Arcaden-Projekt vorerst geplatzt

Würzburg - Mit einer knappen Mehrheit haben die Würzburger am Sonntag beim Bürgerentscheid gegen das Arcaden- und Bahnhofsprojekt gestimmt. Das Auszählen war für Gegner und Befürworter eine Zitterpartie. Die Wahlbeteiligung lag mit über 43,3 Prozent überraschend hoch.

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Obermeier/ Luisengarten, Bürgerinitiative Foto: Obermeier

Es war ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Erst nachdem etwa zwei Drittel der 78 Stimmbezirke ausgezählt waren, verfestigte sich der Trend zu Gunsten der Arcaden-Gegner.

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Das vorläufige Endergebnis: 21 626 Bürger stimmten für das Bürgerbegehren gegen die Arcaden und 21 376 für das Ratsbegehren pro Arcaden/Bahnhof. Weil somit beide Bürgerentscheide mehr Ja- als Nein-Stimmen verzeichneten und gleichzeitig ihre Zehn-Prozent-Quoren locker schafften, entschied die Stichfrage: 20 010 Stimmen für Arcaden, 20 995 dagegen. Projekt abgelehnt. Gebannt hatten im Ratssaal Vertreter von CSU und Grünen, vom Einzelhandelsverband, der Pro-Bürgerinitiative und natürlich vom Arcaden-Investor mfi die Auszählung verfolgt.

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Arkaden Foto: Schwarzott
Die ersten Stimmbezirke gaben den Befürworten Grund zur Zuversicht. Ab dem 14. Bezirk jedoch kippte die Mehrheit leicht aber beständig zu Gunsten der Arcaden-Gegner.

Das Endergebnis stand erst um 2042 Uhr fest. Dann musste auch mfi-Projektleiter Klaus-Martin Callhoff die Niederlage eingestehen. Die mfi wolle die alten Posthallen in jedem Fall verwerten, sagte er. Nun müsse man zunächst mit der Stadt und der Bahn über alternative Lösungen und das weitere Vorgehen beraten. Dagegen hofft Raimund Binder, Sprecher der Bürgerinitiative "Ringpark in Gefahr", dass sich mfi aus Würzburg zurückzieht.

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Arkaden Foto: Obermeier
Er zeigte sich überglücklich angesichts der "Gemeinschaftsleistung von Bürgern, Vereinen und Parteien". Ob die Bürgerinitiative mögliche Planungen für ein Einkaufszentrum auf dem Mozartareal unterstützen wird, ließ er gestern Abend offen. Oberbürgermeisterin Pia Beckmann erklärte: "Ich freue mich über die hohe Wahlbeteiligung." Diese war mit 43,3 Prozent sogar ein Prozent höher als bei der Stichwahl um das Bürgermeisteramt 2002. Laut Beckmann zeige das knappe Ergebnis, dass die Bürger genauso gespalten sind, wie es der Stadtrat war.

Dem städtischen Projektleiter Peter Wiegand, der seit Jahren die Planungen um den Bahnhof vorantreibt, war die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. "Offensichtlich haben wir es nicht geschafft, unsere Argumente hinreichend der Öffentlichkeit zu vermitteln", befand er selbstkritisch. "Die demokratische Entscheidung der Bürger ist zu respektieren, jetzt müssen wir uns damit sachlich auseinandersetzen," sagte Stadtbaurat Christian Baumgart.

Wie es am Bahnhof weiter geht, konnte gestern im Ratssaal niemand beantworten.

Sicher scheint, dass die Bahn den Bahnhof nicht sanieren wird, wenn sie keine zusätzlichen Einzelhandelsflächen am Bahnhof von der Stadt genehmigt bekommt. Wird es statt am Bahnhof vielleicht am Mozart-Areal ein Einkaufszentrum geben? Oberbürgermeisterin Beckmann: "Das wird man sehen. Bislang wollte der Stadtrat dort Wohnbebauung verwirklichen." An den von den Arcaden-Gegnern als bessere Alternative genannten Mozart-Areal haben ebenfalls Projektentwickler von großflächigem Einzelhandel Interesse. Allerdings ist auch dieser Standort hinsichtlich Verkehr oder Denkmalschutz nicht unbedenklich.

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