klassischen Getreidearten wie Weizen, Dinkel oder Roggen. Daher informierte die Aktion Grundwasserschutz der Regierung von Unterfranken und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Würzburg über den Anbau von alternativen Druschfrüchten. Über hundert Landwirte – ökologisch und konventionell wirtschaftende – aus der Region interessierten sich für diese neue Marktnische.

„Der Biomarkt wächst immer noch schneller als die Erzeugung“, sagte Bernhard Schwab, zuständig für den Bereich Ökolandbau am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bamberg. Die Kunden interessierten sich immer mehr für die Herkunft der Produkte und bevorzugten regionale Waren. „Der kontinuierlich wachsende Ökomarkt bietet Chancen für bisher weniger verbreitete Kulturen.“

Der Anbau von alternativen Druschfrüchten erweitert die Fruchtfolge, hilft den Krankheitsdruck auf dem Acker zu senken und ist gut für die Bodenfruchtbarkeit. „Es lohnt sich die Kulturen anzubauen, bei denen eine Nachfrage seitens Handel und Verarbeitung besteht, zu Preisen die einen Anbau im Vergleich zu den herkömmlichen Kulturen interessant erscheinen lassen“, erklärte Schwab. Für die klimatisch günstigeren Weinbaulagen in Unterfranken eignen sich Sonnenblumen und Sojabohnen, in den übrigen Lagen gedeihen auch Emmer, Einkorn und Hafer. „Aktuell besteht eine größere Nachfrage nach Emmer und Einkorn“, sagt Schwab.

Armin Knauf, Biolandwirt aus Bad Rodach (Lkr. Coburg) baut seit einigen Jahren erfolgreich Emmer, Einkorn, Wicken und Hanf an. Aufgrund des geringen Nährstoffbedarfs eignet sich Einkorn zum Beispiel besonders gut für den Anbau auf extensiv bewirtschafteten trockenen Böden, erklärte der Landwirt. Ein Bäcker vor Ort habe ihn direkt angesprochen und darauf gebracht, dieses Urkorn anzubauen. „Das Mehl des Einkorns ist gelblich und schmeckt hervorragend in Pizza, Brot und Kuchen“, sagte Knauf. Aus Emmer und Einkorn lasse sich sogar ein köstliches Bier brauen.

Über die Standardalternativen, wie Sonnenblumen, Soja und Buchweizen referierte Manfred Weller von der Bioland-Erzeugerringberatung. Trotz des Namens handelt es sich bei Buchweizen streng genommen gar nicht um ein Getreide, sondern um eine Pflanzengattung aus der Familie der sogenannten Knöterichgewächse. Alternative Druschfrüchte sind nötig und sinnvoll, da eine Fruchtfolge mit zu viel Getreide, vor allem weizenverwandten Arten wie Weizen, Dinkel, Emmer, Triticale und Co. anfälliger ist für Krankheiten und Schädlinge.

Dass Buchweizen, Einkorn und Emmer in der Fruchtfolge durchaus Sinn machen, bestätigt auch Gerald Wehde, Pressesprecher von Bioland. „Allerdings sind sie Nischenprodukte, deren Vermarktung unbedingt vor der Aussaat geklärt werden sollte, da der Landwirt sonst auf seiner Ernte sitzen bleiben könnte“, so Wehde. Bei Soja sei die Vermarktung kein Thema, da bestehe derzeit hoher Bedarf nach heimischer Ware. „Auch Ölfrüchte sind gesucht, Sondergetreide und Pseudocerealien wie Buchweizen, Amaranth und Quinoa in gewissem Rahmen auch.“

Beim Schutz des Grundwassers ist die Landwirtschaft der wichtigste Akteur. Die Initiative Grundwasserschutz durch Ökolandbau der Regierung von Unterfranken unterstützt Landwirte bei der Umstellung. Denn: Ökologische Landwirtschaft verbessert die Grundwasserqualität, schützt das Grundwasser und bringt weitere Vorteile für Natur und Umwelt.

Ökolandbau in Franken

Im Jahr 2015 wirtschafteten in Unterfranken 611 landwirtschaftliche Betriebe nach den Kriterien des ökologischen Landbaues. Das sind 290 Betriebe mehr als im Jahr 2007. Einen großen Anteil an der Zunahme hat die „Initiative Grundwasserschutz durch Ökolandbau“ der Regierung von Unterfranken.

Bei einer Gesamtzahl von 9745 landwirtschaftlichen Betrieben in Unterfranken liegt der Anteil der Ökobetriebe damit bei 6,3 Prozent. Mit dem Landesprogramm „Ökolandbau – Bio-Regio Bayern 2020“ verfolgt das Bayerische Staatsministerium für Ernährung Landwirtschaft und Forsten das Ziel, die Erzeugung des Ökolandbaus bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln.

Mehr Infos über Ökolandbau und die Aktion Grundwasserschutz unter

www.aktiongrundwasserschutz.de

oder bei Bernhard Schwab unter:

bernhard.schwab@aelf-ba.bayern.de

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