MARGETSHÖCHHEIM

Angst um die Qualität des Trinkwassers

Fett: (huGO-ID: 28768075) Grünlandumbruch gefährdet Trinkwasserversorgung FOTO Gideon Zoryiku
Fett: (huGO-ID: 28768075) Grünlandumbruch gefährdet Trinkwasserversorgung FOTO Gideon Zoryiku Foto: –

In Margetshöchheim fürchtet man um die Trinkwasserversorgung des Dorfes. Anlass sind Grünlandumbrüche im Wasserschutzgebiet. Zwei Landwirten warf Bürgermeister Waldemar Brohm (CSU) in der jüngsten Sitzung vor, gegen die Schutzgebietsverordnung zu verstoßen. Inzwischen hat Brohm das Landratsamt Würzburg eingeschaltet. Die Behörde wird aufgefordert, gegen den nach Meinung Brohms für das Margetshöchheimer Trinkwasser schädlichen Grünlandumbruch vorzugehen.

Brohm und sein Stellvertreter Peter Etthöfer (MM) appellieren eindringlich an die Grundbesitzer und die Pächter der Grundstücke, den Umbruch von Grünland in der Wasserschutzzone zu unterlassen.

Zugleich warnen sie vor den Konsequenzen eines Verstoßes gegen die Schutzgebietsverordnung. Grünlandumbruch sei in allen Zonen des Wasserschutzgebiets ausdrücklich verboten.

Wirtschaftlicher Druck

Es gehe nicht darum, die Arbeit der Landwirte einzuschränken, erklärt Brohm. „Ich akzeptiere und respektiere es, dass sie unter wirtschaftlichem Druck arbeiten und die Nutzung ihrer Flächen für sie wichtig ist.“ Für ihn sei aber inakzeptabel, dass sie durch Umbrüche „ein kostbares Gut der Allgemeinheit“ gefährdeten. „Denn wir können nicht garantieren, dass diese Umbrüche mittel- bis langfristig ohne Einwirkungen für die hiesige Wasserversorgung bleiben“, warnt Brohm. Man werde es nicht hinnehmen, dass die Margetshöchheimer Trinkwasserversorgung aufs Spiel gesetzt werde. Schließlich habe die Gemeinde diese in den letzten Jahren mit sehr viel Aufwand saniert.

Brohm ist der Ansicht, dass es Möglichkeiten gegeben hätte, die Umbrüche zu verhindern oder die Sache einvernehmlich zu lösen. „Ich bin schon enttäuscht und verärgert darüber, dass die Landwirte das Gespräch mit der Gemeinde nicht einmal gesucht haben.“

Ausdrücklich lobt der Bürgermeister einen dritten Landwirt. Auch er unterliege wirtschaftlichen Zwängen, dennoch habe er seine Grünfläche nicht umgebrochen. Um die Trinkwasserversorgung langfristig noch besser sichern zu können, will Brohm dem Gemeinderat vorschlagen, Grünlandflächen auch in den Zonen III A und III B anzupachten.

Eine Überprüfung des gesamten Wasserschutzgebiets hat laut Brohm ergeben, dass mindestens gut 33 000 Quadratmetern Grünland umgebrochen worden seien. Damit steht für Brohm und Etthöfer die Existenz der Wasserversorgung der Gemeinde auf dem Spiel. Der Grünlandumbruch erhöhe drastisch über lange Zeit die Nitratbelastung, erläutert Zweiter Bürgermeister Etthöfer. Er befürchtet, dass die Behörden der Gemeinde eine Ausnahmegenehmigung nicht nochmals erteilen würden, wenn der Nitratwert im Trinkwasser über den Grenzwert steigen sollte.

Wenn Nitrate über das Grundwasser ins Trinkwasser gelangen, kann das gesundheitliche Folgen haben. Nitrat wird neben Phosphat hauptverantwortlich für die Überdüngung von Gewässern gemacht, was zu starkem Unkraut- und Algenwuchs führt. Verursacht werden die hohen Konzentrationen durch Überschüsse an Stickstoff aus Dünger, Gülle und Gärresten von Biogasanlagen. Was der Boden nicht mehr aufnehmen kann, gelangt als Nitrat und Phosphat in Flüsse, Seen und Grundwasser.

Vor diesem Hintergrund ist der Grünlandumbruch in allen Zonen des Wasserschutzgebiets ausdrücklich verboten, weil der über Jahre hinweg in der Wurzelmasse gespeicherte Stickstoff schlagartig freigesetzt wird.

Doch heuer kommt es laut Etthöfer zu verstärkten Grünlandumbrüchen. Diese Entwicklung führt er auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zurück. Dieser hatte im Oktober letzten Jahres festgestellt, dass Flächen, die fünf Jahre als Grünland genutzt wurden, den Ackerstatus verlieren, was zu finanziellen Einbußen führen kann.

Förderung

Obwohl die bayerische Landwirtschaftsverwaltung Wege aufgezeigt habe, wie man den Ackerstatus erhalten könne, ohne das Grünland umzubrechen, werde vielerorts verstärkt umgebrochen, klagt der Wasserexperte. Die vom Landwirtschaftsamt vorgeschlagenen Maßnahmen wären im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms mit 350 beziehungsweise 370 Euro pro Hektar gefördert worden. Unter bestimmten Voraussetzungen wäre sogar eine Kombination beider Programme möglich, ohne dass ein Grünlandumbruch erforderlich wäre, glaubt Etthöfer. Denn stattdessen würden in Margetshöchheim Grünlandflächen umgebrochen und dafür Blühmischungen eingesät, die mit 600 Euro pro Hektar bezuschusst werden und jährlich wechseln könnten, erläutert Etthöfer.

Ein Desaster

„Für unser Trinkwasser ist die Entwicklung ein Desaster“, klagt der Zweite Bürgermeister. Ein Großteil der erfolgreichen Nitratreduzierung im Margetshöchheimer Trinkwasser sei schließlich auf die Umwandlung großer Flächen in Dauergrünland zurückzuführen.

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