Würzburg

"Ariel": Eine Literatur-Zeitschrift aus Würzburg in die Welt

Kunst und Literatur in eine Zeitschrift packen und dazu noch Künstlern aus der ganzen Welt eine Plattform bieten: Das möchten zwei Würzburger mit der Zeitschrift "Ariel".
Ariel ist die erste multilinguale Zeitschrift für Literatur und Kunst aus Deutschland und bietet bekannten und noch nicht bekannten Autoren ein Forum für Literatur und Kunst. Die beiden Herausgeber Amadé Esperer und Anita Tschirwitz. Foto: Thomas Obermeier

Autoren und Künstlern international eine Plattform bieten. Dies möchten die beiden Würzburger Amadé Esperer und Anita Tschirwitz ermöglichen. Hierfür haben sie eine multilinguale Zeitschrift für Literatur und Kunst entwickelt. Im Gespräch verraten sie, was das Besondere von "Ariel" ist und welche Künstler sie speziell ansprechen.

Frage: Was genau kann man sich unter einer multilingualen Literatur- und Kunstzeitschrift vorstellen?

Amadé Esperer: Ariel bietet Autoren aus aller Welt ein Forum, um ihre Werke mehrsprachig einem weltweiten Publikum bekannt zu machen. Im Editorial-Board sitzen auch namhafte Dichter und Künstler aus den unterschiedlichsten Ländern, wie etwa Australien, Indien, Israel, Italien, Kamerun, Peru oder USA. In Zeiten von Globalisierung und Internationalisierung ist es eminent wichtig, dass die Kulturen miteinander ins Gespräch kommen. Und wie könnte das besser gelingen, als über Lyrik und Kunst? Ariel will ein Fenster sein in die geheimnisvollen Gärten unbekannter Literaturen und Kulturen. Das Besondere von Ariel ist, dass die Texte sowohl in der Muttersprache der Autoren, als auch auf Englisch erscheinen. Somit ist größtmögliche Lesbarkeit garantiert.

Wie kamen Sie auf die Idee, eine solche Zeitschrift ins Leben zu rufen?

Esperer: Die Idee hatte ich schon 2014. Schon damals wollte ich eine Zeitschrift solcher Art machen, allerdings mit einer stärkeren Betonung zu Würzburg. Da verschiedene Mitherausgeber allerdings der Meinung waren, dass dies zu lokal sei, haben wir uns etwas anderes überlegt. Dann kam mir Ariel in den Sinn. 

Woher kommt der Name "Ariel"?

Esperer: Ich hatte mich während der Namensfindung stark mit der Schriftstellerin Sylvia Plath beschäftigt. Und da ihr zweiter und letzter Lyrikband "Ariel" heißt, wollte ich darauf Bezug nehmen. Außerdem heißt "Ariel" im hebräischen "der Löwe Gottes" und damit kann man bestimmt nichts falsch machen, da wir unter anderem ja auch einen israelischen Mitherausgeber haben.

Die beiden Herausgeber von "Ariel" im Gespräch mit Redakteurin Sophia Scheder. Foto: Thomas Obermeier
Das Konzept ist multilingual. Wer übersetzt die Texte?

Esperer: Lyrik ist schwer zu übersetzen, deshalb wollen wir uns das nicht selber als Aufgabe machen, das müssen die Künstler selber machen. Um das Prinzip der Multinationalität abdecken zu können, haben wir auf jedem Kontinent mindestens einen Mitherausgeber. Und diese liefern uns auch die Texte in der Originalsprache sowie auf Englisch. Außerdem sind sie auch dafür zuständig, die Zeitschrift in ihren Ländern zu verbreiten sowie Autoren zu akquirieren.

Die Zeitschrift erscheint zwei Mal im Jahr als Print-Version sowie monatlich als Online-Ausgabe. Unter welchen Kriterien wird ausgewählt, welche Texte auch in Print erscheinen?

Esperer: Die Gedichte müssen originell sein und zweisprachig eingereicht werden. Einen Themenschwerpunkt gibt es in der Online-Ausgabe nicht, nur in der Print-Version. In unserer ersten Ausgabe heißt das Thema beispielsweise "Erotik der Frucht". Trotzdem können auch freie Texte eingereicht werden. 

Tschirwitz: Genau, ganz festlegen wollen wir uns da nicht. Sonst gibt es ungewollt Fesseln, die in der Kunst nichts zu suchen haben. 

Da Ariel eine Literatur- und Kunstzeitschrift ist, wird es also auch einen Kunstteil geben?

Tschirwitz: Genau, und da möchten wir keinerlei Vorgaben machen - sei es Malerei, Fotografie oder Objektdarstellungen. Einzige Voraussetzung ist, dass es natürlich ein gewisses Niveau haben sollte. Trotzdem wenden wir uns nicht speziell an Berufskünstler, es dürfen auch ambitionierte und gute Semiprofessionelle mitmachen. Jeder kann seine Arbeiten einreichen.

Warum braucht gerade Würzburg so eine Zeitschrift?

Esperer: Erstens, weil es in unserer Stadt so etwas noch nicht gibt. Und zweitens, da es auch eine lokale Rubrik in der Zeitung gibt. Eine Besonderheit der Internetversion ist die Rubrik "Flight Poetry", wo nach Deutschland geflüchtete Autoren und Autorinnen eine Möglichkeit haben, sich kreativ mit Texten und Kunstwerken einzubringen. Wir denken, dies ist eine wunderbare Möglichkeit Integration voranzubringen. Dieses Projekt geschieht in Zusammenarbeit mit der Stadt Würzburg.

Auf was können sich die Leser von Ariel in der ersten Ausgabe freuen?

Esperer: Das Thema der ersten Print-Ausgabe wird wie gesagt "Erotik der Frucht" lauten. Hierzu gibt es verschiedene Gedichte und sogar ein Essay. Auch von uns selber werden Werke zu lesen und sehen sein. Außerdem haben wir Künstlerinnen aus Schweinfurt und Lohr miteingebracht. 

Die Ariel-Premier findet am 25. März im Internet statt. Ab 12 Uhr kann man unter www.ariel-art.com die Internet-Version der Zeitschrift lesen. Ariel wird als Print- und als Internet-Version herausgegeben von der gemeinnützigen Literaturvereinigung LitPro Würzburg. Die Print-Version kostet 19 Euro und wird im Buchhandel erhältlich sein.

Über die beiden Herausgeber
Amadé Esperer ist ein deutscher, mehrsprachiger Dichter, Essayist, Literaturübersetzer und Herausgeber. Zusammen mit der Künstlerin Anita Tschirwitz gründete er das mehrsprachige Literatur- und Kunstmagazin Ariel. Er hat zahlreiche Gedichtbände veröffentlicht und gilt als Experte für moderne und zeitgenössische europäische, nordamerikanische und hebräische Lyrik. Unter anderem hat er das Spätwerk von Yehuda Amichai übersetzt und in zwei Anthologien und mehreren Aufsätzen veröffentlicht. Für diese Arbeit wurde er mit dem Simon Höchheimer Preis ausgezeichnet. Derzeit übersetzt er Gedichte von Louis MacNeice, der in Deutschland weitgehend unbekannt ist und über den er einen Aufsatz für diese Ausgabe von Ariel geschrieben hat.
Anita Tschirwitz' Leidenschaft gilt umfassend den Schönen Künsten. Die Künstlerin hat klassischen Gesang studiert und unterrichtet seit Jahrzehnten die Fächer Gesang und Klavier. Parallel dazu besteht ihre Leidenschaft für die Bildende Kunst, mit der sie sich nunmehr auch schon seit Jahrzehnten befasst. Seit etwa 15 Jahren ist sie außerdem als Lyrikerin aktiv. In Wipfeld hat Tschirwitz ein Atelier und ist dort außerdem im Arbeitskreis des Literatushauses tätig. 

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