Grombühl

Arbeiten im Rentenalter: Warum Forschen so viel Spaß macht

Immer mehr Rentner arbeiten: Professor Hans Konrad Müller-Hermelink ist auch mit 75 Jahren noch als Seniorprofessor am Pathologischen Institut der Universität aktiv.
Von wegen Ruhestand: Professor Hans Konrad Müller-Hermelink ist Seniorprofessor für Pathologie an der Uniklinik Würzburg. Auch mit 75 Jahren steht er noch im Berufsleben. Foto: Silvia Gralla

Hans Konrad Müller-Hermelink betrachtet die Lymphknoten-Präparate eines 30-jährigen Patienten unter dem Mikroskop. Als Pathologe kann er anhand einer Gewebeprobe bestimmen, wie sehr sich Tumorzellen von gesundem Gewebe der gleichen Herkunft unterscheiden. Diese Arbeit macht er seit 50 Jahren.Als Medizinstudent in Kiel und später als Leiter des Uni-Instituts für Pathologie in Würzburg. Im Laufe der Zeit hat er unzählige Tumoren gesehen, untersucht, bestimmt. Auch mit 75 Jahren macht ihm seine Arbeit genauso viel Spaß wie als junger Mann. 

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Müller-Hermelink ist kein Einzelfall: Immer mehr Rentner in Deutschland arbeiten noch über den Ruhestand hinaus. Im vergangenen Jahr gingen mehr als 220 000 Menschen im Ruhestand einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Fast 900 000 Rentner haben einen Minijob. Mehr als 350 000 Menschen im Alter von 65 bis 74 Jahren waren selbständig. Das geht aus einem Report der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2017 hervor.

Bislang hat der Professor nicht vor, in den Ruhestand zu gehen. Denn die Diagnose von malignen also bösartigen Lymphomen ist für ihn weit mehr als eine Arbeit. Die Universität Würzburg hat er in den 1990er Jahren zum Referenzzentrum für diese Art von Krebs und seine Behandlung ausgebaut. "Lymphome sind sehr schwer zu diagnostizieren, da es viele, leicht verwechselbare Untergruppen in zahlreichen Varianten gibt", sagt er. Für seine Forschung hat er mehrere Preise, unter anderen 2009 den Deutschen Krebspreis bekommen. "Am Anfang meines Studiums war Lymphknotenkrebs ein Todesurteil", sagt er. Heute sind Lymphome je nach Art und Klassifikation zu 90 Prozent heilbar. 

Sein Beruf ist seine Leidenschaft: Der Würzburger Pathologe Hans Konrad Müller-Hermelink ist auch mit 75 Jahren noch berufstätig. Foto: Silvia Gralla

Mit 65 Jahren eine neue Aufgabe

2009 wurde er als Leiter des Pathologischen Instituts verabschiedet. "Aber ich wollte weiter arbeiten", sagt er. Daher hat er sich mit 65 Jahren auf eine völlig neue Stelle beworben und  zwar in Schleswig-Holstein. Er wurde Wissenschaftsdirektor und Vorsitzender des Medizin-Ausschusses der Universitäten Kiel und Lübeck für weitere acht Jahre. 2017 konnte er als Seniorprofessor an seine alte Wirkungsstätte, das Pathologische Institut der Uniklinik in Würzburg, zurückkehren. "Ich habe 50 Jahre Erfahrung in der Diagnostik", erklärt er. Bei schwierigen Fällen wird er von jüngeren Kollegen gerne um Rat gefragt.

Als Seniorprofessor arbeitet er nicht mehr Vollzeit. "Ich stehe etwas später auf als früher und komme etwa vier Stunden am Tag", sagt Müller-Hermelink. "Meine Frau hat mich bei meiner Arbeit immer voll unterstützt", sagt der rüstige Seniorprofessor. Zusammen sind sie Eltern von sechs Kindern und Großeltern von 17 Enkeln. Gut, dass er sich seine Arbeitszeit nun frei einteilen kann. Wenn er mal einige Tag fehlt, ist es auch nicht schlimm. "Für mich ist meine Arbeit eine absolut interessante Tätigkeit und daher empfinde ich sie auch nicht als anstrengend", erklärt er.   

Seniorprofessor: Lockerung der Ruhestandsregeln wäre wünschenswert

Auch als Autor arbeitet der 75-Jährige: In diesem Jahr sind zwei Bücher, ein diagnostisches Handbuch der Hämopathologie und ein Pathologie Lehrbuch erschienen, die er als Hauptherausgeber und Autor betreut hat. Ideen hat er noch viele: "Man kann bei dieser Arbeit immer wieder etwas Neues finden", sagt er. Wenn er mal nicht arbeitet, geht er mit seiner Frau auf Reisen und er singt im Chor von Sankt Stephan in Würzburg. "Die Ruhestandsregelungen in Deutschland sind viel zu streng", sagt er und wünscht sich, dass sich das ändert. "Das Wissen der Älteren ist ein großes Kapital. Wir sollten das nutzen und weitergeben." 

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