RANDERSACKER

Artenschutz im Main zeigt Wirkung

Der Strom des elektrischen Fanggeräts zieht Fische wie magisch an und macht sie für kurze Zeit bewegungsunfähig. Zeit genug für Fischwirtschaftsmeister Matthias Scheffner und seinen Auszubildenden Fabian Maurer, Art und Größe zu bestimmen. Foto: Gerhard Meißner

Wie von Geisterhand angezogen, zappeln die kleinen Fischchen in den Kescher von Matthias Scheffner. In einer brusthohen Gummihose stapft der Fischwirtschaftsmeister gemeinsam mit seinen Mitarbeitern durch den Umgehungsbach an der Randersackerer Staustufe. Sein elektrisches Fanggerät lockt sämtliche Fische aus ihren Verstecken und macht sie für kurze Zeit willenlos. Zeit genug, um Art und Größe zu bestimmen und ihnen danach die Freiheit zurückzugeben. Wolfgang Silkenat, Fischereifachberater beim Bezirk Unterfranken, führt akribisch Buch darüber.

Die regelmäßigen Probebefischungen geben Aufschluss über den Zustand des Lebensraums Main und das Vorkommen der unterschiedlichen Fischarten. Sie sind ein Beitrag zum Artenschutz in einer Welt, die immer mehr vom Einfluss des Menschen dominiert wird. Die Großschifffahrt, der Kraftwerksbetrieb in den Staustufen und neue natürliche Konkurrenz machen der heimischen Fischfauna das Leben schwer. Zumindest einiger dieser Einflüsse scheint sich die Natur erfolgreich erwehren zu können.

Die Natur steuert erfolgreich gegen

Als Katastrophe für den Main galt vor wenigen Jahren die Schwarzmundgrundel, die im Gefolge der Schifffahrt aus dem Donauraum in den Main zugewandert ist. Neben anderen nimmersatten Neuankömmlingen wie Waller und Kormoranen schien der gefräßige Laichräuber die natürliche Vermehrung der Fischbestände zu bedrohen.

Inzwischen haben heimische Raubfische den bis zu 20 Zentimeter langen Fisch als Beute entdeckt, so Wolfgang Silkenat. Die anfangs explosionsartige Vermehrung der neuen Art scheint seither merklich gebremst. „Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, wie es der Natur gelingt, gegenzusteuern“, sagt Silkenat.

Der Barsch profitiert von der Grundel-Schwemme

Vor allem der Barsch, ein beliebter Speisefisch, hat davon profitiert. „So große Barsche wie heute haben wir lange Zeit nicht mehr im Main gehabt“, bestätigt Hubert Holl, Obermeister der Fischerzunft Randersacker und lange Zeit Obmann der Berufsfischer im unterfränkischen Fischereiverband.

Gemeinsam mit den Mitgliedern seiner Zunft engagiert er sich seit Jahrzehnten dafür, das Interesse der Öffentlichkeit an der Fischerei wach zu halten. Der alljährliche Fischmarkt im Oktober, den die Fischer vor inzwischen fast 40 Jahren wiederbelebt haben, ist ein Zeichen dafür.

Auf neue Einflüsse einstellen kann sich die Natur aber nur, wenn die natürliche Vermehrung der Bestände gesichert ist, warnt Hubert Holl. Negativen Einfluss darauf hat die Großschifffahrt, die die Wasserstraße inzwischen rund um die Uhr befährt. Beim Mainausbau waren deshalb gezielt Ruhe- und Laichzonen in den Altwassern und Buhnenfeldern geschaffen worden. Doch auch dort geraten die Bestände zunehmend unter Druck, sagt Fischereipräsident Thomas Hartmann.

Unvernünftige Freizeitkapitäne

Vor allem die Freizeitkapitäne, die mit ihren Sportbooten die Nebengewässer befahren, bereiten Hartmann Sorgen. Deren Wellenschlag reicht aus, um die Fischeier vom Laichkraut loszureißen oder ans Ufer werfen, wo sie vertrocknen. Nur ein kleiner Teil der Sportbootfahrer halte sich nicht an Schutz- und Schonzonen, sagt Hartmann. Der Schaden, den sie anrichten, sei aber umso größer.

Im Sommer haben die Fischer deshalb den Bezirkstagspräsidenten Erwin Dotzel bei einer Bootsfahrt auf dem Main begleitet. Adressat für die Anliegen der Fischer ist Dotzel vor allem deshalb, weil der Bezirk Unterfranken mit der Fachberatung und seinem Teichbetrieb bei Maidbronn einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leistet. Während gewerbliche Teichbetriebe vorwiegend wirtschaftlich interessante Speisefische vermehren, züchtet man in Maidbronn gezielt die weniger beliebten Weißfischarten nach.

Gezielter Besatz und Hege zeigen Wirkung

Der gezielte Besatz und die weiteren Hegemaßnahmen zeigten Wirkung, sagt Fachberater Wolfgang Silkenat. Alle 38 im Main vorkommenden Fischarten seien noch nachweisbar, wenngleich nicht mehr in der Zahl wie noch vor Jahrzehnten. Zwölf davon sind Matthias Scheffner bei der Probebefischung im Randersackerer Umgehungsbach ins Netz gegangen, vor allem kleinere Arten wie Rotauge, Hasel oder Nervling.

Durch die inzwischen messbare Klimaerwärmung werde sich das Artenspektrum in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich zu Gunsten wärmeliebender Arten verschieben, sagt Silkenat. Ein neue Herausforderung, der sich die Natur stellen muss.

Fischmarkt Randersacker

Die Fischerzunft Randersacker lädt am Samstag, 21. Oktober, von 9 bis 13 Uhr zum Fischmarkt auf den Flecken, den zentralen Dorfplatz von Randersacker. Nach Kundenwunsch werden Karpfen, Forellen, Schleien, Zander, Waller und Weißfische frisch geschlachtet und küchenfertig hergerichtet. Außerdem gibt es Forellen direkt aus dem Räucherofen, frittierte Meefischli und Weißfischfilets sowie weitere Fischspezialitäten und Federweißen. Musikalisch unterhält die Musikkapelle Randersacker.
Fischereifachberater Wolfgang Silkenat führt akribisch Buch über die im Umgehungsbach an der Staustufe Randersacker gefa... Foto: Gerhard Meißner

Schlagworte

  • Randersacker
  • Ochsenfurt
  • Gerhard Meißner
  • Artenschutz
  • Erwin Dotzel
  • Thomas Hartmann
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0

Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!