Würzburg

Auf eigene Kosten: Würzburger behandelt Zähne in Nepal

Wenn sich die Kinder freuen, ist das der größte Dank: Zum dritten Mal flog der Würzburger Zahnarzt Oliver Heilmann nach Nepal, um dort Kindern die Zähne zu reparieren.  
Würzburger Zahnarzt Oliver Heilmann fliegt nach Nepal, um Menschen dort ehrenamtlich zu behandeln. Foto: Thomas Obermeier

Die Eindrücke sind noch frisch. Es ist erst kurze Zeit her, dass der Würzburger Zahnarzt Oliver Heilmann aus Nepal zurückgekehrt ist. Ein paar Kilos leichter und mit einem Dreitage-Bart, der gepflegt werden will. Wie es sich anfühlt wieder hier zu sein? "Komisch, denn Nepal ist ein Land, in dem alles viel ruhiger zugeht als bei uns."

Zwar habe er dort ehrenamtlich gearbeitet, aber der Stress und die Hektik des Alltags zuhause seien fern gewesen, berichtet er. "In Nepal erreiche ich ein Level der Zufriedenheit, das ich in Deutschland in dieser Art und Weise nicht finde." Die Menschen seien sehr freundlich und dankbar, "da bekomme ich eigentlich mehr zurück, als ich gebe", empfindet es der 53-jährige Würzburger.  

Im Behandlungsraum, links Laura Heilmann, Zweiter von rechts Zahnarzt Oliver Heilmann, der ehrenamtlich in Nepal behandelt. Foto: Heilmann

Bereits zum dritten Mal seit 2012 nahm er zwei Wochen seines Jahresurlaubs und reiste im Dienste der Hilfsorganisation "Nepalhilfe Kulmbach" auf eigene Kosten nach Nepal, um dort zu helfen. In dem Städtchen Malekhu, etwa 70 Kilometer nordwestlich von Kathmandu, reparierte er Kindern und auch Erwachsenen von Sonnenaufgang bis -untergang die Zähne. Ohne Honorar natürlich, "aber immer wieder gab es Selbstgebasteltes, Obst oder einfach dankbare Gesten". In Malekhu, erzählt der Zahnarzt, engagiere sich der Verein schon seit Jahren ehrenamtlich. Er baute eine Schule auf, die 2006 eröffnet wurde. 360 Grund- und 700 Hauptschüler werden dort unterrichtet.

Gesundheitsstation in Malekhu  

In dem Schulgebäude befindet sich die Gesundheitsstation, in der die Zahn-Behandlungen stattfinden. "Diesmal haben wir sogar in der Schule geschlafen, um Zeit zu  sparen", erzählt Heilmann. Mit dabei auch seine 18-jährige Tochter Laura, die nach bestandenem Abitur ehrenamtlich mithelfen wollte. "Wir haben in einem Schulraum unser Matratzenlager aufgeschlagen und drumherum ein Mosquitonetz aufgebaut." Eine Toilette stand im Schulhaus zur Verfügung,  geduscht wurde im Hof - in Hockstellung. Alles kein Problem, signalisiert Heilmann. 

Matratzenlager in der Schule. Foto: Heilmann

Auf seine Tochter ist er besonders stolz: "Sie hat super assistiert und sich auch um das Aufbereiten der Instrumente gekümmert. Nach zwei Wochen kamen sogar Gedanken auf, dass sie doch etwas in Richtung Medizin studieren möchte", erzählt Heilmann begeistert. Momentan befindet sie sich aber erstmal im Reisefieber, nach dem Aufenthalt in Nepal ging es gleich weiter nach Vietnam.  

Zahnuntersuchungen tragen Früchte

Mehrere hundert Kinder hat Heilmann auch dieses Jahr wieder in Nepal behandelt. Füllungen, Wurzelbehandlungen und soweit möglich auch Reinigungen stehen dort auf der Agenda. "Karies ist hier natürlich ständiger Begleiter", so der Zahnmediziner. Aber: Durch die Behandlungen, die nun etwa alle zwei Jahre erfolgen, seien erste Erfolge erkennbar. So sei der Anteil der Kinder mit guten Zähnen deutlich gestiegen. Loben will er hierbei auch die ausgebildete Krankenschwester Ranjita, die sich um die Gesundheits-Vorsorge und die Hygiene-Aufklärung kümmert. "Sie wird vom Verein entlohnt und lehrt den Kindern auch das regelmäßige Benutzen von Zahnbürsten."

Tapfer: Ein kleines Mädchen wird vom Zahnärzte-Team behandelt.  Foto: Heilmann

Trotzdem gebe es immer schwierige Fälle, so Heilmann und berichtet von einer alten Frau, deren komplettes Gebiss entzündet war. "An den Zahnwurzeln kam der Eiter heraus, die verbleibenden Zähne waren allesamt schwarz gefärbt." Manche Situation sei zwar unbefriedigend, aber man müsse sie annehmen, so Heilmann und spielt auf einen kleinen Jungen an, der partout seinen Mund nicht öffnen wollte. Auch bei manchem Zahnziehen habe es Tränen gegeben, aber schon am nächsten Tag seien diese bei den Kindern vergessen gewesen. "Natürlich hatten wir zur Belohnung der Kinder auch Luftballons und Kuschelschweinchen dabei. Das kam super an."

Außer Heilmann waren auch noch zwei andere Zahnärztinnen ehrenamtlich vor Ort, eine aus München und eine aus Kulmbach. "Wir hatten es extra so gelegt, dass wir in einem größeren Team arbeiten und möglichst viele Kinder und Erwachsene behandeln können."   

Bittere Armut und trotzdem zufrieden

Der 53-Jährige erzählt begeistert von Land und Leuten. Oft seien die Menschen bitterarm, aber trotzdem strahlten sie eine Zufriedenheit aus. Auch die Religion des Hinduismus mit ihren vielen Göttern empfindet er als spannend. 

Zusammen mit seiner Tochter besuchter er die Tempelanlage Pashupatinath in Kathmandu. Hierher werden auch nahezu alle Toten aus Kathmandu gebracht, um nach der Verbrennung vor Ort dem Fluß zugeführt zu werden, der in den für Hindus heiligen Ganges mündet. "Es ist interessant, wie unterschiedlich die Bestattungsriten verschiedener Kulturen sind."  

Blick auf den Mount Everest beim Rundflug. Foto: Heilmann

Auch landschaftlich ist er von dem Land, das mit 8848 Metern den höchsten Berg der Welt beherbergt, fasziniert. So unternahm der Zahnarzt am Ende seines Aufenthalts mit seiner Tochter einen Rundflug mit Buddha-Air -mit Blick auf den Mount Everest. "Es war einfach unglaublich." 

Folgen des Erdbebens von 2015 noch spürbar 

Auch oberhalb des Dorfes Malekhu sei der Blick auf die Berge fantastisch gewesen. Traurig sei er, dass die Bevölkerung Nepals immer noch unter den Folgen des verheerenden Erdbebens von 2015 leide. Der Wiederaufbau - auch mit Hilfsorganisationen - läuft, "aber eben langsamer als gewünscht".

Heilmann ist sich sicher, dass er wiederkommt: "Ich habe mir fest vorgenommen, im Jahr 2020 wieder zwei Wochen hier zu arbeiten." Vielleicht kommt dann sogar die gesamte Familie mit, so neben Tochter Laura auch seine Frau und sein heute 14-jähriger Sohn. "Durch die Erzählungen und Fotos sind sie immer neugieriger geworden."

Vater und Tochter auf Hilfsmission: Zahnarzt Oliver Heilmann und Tochter Laura.  Foto: Heilmann
Nepalhilfe Kulmbach
In den letzten Jahren  konnte der Verein "Nepalhilfe Kulmbach" deutsche Zahnärzte mit Hilfspersonal gewinnen, die freiwillig nach Nepal reisten, um Schülerinnen und Schüler, aber auch Erwachsene kostenlos zu behandeln. Auch deutsche Ärzte sowie Augenoptiker und Akustiker waren dank des Vereins für jeweils ein bin zwei Wochen in Malekhu ehrenamtlich tätig. Für die Gesundheitsstation arbeitet eine eigens mit Hilfe des Vereins ausgebildete Krankenschwester, die sich auch um die Gesundheits-Vorsorge und die Hygiene-Aufklärung kümmert und vom Verein entlohnt wird. 
Spendenkonto: Mitglied der Nepalhilfe Kulmbach kann jeder werden oder eine Patenschaft übernehmen. Nepalhilfe Kulmbach, BIC: BYLADEM1KUB, IBAN: DE48 77150000 0000 110130, Info: www.nepalhilfe-kulmbach.de

Schlagworte

  • Würzburg
  • Katja Glatzer
  • Ehrenamtliches Engagement
  • Erdbeben
  • Krankenschwestern
  • Uhren
  • Zahnärztinnen und Zahnärzte
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!