Rottendorf

Auf der Suche nach Ausgleichsflächen für den Feldhamster

Hier ist garantiert kein Feldhamster unterwegs: das bereits abgeräumte frühere Firmengelände einer Gärtnerei bildet den südlichsten Teil des Baugebiets Foto: Christian Ammon

Auf der Tagesordnung im Gemeinderat Rottendorf schien der in einem ultimativen Ton gehaltene Antrag der Bürgerlichen Wahlgemeinschaft (BWG), die "schnellstmögliche Erschließung" des ersten Bauabschnitts des Baugebiets Sand West in Angriff zu nehmen, einiges an Sprengstoff zu bergen. In der Sitzung blieb es jedoch ruhig. Nachdem Vermessungsdirektor Emil Fischer in einem kurzfristig anberaumten nicht-öffentlichen Vortrag die aktuelle rechtliche Lage erläutert hatte, stellte der BWG-Fraktionsvorsitzende Volker Hauck ohne Zögern den Antrag, den Tagesordnungspunkt wieder zu streichen. Auf Nachfrage erklärte er, dass wohl eine Lösung in Sicht sei und sich darum der Antrag vorerst erledigt habe, schob aber hinterher: "Wenn sich nichts tut, liegt er wieder auf dem Tisch."

Die überraschende Bewegung in die Angelegenheit hatte ein Schreiben des bayerischen Umweltministeriums von September 2018 gebracht. Darin erklärt es auch den Abschluss von Pachtverträgen als gültiges Mittel, um Ausgleichsflächen vor allem für das betroffene Vorkommen an Feldhamstern zu schaffen. Bisher war dies nur bei einem Erwerb des Grundstücks oder der Festhaltung einer Dienstbarkeit der Fall. Dies erleichtert auch nach Ansicht von Hauck die Suche nach geeigneten Flächen deutlich. Ein Landwirt sei eher bereit, seine Fläche zu verpachten als zu verkaufen. Auch Bürgermeister Roland Schmitt betonte, dass damit der Spielraum zunehme. Ihn ärgert jedoch der Vorstoß der BWG. Das Thema habe für die Verwaltung oberste Dringlichkeit und sie arbeite, wenn auch nach außen weniger publikumswirksam, intensiv daran, die nötigen Flächen auszuweisen.

Die Aufgabe ist jedoch nicht ganz einfach: Die ursprünglich geplanten, unmittelbar angrenzenden Äcker wurden von der Naturschutzbehörde der Regierung als ungeeignet abgelehnt. Auch sind für das gesamte Baugebiet sieben Hektar an Ausgleichsfläche nötig. Diese muss zudem als geschlossenes Stück und mit entsprechender für den Feldhamster geeigneter Bodenbeschaffenheit ausgestattet sein. Allerdings ist es nicht zwingend nötig, dass sich die Fläche auf Rottendorfer Gemarkung befindet. Dies ist ein Ergebnis des Feldhamster-Konzepts, das Rottendorf gemeinsam mit der Allianz Würzburger Norden ausgearbeitet hat. Ohne Ausgleichsflächen ist es weder möglich, einen rechtskräftigen Bebauungsplan im südlichen Teil des Baugebiets aufzustellen noch in das Umlegungsverfahren einzusteigen.

Die BWG begründet ihren Antrag damit, dass auf dem freien Markt für junge Familien kaum erschlossenes Bauland zur Verfügung stehe. Sie fürchtet nun den "negativen Trend", dass bauwillige Familien Rottendorf verlassen und in Nachbargemeinden abwandern.

Hier soll das Baugebiet entstehen Foto: Christian Ammon

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