Würzburg

Artensterben: Welche Tiere um Würzburg herum verschwinden

Dass die Artenvielfalt nicht nur am Amazonas gefährdet ist, zeigt ein neu erschienenes Buch. Autor Frank Schröpfer appelliert für mehr Naturschutz im Landkreis Würzburg. 
Der kleine König des Waldes: Ein wunderbares Portrait ist Frank Schröpfer von einem Hirschkäfer gelungen. Foto: Frank Schröpfer

Knapp 300 Sei­ten über Tie­re und ih­re Le­bens­räu­me im Südosten Würzburgs hat Frank Schröpfer für sein neu­es Buch zu­sam­men­ge­s­tellt. "Der Schatz vor unserer Haustür - Naturwunder im Südosten Würzburgs" heißt das schön gestaltete Werk, das sachliche Fakten und wunderschöne Bilder vereint. Wer es in der Hand hält ist überrascht, wie viele gefährdete Weichtiere, Insekten, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere um Würzburg herum leben. Weniger überraschend ist leider, dass die meisten dieser Tierarten weiterhin vom Aussterben bedroht sind und ihre Lebensräume immer seltener werden.

"Ich beobachte schon lange, wie wenig Lebensraum den Tieren in unseren Wäldern und unseren Fluren bleibt."
Buchautor Frank Schöpfer

Der Autor Frank Schröpfer ist kein Biologe. Er ist ein besorgter Naturliebhaber. Seit seinem 15. Lebensjahr ist er – oft mit Zelt und Rucksack – in Franken unterwegs. Jahrelang hat er Fotos gemacht und archiviert, Informationen gesammelt und systematisiert. "Ich beobachte schon lange, wie wenig Lebensraum den Tieren in unseren Wäldern und unseren Fluren bleibt," sagt Schröpfer. Der 49-Jährige ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in Partenstein im Landkreis Main-Spessart. In Lohr arbeitet der Elektrotechniker seit über 30 Jahren bei Bosch Rexroth.

In mehreren Bänden hat Schröpfer bereits "Naturwunder" in Spessart, Rhön und anderen Regionen thematisiert. Mit seinem Büchern will er etwas bewirken. "Mein Antrieb ist, auf den Artenschwund aufmerksam zu machen. Das Gefühl für unsere Lebensgrundlagen geht in der heutigen Zeit immer mehr verloren", sagt er. Nachrichten wie das Bienensterben oder die Nitratbelastung der Böden lassen ihm keine Ruhe.

Die Liebe zur Natur hat er schon als Kind entwickelt. Er war und ist viel draußen unterwegs, wie er erzählt. Foto: Kerstin Schröpfer

So leben zum Beispiel auf den Feldern im ländlichen Speckgürtel um Würzburg herum bis zum Steigerwald die extrem selten gewordenen Feldhamster aber auch die Wiesenweihe. "Die Wiesenweihe galt in den 1990er Jahren in Bayern als so gut wie ausgestorben. Der Getreidebrüter konnte aber in den unterfränkischen Gäuenlandschaften aufgrund umfangreicher Artenschutzmaßnahmen, wie sie etwa die LBV-Kreisgruppe Würzburg beim Brutschutz durchgeführt hat, wieder zahlreicher werden", weiß Schröpfer. Auch ein anderer Vogel, der Ortolan, steht auf der "Roten Liste", hat aber im Südosten von Würzburg noch gute Bestände. Schröpfer: "Durch das Fällen alter Obstbäume wird ihm in letzter Zeit das Leben unnötig schwer gemacht."

Feuersalamander, Laubfrosch und Wechselkröte

Auch seltene Amphibien leben in der Region. Der Bestand des streng geschützten Laubfrosches nimmt ab. Aber auch Feuersalamander, Wechsel- und Knoblauchkröte werden immer weniger. "Der Artenrückgang findet immer noch statt," sagt Autor Schröpfer. Einige gute Nachrichten gibt es aber auch: So erfährt man im Buch, dass es wieder mehr Biber, große Mausohr-Fledermäuse oder Uhus im Südosten Würzburgs gibt. 

Die Daten für die Bestände der gefährdeten Tierarten hat Schröpfer vom Umweltbundesamt. Weitere Infos stammen von der Technischen Universität München, dem Landesbund für Vogelschutz und dem Bund Naturschutz. Viele Fotos hat Schröpfer bei seinen Streifzügen durch Franken selbst gemacht. "Aber gerade die ganz seltenen Tiere habe ich natürlich nicht vor die Linse bekommen", sagt Schröpfer. Hier hat er Fotos von Experten genutzt. 

Der Rotmilan ist der größte Greifvogel der Region. Foto: Frank Schröpfer

Vor allen von diesen faszinierenden Bildern lebt das Buch: exzellente Tieraufnahmen und eindrucksvolle Darstellungen ihrer Lebensräume. Außerdem besticht es durch seine Optik, umfangreiche Informationen und einen systematischen Aufbau. Zudem sind die knapp 300 Seiten sehr übersichtlich gestaltet. Leser sollen sich nach einem einführenden Teil schnell zurechtfinden, wenn sie sich über eine seltene heimische Tierart informieren wollen, so das Konzept des Autors.

Ein Nachschlagwerk oder ein Fotobuch

So beschreibt er typische Bewohner der Region ebenso wie sogenannte Schlüsseltierarten, da deren Bestände genauer erfasst und ausgewertet werden. Jedem Tier – vom Skabiosen-Scheckenfalter über den Nashornkäfer bis zur schmalen Windelschnecke – ist eine Doppelseite gewidmet.

Man kann das Buch traditionell von vorne her lesen, es als Nachschlagewerk nutzen oder einfach darin herumblättern. Die Auswirkungen von Land- und Forstwirtschaft auf die Natur werden ebenso thematisiert wie die nationale Biodiversitätsstrategie und die Defizite bei ihrer Umsetzung vorgestellt.

Das Buch "Naturwunder im Södosten Würzburgs" zeigt die Schönheiten der Natur im südlichen Landkreis und im Steigerwald.     Foto: Frank Schröpfer

Am Ende kennt der Leser die Tiere und Lebensräume des südlichen Landkreises bis zum Steigerwald, für die man eine besondere Verantwortung trägt. Der Naturfreund Schröpfer hofft, dass er die Menschen mit seinem Buch dafür sensibilisiert und auch motiviert, selbst raus zu gehen um das Leben, das uns umgibt, neu zu entdecken.

Das Buch "Naturwunder im Südosten Würzburgs - Der Schatz vor unserer Haustür" ist im Eigenverlag erschienen, hat 290 Seiten und kostet 29 Euro. Fünf Prozent des Verkaufspreises gehen zu gleichen Teilen an den Bund Naturschutz und den Landesbund für Vogelschutz. Es ist im Buchhandel, zum Beispiel bei den Buchhandlungen Hugendubel und Schöningh, erhältlich oder per E-Mail vom Autor (frank@schroepfer-net.de). Dort gibt es auch die bereits erschienenen Bände über Spessart, Rhön, Fichtelgebirge und Altmühl-Tauber.   

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