WÜRZBURG

App gegen das Aufgaben-Chaos

Junge Programmierer: Vier Schüler des Deutschhaus-Gymnasiums haben ein digitales Hausaufgabenheft entwickelt – und brauchen sich damit vor großen Entwicklern nicht zu verstecken
Die App ermöglicht, dass ein Schüler für alle die Hausaufgaben einträgt. Foto: Lucas Kesselhut

Was könnte das Schülerleben doch herrlich sein, wenn da nicht die Hausaufgaben wären! Heute ein Aufsatz für den Deutschunterricht, dazu noch Vokabeln für Französisch und die Mathegleichungen sollten irgendwann auch Sinn ergeben. Wie viele Schüler die Sache motiviert angehen, zeigt sich spätestens am nächsten Morgen im Unterricht, wenn immer nur dieselben Finger nach oben schnellen, um die Aufgaben vorzutragen. Aber gäbe es denn nicht einen Weg, etwas dafür zu tun, dass viel mehr Schüler fleißig ihre Hausaufgaben machen?

Die Zehntklässler Benedikt Kainzbauer, Tim Glenz, Leon Höpfl und Michael Brönner vom Würzburger Deutschhaus-Gymnasium wollen dieses Problem lösen. Sie entwickelten eine App, also ein kleines Handyprogramm, welches Abhilfe schaffen soll. Entstanden ist die Grundidee bereits vergangenes Jahr. Der 16-jährige Michael Brönner entschied sich für seine Vertiefungsfacharbeit in der neunten Klasse für die Programmierung einer App. „Ich hab mich einfach gefragt, was die Welt noch so braucht“, scherzt er. Und heraus kam die Idee für ein digitales Hausaufgabenheft.

Aus der Idee wurde dann schnell die erste Version von „School1“. Mit der hat die aktuelle App aber nicht mehr viel gemeinsam. Denn Michael Brönner hat sich seine drei Freunde mit ins Boot geholt und seitdem werkeln sie unter dem Entwicklerstudio „Whirlwind Studios“ immer weiter an dem Programm. Das Handwerkszeug dafür haben sich alle selbst beigebracht. Erfahrungen in dem Bereich bringt jeder von ihnen mit. Leon Höpfl hat beispielsweise schon kleine Videospiele entwickelt.

Einer für alle

Eine Spielerei ist „School1“ aber nicht. Mit dem digitalen Hausaufgabenheft können Schüler ihre Hausaufgaben, Stundenpläne und Termine verwalten, sind mit ihrer Klasse und den Kursen vernetzt. Das bedeutet: Die Hausaufgaben trägt nur ein Schüler für die gesamte Klasse ein, das soll laut der Entwickler Arbeit und Zeit sparen. Das Prinzip lautet: „Einer schreibt?s auf, alle sehen?s!“

In dieser Funktion liege auch das größte Potenzial der App. Denn digitale Hausaufgabenhefte gibt es bereits auf dem Markt, sie heißen beispielsweise „SchulPlaner“ oder „Hausaufgabenheft“. Doch diesen fehlt es an der Synchronisationsfunktion, was die App der vier Jungs somit von der Masse hervorhebt.

Damit die App ihren Zweck erfüllt, müssen Schüler sie natürlich auch nutzen. Momentan geschieht das noch im kleinen Rahmen – etwa 20 aktive Nutzer gibt es. Deswegen möchten die jungen Entwickler die App weiter bekannt machen und den Rektoren an Schulen vor allem die Skepsis nehmen. Denn Handys in der Schule sind nach wie vor ein Aufreger-Thema. Es klingelt im Unterricht, nebenbei wird auf Whatsapp geschrieben und das Bild an der Wandtafel wird abfotografiert statt abgezeichnet – der Horror jedes Lehrers. Doch die jungen Entwickler sind der Meinung, dass das Handy auch pädagogisch genutzt werden sollte. Zumindest bei ihrer Schule, dem Deutschhaus-Gymnasium, stießen sie da auf offene Ohren. „Wir haben wirklich Glück, dass wir solch ein Projekt in unserer Schule umsetzen und nutzen dürfen“, sagt Michael Brönner. Mittlerweile hätten 13 Schulen bereits ihr Interesse an der App bekundet.

Denn ohne die Zustimmung der Schulen ist die Nutzung der App nicht möglich. Beim Registrieren müssen Schüler sie nämlich angeben. „Es heißt ja, Schulen sollen aufs Leben vorbereiten und heute gehört ein Smartphone eben dazu, deswegen sollten sie sich auch damit auseinandersetzen“, findet Benedikt Kainzbauer.

Große Pläne für die Zukunft

„Es waren sehr viele Schritte bis jetzt“, beschreibt Benedikt Kainzbauer die Entwicklung. Doch es gibt für die Jungs noch viel zu tun. Bisher können nur Schüler mit einem Android-Betriebssystem das digitale Hausaufgabenheft nutzen, die Entwickler wollen ihre App aber auch als Web-Version, Microsoft-App und für das iPhone rausbringen. Das ist aber mit sehr viel Zeit, Fleiß und auch Geld verbunden, da es zum Beispiel nicht möglich ist, Apps einfach kostenlos in den Appstore von Apple zu laden. Damit die Kosten gedeckt werden können, haben die vier eine Crowdfunding-Plattform auf Patreon eingerichtet. Der Gedanke dieser digitalen Plattform ist, dass Nutzer ein neues Produkt, was sie besonders interessiert, mit Geldbeträgen unterstützen können, damit es auch realisiert werden kann. „Zwar möchten wir die Kosten decken, Geld wollen wir mit der App aber nicht verdienen“, sagt Michael Brönner.

Geplant sind auch eine neue Website und eine weitere App, die als soziales Netzwerk für Schulen gedacht ist. Denn Michael Brönner und seinem Team ist aufgefallen, dass die Schulen in der Stadt und im Landkreis oft nicht genau wissen, was bei anderen Schulen los ist. „Schüler könnten so zum Beispiel Projekte in das zukünftige Netzwerk setzen und so Schüler aus anderen Schulen finden, die ähnliche Ideen haben“, so Brönner.

Es gibt also noch genügend zu tun für das Team. Ihre Projekte sehen die Schüler als Vorbereitung für das Berufsleben. Als App-Programmierer möchte momentan zwar keiner arbeiten, die Branche an sich finden sie aber sehr gut. Und sollte ihre App dazu führen, dass Schüler fleißiger Hausaufgaben machen, dann wäre das doch der beste Beweis dafür, dass sie in dieser Branche ganz gut aufgehoben sind.

Infos zu dem Projekt gibt es unter www.whirlwind-studios.org, Fragen beantwortet das Team per Mail an whirlwind.devstudios@gmail.com

Die Top-Entwickler von morgen? Auf dem Bild von links nach rechts zu sehen sind die Deutschhaus-Gymnasiasten Michael Brönner, Tim Glenz, Benedikt Kainzbauer und Leon Höpfl. Foto: Fotos (2): Lucas Kesselhut

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