HAUSEN

Anonyme Baumbestattung in Hausen nun möglich

Die drei neu gepflanzten Bäume im Hausener Friedhof. Ab sofort können hier anonyme Baumbestattungen gemacht werden.
Die drei neu gepflanzten Bäume im Hausener Friedhof. Ab sofort können hier anonyme Baumbestattungen gemacht werden. Foto: Irene Konrad

Ein großer Wurf ist der Gemeinde Hausen und Bürgermeister Bernd Schraud gelungen. Zwei Jahre lang hatte ein neunköpfiges Team in einem „Arbeitskreis Friedhof“ die Bestattungen auf den drei Friedhöfen der Gemeinde unter die Lupe genommen. Nun hat der Gemeinderat eine neue Friedhofs-und Bestattungssatzung verabschiedet und bauliche Maßnahmen umgesetzt.

Die markanteste Änderung betrifft die anonyme Baumbestattung. Ab sofort ist es möglich, dass Aschebestattungen in Urnen aus verrottbarem Material auf einer Wiesenfläche unter einem Baum zulässig sind. Auf den Friedhöfen in Erbshausen-Sulzwiesen und in Hausen wurden dafür schon jeweils drei Bäume gepflanzt. In Rieden befindet sich die Gemeinde noch in Standortgesprächen mit der Kirchenverwaltung.

Strenge Regeln

Wer sich für eine Baumbestattung entscheidet, darf lediglich am Tag der Urnenbeisetzung Grabschmuck ablegen. Er ist spätestens nach einer Woche zu entfernen. Das Aufstellen von Grablichtern, Vasen, Schalen, Figuren und ähnlichem ist nicht gestattet. Lediglich lose Schnittblumen dürfen abgelegt werden. Bei den Pflegearbeiten der Rasenfläche durch die Gemeinde wird darauf aber keine Rücksicht genommen.

In allen drei Friedhöfen können Urnen zudem in eigens angelegten Grabstätten der Erde übergeben werden. Urnengräber gibt es im Gemeindeteil Hausen schon ein paar Jahre. In Erbshausen-Sulzwiesen wurden acht Urnengrabstellen neu geschaffen und in Rieden zwölf. Nach wie vor besteht auch die Möglichkeit, Särge und Urnen in den Reihen- oder Wahlgräbern zu beerdigen.

Maßnahmen gegen Kinderarbeit

In die neue Satzung aufgenommen wurde auch das „Verbot von Grabsteinen aus ausbeuterischer Kinderarbeit“. Grabsteine und Grabeinfassungen dürfen nur dann aufgestellt werden, wenn sie nachweislich ohne „schlimmste Folgen von Kinderarbeit im Sinne der internationalen Arbeitsorganisation“ hergestellt wurden. Den Nachweis dafür muss „der Letztveräußerer“, also der Aufsteller des Grabsteins, glaubhaft machen.

„Es war unser Ziel, den veränderten Wünschen der Bürger in Bezug auf die Bestattungsformen gerecht zu werden“, erklärt Bürgermeister Schraud. Dabei sei vor allem die Bitte nach Urnenbestattungen in kleineren Urnengrabstätten und in Form von Baumbestattungen aufgegriffen worden.

Gemeinderat ist erfreut

„Wer bei uns gern unter einen Baum bestattet werden will, muss nicht mehr in einen Friedwald oder auf einen anderen Friedhof ausweichen“, freut sich Gemeinderat Klaus Römert über vor allem über diese neue Bestattungsform in der Gemeinde.

Mehrere Sitzungen, Ortstermine und Besichtigungen hat der „Arbeitskreis Friedhof“ über die vergangenen beiden Jahre abgehalten. Nun hat er seine Arbeit abgeschlossen. „Wir haben alle drei Friedhöfe auf den gleichen Stand gebracht und auf die Zukunft ausgerichtet“, ist die stellvertretende Bürgermeisterin Hannelore Schraut überzeugt.

Neue Sitzbänke

Die bisherigen Kosten für neuen Baumpflanzungen und das Anlegen der Urnengräber beziffert die Gemeinde für alle drei Friedhöfe auf etwa 13 000 Euro. In den Friedhöfen Hausen und Erbshausen sollen demnächst noch Sitzbänke aufgestellt werden.

„Die gemeindlichen Friedhöfe sind insbesondere den verstorbenen Gemeindeeinwohnern als würdige Ruhestätte und zur Pflege ihres Andenkens gewidmet“, heißt es in der neuen Satzung. Mit der einstimmigen Annahme der Friedhofs- und Bestattungssatzung vom 11. Januar 2017 ist die bisherige Satzung der Gemeinde Hausen vom 22. Juli 2010 außer Kraft gesetzt worden.

Der „Arbeitskreis Friedhof“in der Gemeinde Hausen freut sich über das gelungene Werk: (von links) Norbert Rumpel, Klaus Römert, Sieglinde Kirchner, Bürgermeister Bernd Schraud, Ulrike Feser, Karl Erwin Rumpel, Gisela Dürr, die stellvertretende Bürgermeisterin Hannelore Schraut und Bruno Strobel.
Der „Arbeitskreis Friedhof“in der Gemeinde Hausen freut sich über das gelungene Werk: (von links) Norbert Rumpel, Klaus Römert, Sieglinde Kirchner, Bürgermeister Bernd Schraud, Ulrike Feser, Karl Erwin Rumpel, Gisela Dürr, die stellvertretende Bürgermeisterin Hannelore Schraut und Bruno Strobel. Foto: Irene Konrad
Entlang der Friedhofsmauer in Rieden hat die Gemeinde Hausen zwölf Urnengrabstätten angelegt.
Entlang der Friedhofsmauer in Rieden hat die Gemeinde Hausen zwölf Urnengrabstätten angelegt. Foto: Irene Konrad

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