GIEBELSTADT

Auf der Suche nach der optimalen Trasse

Einige hundert Bürger nutzten in Giebelstadt die Gelegenheit sich über den möglich Verlauf der SuedLink-Trasse zu informieren.
Einige hundert Bürger nutzten in Giebelstadt die Gelegenheit sich über den möglich Verlauf der SuedLink-Trasse zu informieren. Foto: Gerhard Meißner

Die Höchstspannungskabel von SuedLink zwischen der Nordseeküste und den süddeutschen Industriezentren sollen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch durch den Landkreis Würzburg verlaufen. In Giebelstadt hatte Netzbetreiber Tennet zu einem Informationsforum eingeladen, um das Vorhaben in allen Details zu erläutern, und um noch vor der eigentlichen Planungsphase gemeinsam mit Bürgern und Kommunen den Trassenverlauf optimieren zu können.

Einige hundert Besucher sind in die Giebelstadter Mehrzweckhalle gekommen, wo rund zwei Dutzend Tennet-Mitarbeiter an verschiedenen Ständen das Projekt erläuterten – von den rechtlichen und planerischen Grundlagen bis hin zu technischen Details. Unter den Gästen viele Bürgermeister und Kommunalpolitiker.

Bisher sind nur die 1000 Meter breiten Untersuchungskorridore für die spätere Kabeltrasse bekannt. Ihr Verlauf orientiert sich an Flüssen, Mittelgebirgen und bekannten, großflächigen Schutzgebieten.

Im bevorstehenden Planungsauftrag an die Bundesnetzagentur und dem anschließenden Planfeststellungsverfahren wird diese Grobplanung bis auf die spätere, maximal 25 Meter breite Trasse verfeinert.

Weil man Konflikte möglichst von vorne herein ausschließen will, sei es wichtig zu erfahren, wo diese Erdkabel-Trasse eventuell mit geplanten Bau- und Gewerbegebieten oder anderen Interessen kollidieren könnte, sagt Michael Roth von Tennet. In seinem Eingangsstatement zu den angebotenen Vorträgen machte Roth auch klar, warum SuedLink gebaut werden soll. „Während es bei der Erzeugung erneuerbarer Energien gut vorangeht, sieht es bei dem für die Energiewende notwendigen Netzausbau ganz anders aus“, so Roth.

Der Transport von Windstrom aus der Nordsee nach Süddeutschland sei nur ein Aspekt der SuedLink-Leitung. Genausogut funktionieren die Kabel in die umgekehrte Richtung, etwa wenn im Norden Flaute herrscht und im Süden in Photovoltaik-Anlagen mehr Strom produziert wird, als verbraucht werden kann. Von großer Bedeutung ist außerdem die Stabilität des vorhandenen Wechselstrom-Hochspannungsnetzes, die durch die dezentrale Einspeisung von erneuerbarem Strom zunehmend in Gefahr gerät.

Eine Milliarde Euro wenden die deutschen Netzbetreiber jährlich für Maßnahmen der Netzstabilisierung auf, so Roth weiter. Und der Betrag soll in den kommenden Jahren bis auf vier Milliarden Euro ansteigen. Weil der transportierte Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt und zielgenau ins vorhandenen Netze eingespeist wird, liefere SuedLink diese Stabilisierung quasi gleich mit. Das unterstreiche zusätzlich den volkswirtschaftlichen Nutzen der schätzungsweise 15 Milliarden Euro teuren Gleichstrom-Verbindung.

Rückdeckung erfahren die Planungen von Landrat Eberhard Nuß. In einem kurzen Redebeitrag bedankte er sich für die Offenheit und frühzeitige Information, mit der Tennet in den Dialog mit der Öffentlichkeit tritt. „Es geht hier um ein Projekt zur Vervollständigung der Energiewende, die wir alle wollen“, so Nuß. Und auch Grünen-Kreisrätin Karen Heußner stellt sich hinter SuedLink. „Wir brauchen diese Leitung, um den erneuerbaren Strom, den wir produzieren, vernünftig verteilen und das Netz stabil halten zu können“, sagt sie.

Größer sind die Bedenken auf Seiten der Landwirtschaft. Von der Kabeltrasse betroffene Grundstückseigentümer sollen eine einmalige Entschädigung enthalten, bemessen nach dem Wert ihrer Flächen. Der Bauernverband (BBV) spricht sich stattdessen für eine fortdauernde Zahlung aus. Durch die Verlegung der Erdkabel in eine Tiefe von rund zwei Metern werde der Boden aber nachhaltig geschädigt, sagt BBV-Kreisobmann Hermann Brell.

Es dauere viele Jahre bis sich die natürliche Wasserversorgung des Bodens wieder eingestellt hat. Ertragseinbußen seien die Folge. Brell wären Freileitungen deshalb lieber als Erdkabel.

Großen Raum nahm in der Veranstaltung die achtwöchige Beteiligungsphase ein, bei der Bürger die Möglichkeit haben, über eine Online-Plattform Hinweise zur Optimierung der Kabel-Korridore einzureichen. Über das Internet erhalten Nutzer während dieser Phase freien Zugang zum Geo-Informations-System GIS. Dort sind nicht nur die Korridore ersichtlich, sondern auch die bereits berücksichtigten Hindernisse zu Siedlungsräumen, Schutzgebieten und bereits überplante Vorranggebiete. Bis zum 29. November können Bürger dort noch ihre persönlichen Hinweise abgeben.

Die Online-Beteiligung zur SuedLink-Planung finden Sie im Internet unter www.suedlink.tennet.eu.

SuedLink

Aus zwei Leitungstrassen besteht SuedLink. Sie sollen von der Nordsee bis ans Umspannwerk Grafenrheinfeld auf einer gemeinsamen Stammstrecke geführt werden. Dort zweigt eine Leitung nach Großgartach bei Heilbronn ab, die je nach endgültiger Variante entweder durch den westlichen oder den südlichen Landkreis Würzburg verläuft.

Eine Leitung besteht jeweils aus vier Erdkabeln und kann bei einer Spannung von 320 000 Volt eine Leistung von bis zu zwei Gigawatt, also zwei Millionen Kilowatt, übertragen. Eine neue Kabelvariante kann sogar 520 000 Volt übertragen. Wenn sie sich in der Praxis bewährt, würde eine Kabelpaar pro Trasse ausreichen.

Die Kabel haben einen Durchmesser von rund 15 Zentimetern und enthalten einen Aluminiumleiter mit einem Querschnitt von 2500 Quadratmillimetern. Auf der 600 Kilometer langen Strecke gehen rund fünf Prozent der Leistung verloren. Bei Wechselstrom betrüge der Übertragungsverlust ein Vielfaches davon. MEG

Die Erdkabel für SuedLink, wie sie auch bei der Informationsveranstaltung von einem Tennet-Mitarbeiter in Giebelstadt vorgestellt wurden, enthalten einen Leiter aus Aluminium. Sie sind in der Lage, eine Gleichspannung von 320 000 Volt mit einer Leistung von bis zu zwei Gigawatt zu übertragen.
Die Erdkabel für SuedLink, wie sie auch bei der Informationsveranstaltung von einem Tennet-Mitarbeiter in Giebelstadt vorgestellt wurden, enthalten einen Leiter aus Aluminium. Sie sind in der Lage, eine Gleichspannung von 320 000 Volt mit einer Leistung von bis zu zwei Gigawatt zu übertragen. Foto: Gerhard Meißner

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