Ein Mann mit Axt und Messer ist am Montagabend im Regionalzug von Treuchtlingen nach Würzburg auf Mitreisende losgegangen. Nach Angaben von Polizeisprecher Philipp Hümmer wurden vier Menschen schwer und eine Person leicht verletzt. Der Angreifer wurde erschossen.
Es gebe 14 weitere Betroffene, die sich in der Regionalbahn RB 58130 aufgehalten hätten, aber nicht verletzt seien, sagte der Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken weiter. Sie standen unter Schock und wurden von Spezialisten betreut.
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Gegen 21 Uhr soll es einen Notruf aus dem fahrenden Zug gegeben haben. Der Zug stoppte unweit des Bahnhofes Würzburg-Heidingsfeld unplanmäßig – möglicherweise, weil ein Zuginsasse den Nothalt betätigt hatte, sagte Polizeisprecher Michael Zimmer. Von dort aus soll der Täter zunächst zu Fuß 400 bis 600 Meter geflohen sein.
Notärzte und Rettungshubschrauber bis aus Regensburg wurden aufgeboten. Hubschrauber kreisten am Abend über der Haltestelle des Zuges und in Richtung Würzburg auf der Suche nach dem flüchtigen Täter. Polizisten in Schutzwesten waren in Heidingsfeld unterwegs auf der Suche nach dem Angreifer.
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In den „Tagesthemen“ sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gegen 22.45 Uhr, der Täter sei ein unbegleiteter 17-jähriger Afghane, der sich seit März im Landkreis Würzburg aufhielt und seit zwei Wochen in einer Pflegefamilie in Ochsenfurt (Lkr. Würzburg) gelebt habe. Sein Zimmer dort wurde am Abend durchsucht.
Ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums teilte am Montagabend mit, der Angreifer habe während der Tat einmal „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) gerufen. Zum Motiv liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor.
Somit kann auch derzeit nicht bestätigt werden, dass es sich um einen islamistisch motivierten Angriff handelt. Die Polizei ging entgegen ersten Gerüchten nicht davon aus, dass es noch einen zweiten Täter gab.
Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig in Würzburg in der Nähe gewesen sei, habe die Verfolgung aufgenommen, sagte Herrmann. Als der 17-Jährige auch auf die Beamten mit Messer oder Axt losgegangen sei, hätten sie das Feuer eröffnet und den 17-Jährigen getötet. Dies soll im Bereich der Mainauen auf Heidingsfelder Gebiet passiert sein. Der Schusswaffengebrauch des SEK wird jetzt vom Landeskriminalamt untersucht. Ein leitender Beamter sagte dazu: "Das dürfte aber eine reine Formsache sein. Wenn das keine Notwehr war, was dann?"
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Amoklauf Würzburg
zur FotoansichtHerrmann wollte nicht ausschließen, dass sich einige der Schwerverletzten in Lebensgefahr befanden. Der Zug stand gegen Mitternacht noch auf der Strecke. Einer der Waggons war blutverschmiert. Spurensicherer waren an der Arbeit.
Am Hauptbahnhof Würzburg sagte der stellvertretende Bahnhofsmanager Maik Junghans gegen Mitternacht, die Lage sei inzwischen relativ ruhig. Ersatzweise sei auf der Strecke zwischen Ochsenfurt und Würzburg ein Busverkehr eingerichtet. Drei Züge seien ausgefallen.
Während der Fahndung nach dem Flüchtigen wurde auch die Schleuse bei Randersacker gesperrt. Anwohner in den nahe liegenden Gartenanlagen wurden aufgefordert, sofort ins Haus zu gehen.
Vom Bremsgeräusch wurde Augenzeuge Thomas Velten aufgescheucht, er rannte aus der Matthias-Noell-Straße sofort zu dem Zug. Im Wagen, so berichtete er am Abend gegenüber der Redaktion, habe er viel Blut gesehen. "Das war wie auf einem Schlachtfeld. Da ist eimerweise Blut geflossen." Vermutlich wegen der verwinkelten Gassen habe es einige Zeit bis zum Eintreffen der Rettungskräfte gedauert. Die Unverletzten hatten den Zug schnell verlassen. Etwas entfernt will der Augenzeuge später Schüsse gehört haben.
An der s.Oliver-Arena wurde ein Lagezentrum errichtet. Dort wurden die Zugreisenden psychologisch betreut. Die Polizei schirmte die Halle ab. Fünf Notfall-Seelsorger waren vor Ort. Die Verletzten sind in verschiedene Krankenhäuser gebracht worden.
Die Pressesprecherin des Malteser Hilfsdienstes Christina Gold sagte: Die Alarmierung kam um 21.30 Uhr. 63 Helfer von Bayerischem Rotem Kreuz, Maltesern und Johannitern waren im Einsatz.
In der Nacht kamen auch Innenstaatssekretär Gerhard Eck und Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt an den Ort des schrecklichen Geschehens.
Die Tat erinnert an den Messerangriff am Grafinger Bahnhof im Mai. Dort hatte ein 27-jähriger – offensichtlich geistig verwirrter – Deutscher mit einem Messer auf einen anderen Fahrgast eingestochen. Bestätigt wurde auch in dem Fall durch einen Zeugen, dass er „Allahu Akbar“ gerufen hat. Jedoch konnte keine Verbindung des Täters zu einem islamistischen Netzwerk nachgewiesen werden.
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