Würzburg

Augustiner feiern Weihnachten mit Christvesper und Christmette

Prior Pater Lukas Schmidkunz (links) und Prokurator Bruder Marcel Holzheimer erzählen, wie sich die Augustiner in Würzburg auf Weihnachten vorbereiten. Foto: Kerstin Schmeiser-Weiß, POW

Mitten in der Würzburger Innenstadt sind die 23 Augustiner in der Adventszeit vom Weihnachtstrubel ständig umgeben. Wie man sich von diesem Trubel auch einmal lösen kann und wie die Augustiner Weihnachten feiern, erzählen Prior Pater Lukas Schmidkunz (56) und Prokurator Bruder Marcel Holzheimer (31) in einem Interview des Pressediensts des Bischöflichen Ordinariats.

Frage: Wie bereiten sich die Augustiner auf Weihnachten vor?

Bruder Marcel Holzheimer: Hauptsächlich durch das, was in der Kirche stattfindet. Montags bis freitags gibt es beispielsweise um 17 Uhr das halbstündige Angebot „Musik und Meditation im Advent“ mit Musik und einem adventlichen, spirituellen Impuls. Dieses Jahr gestalten zum Beispiel Bischof Dr. Franz Jung, Weihbischof Ulrich Boom, die evangelisch-lutherische Dekanin Dr. Edda Weise, Hochschulpfarrer Burkard Hose, Mitbrüder und Dorothea Maiwald-Martin vom Gesprächsladen an der Augustinerkirche jeweils eine Meditation. Und natürlich am dritten Adventssamstag und am Freitag der „Christmas Carol Singalong“ sowie am 19. Dezember die „Christmas Celebration“. Im Konvent zeigt das gemeinsame Christbaumschmücken, dass es jetzt wirklich schwer auf Weihnachten zugeht. Vor dem vierten Adventssonntag stellen die Hausmeister Tannenbäume auf. Das sind aber nicht so klassische Christbäume mit einfarbigen Kugeln und etwas Lametta.

Pater Lukas Schmidkunz: In den vergangenen Jahren waren wir immer wieder auf dem Weihnachtsmarkt und jeder Bruder hat etwas zum Dranhängen ausgesucht. Dadurch kam eine bunte Mischung aus aller Herren Länder zusammen, zum Beispiel auch ein fliegendes Schwein. Die Kisten werden auf dem Tisch ausgebreitet und dann können alle, die Lust haben, den Christbaum in der Rekreation im vierten Stock vollhängen.

Holzheimer: Da hängt wirklich alles Mögliche dran – von der Gurke über Engel und Elch bis zum Weihnachtsfrosch. Viele Mitbrüder freuen sich auf das Schmücken, Erinnerungen an eigene Familientraditionen werden wach, wir haben Spaß miteinander und freuen uns am immer voller werdenden Christbaum. Manchmal trinken wir auch einen selbstgemachten Glühwein miteinander.

Und wie feiern Sie im Kloster Weihnachten?

Schmidkunz: Auch das Weihnachtsfest ist deutlich durch das getaktet und geprägt, was in der Kirche geschieht. Am Heiligabend feiern wir um 17.30 Uhr gemeinsam die Christvesper. Danach treffen wir uns im Refektorium und essen zu Abend. Die Älteren gehen danach teilweise schon Richtung Bett. Wir Jüngeren setzen uns meist noch zusammen und trinken eine Tasse Kaffee, um uns wachzuhalten für die Christmette. Diese ist der Höhepunkt in der proppenvollen Kirche. Seit 2011 sind von Jahr zu Jahr immer mehr Leute gekommen. Im vergangenen Jahr waren geschätzt zwischen 700 bis 800 Besucher in der Kirche. Es ist einfach schön, bewegend und rührend, mit so vielen Menschen das Fest zu feiern und „Stille Nacht“ zu singen. Das ein oder andere Auge wird da schon mal feucht. Am ersten Feiertag feiern wir um 10 Uhr das Hochamt. Der zweite Feiertag ist Familientag, wir laden unsere Eltern ein und essen zusammen ein weihnachtliches Menü. Danach wird es im Konvent sehr ruhig. Viele fahren bis Silvester nach Hause.

Was gibt es bei den Augustinern als Weihnachtsmenü?

Holzheimer: Das Abendessen nach der Christvesper ist gut, aber eher einfach gehalten. Meistens besteht es aus einem kalten Buffet. Am ersten Weihnachtsfeiertag genießen wir ein Festtagsmenü. Die Küche überlegt sich immer schöne Sachen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es meistens Gänsebrust.

Schmidkunz: Es gibt bei uns drei verschiedene Sorten von Plätzchen: die Adventsplätzchen, die Weihnachtsplätzchen und die, die übrig bleiben. Aber vor Weihnachten schmecken die Plätzchen und Christstollen von den Eltern, Geschwistern, Freunden und lieben Menschen eigentlich am besten. Ich bin mir sicher, wenn man sagen würde, wir dürfen die Plätzchen erst ab dem 6. Dezember essen, dass es einige gäbe, die sich am 3. Dezember demonstrativ hinstellen und Plätzchen essen.

Bruder Marcel, Sie waren dieses Jahr im Frühling und Herbst jeweils zwei Wochen im Kongo bei einem Mitbruder der Provinz. Wie feiern die Gläubigen im Kongo Weihnachten?

Holzheimer: Wir sind einen Tag mit unserem Mitbruder Pater Ferdinand im Busch herumgereist, der dort verschiedene Buschkapellen aufgebaut hat. Er hat erzählt, dass die Menschen tatsächlich draußen vor der Kirche mit einer „lebendigen Krippe“ beginnen. Das jüngste neugeborene Kind des Dorfes ist quasi das „Christkind“ in der Krippe, und dann wird die Weihnachtsgeschichte nachgestellt. Das mündet dann in die Christmette.

Hätten Sie Weihnachten auch gerne einmal im Kongo miterlebt?

Holzheimer: Natürlich ist das eine andere, interessante, sich auch bewegende Form, Weihnachten zu erleben. Ich kann mir vorstellen, dass der Weihnachtsgottesdienst noch ein bisschen länger ist als bei uns. Die feiern wirklich sehr lang und ausgiebig mit schönen Gesängen und Tänzen. Das ist zu den Hochfesten alles nochmal ausgeprägter als bei einem klassischen Gottesdienst. Aber Weihnachten daheim im Kreise der Mitbrüder und der Familie ist doch auch schön.

Haben Sie auch Lieblingsweihnachtslieder?

Schmidkunz: Ich kann sagen, was ich nicht mag, nämlich weit vor Weihnachten schon mit „Stille Nacht“ bedudelt zu werden. Es gibt Menschen, die sagen, es sei doch schade, dass man dieses schöne Lied nur in der Christmette singt. Aber gerade deshalb ist es doch so schön und besonders.

Holzheimer: Ich habe zwei Lieblingslieder: einmal „Adeste Fideles“ („Nun freut euch ihr Christen“) und „The First Nowell“. Beide werden auch beim „Christmas Carol Singalong“ und bei „Christmas Celebration“ gesungen. Gänsehautfeeling. Ich mag es auch nicht, vor Heiligabend mit „Stille Nacht“ beschallt zu werden. Aber ansonsten kann ich auch zwischendurch die „Christmas“-Klassiker im Radio gut hören. Da darf auch mal das verschriene „Last Christmas“ von Wham dabei sein.

Haben Sie Tipps, wie man mehr Ruhe und Besinnung in den Advent bringen kann?

Holzheimer: Wir sind mitten in der Fußgängerzone und jetzt in der Adventszeit ist die Innenstadt ja noch mehr gefüllt. Das Angebot „Musik und Meditation im Advent“ kann eine gute Möglichkeit sein, bei Musik oder einem spirituellen Impuls eine halbe Stunde runterzukommen. Mir persönlich tut das immer gut. Im Trubel des Alltags ist das eine schöne und gute Möglichkeit, ein bisschen herunterzufahren und sich auf Weihnachten einzustimmen.

Schmidkunz: Ich treffe immer wieder Menschen die sagen: Ach, diese Adventszeit ist so hektisch. Sie machen sich ein schlechtes Gewissen. Ich finde, ein schlechtes Gewissen muss man sich zu Weihnachten nicht machen. Es ist doch toll, sich mit einer Tasse Glühwein in das Gewühl auf den Weihnachtsmarkt zu stürzen, den Moment zu genießen und sich nicht einreden zu lassen: Du musst dich jetzt besinnen.

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