SCHWEINFURT/STAMMHEIM

Aus Kriegsgegnern wurden Freunde

Es ist die größte Luftschlacht aller Zeiten. Ihr zweiter Tag-Luftangriff am 14. Oktober 1943 auf Schweinfurts Kugellagerfabriken beschert den Amerikanern zugleich die größten Verluste im gesamten Zweiten Weltkrieg, was das Verhältnis der eingesetzten und abgeschossenen B17-Bomber anbelangt. Doch aus Kriegsgegnern sind Freunde geworden.
novo Bomb SW 14.10.43       -  14. Oktober 1943: Beim zweiten Luftangriff der US-Air Force auf Schweinfurt werden 276 Menschen getötet sowie die Kugellagerfabriken und zahlreiche Wohngebäude zerstört bzw. schwer beschädigt. Aber auch die Amerikaner müssen schwere Verluste hinnehmen. Die deutschen Jagdflugzeuge und die Flak-Stellungen schießen insgesamt 60 B 17-Bomber mit 600 Mann an Bord auf dem Weg der Amerikaner von ihren Stützpunkten in England nach Deutschland und zurück ab.
14. Oktober 1943: Beim zweiten Luftangriff der US-Air Force auf Schweinfurt werden 276 Menschen getötet sowie die Kugellagerfabriken und zahlreiche Wohngebäude zerstört bzw. schwer beschädigt. Aber auch die Amerikaner müssen schwere Verluste hinnehmen. Die deutschen Jagdflugzeuge und die Flak-Stellungen schießen insgesamt 60 B 17-Bomber mit 600 Mann an Bord auf dem Weg der Amerikaner von ihren Stützpunkten in England nach Deutschland und zurück ab. Foto: FOTO-Montage Vollmann (Bilder: Stadtarchiv/Sammlung Vollmann)

Und so werden am Wochenende rund 30 Teilnehmer des Luftangriffs bzw. Nachkommen und Angehörige aus den USA auf Einladung der ehemaligen deutschen Luftwaffenhelfer in Schweinfurt erwartet. Die einen warfen seinerzeit ihre Bombenfracht über Schweinfurt ab, die anderen standen als Schüler an den Flugabwehrkanonen.

Freundschaft seit 1996

SSMA (Second Schweinfurt Memorial Association) nennt sich die Gedächtnis- und Veteranenvereinigung der 8. US-Luftwaffe, die zur Erinnerung an den „Schwarzen Donnerstag“ (Black Thursday), wie ihn die Amerikaner bezeichnen, ausschließlich für die an dem Bombenangriff auf Schweinfurt am 14. Oktober 1943 eingesetzten Bomberbesatzungen sowie ihre Familienmitglieder gegründet wurde.

Mehrere ehemalige Schweinfurter Flakhelfer wurden inzwischen aufgrund der seit 1996 kontinuierlich ausgebauten freundschaftlichen Verbindungen als Gastmitglieder in die SSMA aufgenommen. Insgesamt waren an die 2500 Schüler aus nordbayerischen Gymnasium in und um die Kugellagerstadt zum Dienst an den Fliegerabwehrkanonen verpflichtet worden.

2001 war die SSMA zum ersten Mal offiziell nach Schweinfurt gekommen, um hier ihr Jahrestreffen abzuhalten. Die jetzige „Reunion“ dürfte angesichts des fortgeschrittenen Alters der US-Teilnehmer an dem Luftangriff wohl die letzte ihrer Art in Deutschland sein.

Das von den Ex-Flakhelfern für die Amerikaner ausgearbeitete Programm sieht zum Auftakt am Freitag ein erstes gemeinsames Treffen im Hotel Mercure auf der Maininsel vor, wo die Gäste untergebracht sind.

Am Samstag geht es in das Museum für Militär- und Zeitgeschichte nach Stammheim. Ab 11 Uhr gibt es dort unter anderem Geschütze der leichten und schweren Flak (2cm und 8.8 cm), Suchscheinwerfer und ein Entfernungsmessgerät aus deutschen Beständen zu besichtigen.

Ex-Flakhelfer erklären an „ihrem“ Gerät die Bedienung und schildern ihre Erlebnisse aus dem Krieg. Dazu gibt es die Diorama-Show „Zwischen Schulbank und Kanonen“.

Nach dem Mittagessen aus der Feldküche wird zum Abschluss in Stammheim ein Kurzfilm über die Angriffe auf Schweinfurt und das zerbombte Würzburg gezeigt.

Weißenseel: Jeder ist willkommen

Museumsleiter Günter Weißenseel: „Diese Begegnung ist sowohl von regionalem als auch von überregionalem Interesse. Die Kriegsgeneration wird an das Leid und die Zerstörung Deutschlands erinnert, aber auch an die schwere und einmalige Leistung des Wiederaufbaus. Von besonderer Bedeutung ist die Begegnung aber für die heutige Jugend, denn nur wer weiß, wo er herkommt, weiß, wo er hingeht“.

Amt- und Würdenträger aus dem öffentlichen Leben werden der Veranstaltung einen besonderen Rahmen verleihen und die Veteranen in anerkennender Weise ehren.

Alle Interessierten, die an dem Treffen im Stammheimer Museum teilnehmen möchten, sind übrigens jederzeit willkommen und eingeladen, betont Günter Weißenseel.

Nach der Rückkehr der rund 80-köpfigen Gruppe aus Stammheim empfängt am Samstagabend schließlich Schweinfurts Oberbürgermeisterin Gudrun Grieser die Freunde aus den USA und die ehemaligen Flakhelfer bei einem Festakt mit Galabüffet im Rathaus.

Der Sonntag, 14. Oktober, und somit der 64. Jahrestag des Luftangriffs von 1943, sieht nach einem ökumenischen-internationalen Gottesdienst in der Kirche St. Johannis die Kranzniederlegung am deutsch-amerikanischen Luftkriegsdenkmal vor, das von der SSMA als auch den deutschen Flakhelfern gemeinsam am Spitalseebunker unweit des Stadttheaters errichtet wurde. Anschließend ist gemeinsames Mittagessen im Wohnstift Augustinum. Der Nachmittag steht zur freien Verfügung.

Am Montag ist am Vormittag ein Werksbesuch bei der Firma SKF, am Nachmittag die SSMA-Jahresversammlung im Hotel Mercure und am Abend eine Schlachtschüssel im Pfarrzentrum St. Kilian vorgesehen.

Am Dienstag nehmen die Gäste aus den USA eine Einladung der US-Army in die Conn-Baracks mit Niederlegung eines Blumengebindes am Denkmal der Irak-Opfer an, bevor sie am Abend wieder nach Amerika zurückfliegen.

Das Stichwort

Black Thursday Beim 2. Luftangriff der 8. US-Luftflotte am 14. Oktober 1943 auf die Kugellagerindustrie in Schweinfurt kommen in der Stadt 276 Menschen ums Leben, unzählige werden verletzt und sterben teils noch später an den Folgen. Fabriken, Arbeitsplätze und Wohnungen werden vernichtet. Aber auch der Gegner in der Luft erleidet schwere Verluste. Die angreifenden Verbände der 8. US-Luftflotte sind dem massiven und erbitterten Widerstand der deutschen Jagdflugzeuge und der Flakabwehr ausgesetzt. Sie verlieren 60 Bomber mit 600 Mann Besatzung an Bord. Aufgrund der hohen Verluste geht der 14. Oktober 1943 als „Black Thursday“ in die amerikanische Kriegsgeschichte ein.

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