WÜRZBURG

Angriff auf Slogan „Provinz auf Weltniveau“

Wird der umstrittenen Werbeslogan „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“ gekippt? Manche Wirtschaftsvertreter halten ihn für „inakzeptabel“, teilweise gar „geschäftsschädigend“. Nun will ein Arbeitskreis unter der Moderation des früheren CSU-Landtagsabgeordneten Manfred Ach von der Kampagne der Würzburg AG „retten, was zu retten ist“. Slogan-Macher Dieter Schneider hat für diese „einseitige Stimmungsmache“ kein Verständnis.

„Wir bellen nicht, wir beißen“ ist das Motto von BFP. Das Kürzel steht für die Wirtschaftssozietät Bruno Fraas und Partner, die den BFB Business Campus ins Leben gerufen hat – „ein Kontaktforum, bei dem Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft Informationen austauschen“, so die stellvertretende BFB-Geschäftsführerin Sylwia Maria Bea.



Dieser Tage haben sich 20 Vertreter von Stadt, Landkreis, Wirtschaft, Tourismus und Gastronomie auf BFB-Einladung ausgetauscht, darunter Bürgermeisterin Marion Schäfer, Klaus Walther vom städtischen CTW und Günther Severin vom gleichnamigen Modehaus.

Thema: Die Imagekampagne der ums Regionalmarketing bemühten Würzburg AG mit dem umstrittenen „Würzburg – Provinz auf Weltniveau“-Slogan.

Das Ergebnis präsentierte nun Manfred Ach als „Mentor“ des Business Camps vor Journalisten. Was er berichtet, klingt ungeachtet des BFP-Mottos erst mal nicht so bissig.

Mit der Gesprächsrunde wolle BFB einen Beitrag leisten, um die Kampagne der Würzburg AG zu unterstützen, die seit ihrer Vorstellung im Herbst nur vor sich hin plätschere.

Man habe über Zielgruppen und eine professionelle Umsetzung diskutiert, so Ach, wobei sich alle einig gewesen seien, dass Würzburgs Image nach innen wie nach außen renovierungsbedürftig sei. Und offenbar nicht nur das.

Ach wird bissiger. „Eine gewisse Lethargie“ bei Verantwortlichen in Sachen Marketing sei kritisiert worden.

Insbesondere von der Stadt und den Stadträten werde mehr Initiative gefordert, um Würzburgs Stärken wie Kultur, Wissenschaft, Gesundheit und Lebensqualität möglichst vielen Menschen vor Augen zu führen.

Das allerdings nicht mit dem „Provinz“-Slogan, kommt Ach zum springenden Punkt.

Aus Sicht der Wirtschaft sei der Spruch, der in aller Regel nur sarkastisch verwendet werde, „inakzeptabel“, manche Unternehmen würden ihn gar als „geschäftsschädigend“ bezeichnen.

Erklärungsbedürftig


„Provinz auf Weltniveau“ sei erklärungsbedürftig, folglich nicht optimal, sagt Ach. Das hätten auch die meisten der Diskussionsteilnehmer so gesehen.

Das sieht Dieter Schneider, in dessen Werbeagentur der Slogan entstand, anders. Schneider, Aufsichtsrat bei der Würzburg AG und ebenfalls bei der BFB-Diskussionsrunde, aber nicht bei Achs Pressekonferenz dabei, schildert die Diskussion als ausgeglichen, nicht alle Wirtschaftsvertreter seien gegen das „Provinz“-Konzept gewesen.

Dem Veranstalter BFB wirft Schneider „einseitige Stimmungsmache“ vor. „Die Vertreter der Würzburg AG sollten vorgeführt werden“, so sein Eindruck.

Schneider hält den „Provinz“-Spruch für einen „Hammer-Slogan“, betont aber erneut, dass er nicht der Weisheit letzter Schluss sein muss. „Nur, bislang ist nichts besseres gekommen.“

Das erhofft sich Manfred Ach. Als nächsten Schritt kündigt er einen Arbeitskreis unter seiner Moderation an, um von der Kampagne „zu retten, was zu retten ist“.

Da sollten auch Vertreter von Stadt und Landkreis dabei sein. Ziel sei eine Imagekampagne, „die von allen getragen“ werde – mit einem neuen Slogan.

Davon hält Würzburg AG-Mann Schneider gar nichts. Man sei schon viel weiter, erinnert er an das offene Diskussionsforum auf der Internetseite der Würzburg AG.

Als nächstes werde das Konzept der Image-Kampagne auf eine Internet-Plattform gestellt, auf der dann im nächsten halben Jahr 2500 kreativ Tätige ihre Ideen einbringen.

BFP und Ach wollen derweil daran arbeiten, „aus dem Unheiligen etwas Heiliges“zu machen. Bleibt spannend, ob die Bissigkeiten ums Reizwort „Provinz“ am Ende in eine Beißerei ausarten.

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