WÜRZBURG

Auf der Wanderbank sein Leben erzählen

Ausstellung der Bahnhofsmission: Eröffnet wurde sie von Sparkassenchef Bernd Fröhlich (links) und Fördervereinschef Helmut Fries. Foto: Th. Müller

„Kann das funktionieren?“ Nicht nur Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake war skeptisch, als das Projekt „Wanderbank“ der Würzburger Bahnhofsmission vor einem Jahr startete. Doch es „funktionierte“ - und zwar sehr gut. Menschen, die einander völlig fremd waren, fanden auf der Wanderbank zueinander und erzählten aus ihrem Leben.

Pensionisten und Schüler, Erfolgreiche und Gescheiterte, Humorvolle und Melancholische. Noch bis 18. Dezember gibt die Wanderbank-Ausstellung in der Sparkasse Mainfranken Würzburg Einblick in ein facettenreiches Projekt, macht der Fördervereinsvorsitzende der Bahnhofsmission, Helmut Fries, deutlich.

Mit Menschen, die man nicht kennt, fängt man normalerweise nicht so einfach ein Gespräch an. Schon gar nicht ein Persönliches. Das könnte dem anderen unangenehm oder lästig sein. Man könnte barsch abgewiesen werden. „Es gibt wie eine Art unsichtbare Barrikade“, konstatierte Bernd Fröhlich, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse, der die interaktive Ausstellung eröffnete. Eigentlich schade: „Denn auf diese Weise entgeht uns einiges.“

Alles durfte ein Jahr lang auf der durch Würzburg tourenden Wanderbank erzählt werden: Tatsachen und Träume, Geschichten aus der Vergangenheit und Visionen für die Zukunft. Die Wanderbank selbst ist mit einem großen Traum verknüpft, so Fries.

Die Bank soll in den aktuell unruhigen Zeiten ein Ort der Versöhnung und der Verständigung werden. „Ich wünschte mir, dass Politiker öfter eine solche Bank zur Verfügung hätten, um zu erkennen, was jetzt Not tut“, erklärte Fries mit Blick auf die Syrienkrise und den Flüchtlingszustrom.

Geschichtensammlerin unterwegs

Für Geschichtensammlerin Anne Walz war die Wanderbank ein Ort ständiger Neuentdeckungen. „Man wird so oft überrascht von dem Gegenüber, das da sitzt und erzählt“, sagte sie bei der Vernissage. Mit der Einrichtung Bahnhofsmission hat die Wanderbank nach ihren Worten eine Menge zu tun: „Menschen kommen aus Notsituationen heraus in die Bahnhofsmission, weil sie reden und Nähe spüren möchten.“

Noch sehr viel mehr Menschen, hat Anne Walz in den vergangenen Monaten erfahren, bräuchten dringend einmal jemand, der ihnen zuhört. Viele Leute sind einsam: „Und Einsamkeit macht krank.“ Das Projekt Wanderbank will für das Bedürfnis, einander zu erzählen, sensibilisieren. Und es fordert dazu auf, einmal einem anderen Menschen zuzuhören. Ohne Vorurteile. Ohne Misstrauen. Auch wenn dieser andere ein „wildfremder“ Mensch ist, sagt Fries.

Wie groß die Sehnsucht von Menschen ist, sich einmal jemanden rückhaltlos anzuvertrauen, hat auch Hedwig Gappa-Langer, Referentin für Bahnhofsmissionen beim katholischen Verband „In Via“, schon oft erfahren. Gappa-Langer nahm an der Vernissage in Würzburg teil, weil sie mit den Künstlerinnen Christiane Huber und Sanne Kurz das Ursprungskunstprojekt „Wanderbank“ initiierte. Dass dieses Projekt in Würzburg einen eigenen Ableger fand, ist für die Referentin äußerst begrüßenswert.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht die Wanderbank, mit der Anne Walz ein Jahr lang durch Würzburg zog. Über Kopfhörer erfahren die Besucher eine von vielen Geschichten, die Anne Walz gesammelt hat. Über ein Video ist eine weitere Geschichte zu sehen und zu hören - Anja Dyes war bereit, ihre Lebensgeschichte ein ganzes Stück weit preiszugeben. Die alles andere als überladene Ausstellung weckt den Wunsch, in die Welt hinauszuziehen, um selbst Geschichten zu hören, hofft der Fördervereinsvorsitzende. Auf der nächsten Parkbank. In der Straßenbahn. Im Bus oder Zug.

Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 18. Dezember, im Foyer der Sparkasse Mainfranken Würzburg (Hofstraße 7-9) zu den Schalteröffnungszeiten zu sehen.

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