REGION WÜRZBURG

Aus dem Gericht: Hundebesitzerin muss 450 Euro Strafe zahlen

450 Euro kostet eine Kleinhundebesitzerin ihre Begegnung mit dem Frauchen eines Hundes der Kategorie 2 der bayerischen Kampfhunde-Verordnung. Während die Vierbeiner friedlich blieben, gerieten die beiden Damen sich nämlich in die Haare.

Ein sonniger Märztag. Eine gehbehinderte 72-Jährige sitzt nahe des Mains auf ihrem Rollator. Ihr Hund, laut Rassebeschreibung mindestens 45 Kilo schwer, vertritt sich die kräftigen Beine. Eine 42-Jährige fährt vor, lässt ihre vier Kleinhunde aus dem Auto springen. Das ist Fakt.

Über das, was danach geschah, herrscht Uneinigkeit. „Da ist ja wieder die schreckliche Frau mit den kleinen Ratten“, habe die Rentnerin gemeckert, sagt die 42-Jährige - und gibt zu, dass sie „blöde Kuh“ zu der alten Dame gesagt hat. Dann sei die Seniorin mit Hund und Rollator bergab zum Wasser gegangen und habe den imposanten Koloss auf das vierbeinige Quartett gehetzt. „Beiss die Giftköter“, habe sie gerufen. Dabei sei der Rollator umgefallen und die 72-Jährige zu Boden gegangen.

„Hund hatte richtig Angst“

Die Besitzerin des großen Hundes erzählt die Geschichte anders. Bellend hätten die Zwerghunde ihren Vierbeiner umkreist, sagt die Rentnerin. „Der hatte richtig Angst.“ Und dann habe die 42-Jährige sie auch noch „Schlampe“ genannt und sie an den Haaren in den Sand gezogen. Noch heute leide sie an Folgen der Verletzungen, sagt die 72-Jährige, die von ihrem Mann im Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben wird, direkt nach dem Geschehen aber keinen Arzt aufsuchte.

Im Würzburger Strafjustizzentrum treffen sich die Damen zum ersten Mal wieder. Die 42-Jährige, die im Gegensatz zu der Rentnerin bei der herbeigerufenen Polizei keine Aussage gemacht hatte, hat nämlich einen Strafbefehl bekommen. Wegen Beleidigung und Körperverletzung solle sie 30 Tagessätze zu je 40 Euro zahlen, also 1200 Euro, stand darin. Weil sie Einspruch einlegte, gibt es nun einen Prozess.

Auch da geht es überaus kontrovers zu. „Die hat meiner Nachbarin erzählt, dass sie Leute nur angreift, wenn keine Zeugen da sind“, behauptet die Rentnerin über die Angeklagte. „Sie ist für ihre Grantigkeit im ganzen Dorf bekannt“, sagt die 42-Jährige über die Seniorin.

Tatsache ist, dass es keine greifbaren neutralen Zeugen des Vorfalls gibt. Zwar erzählt die Angeklagte dem Gericht von einem Spaziergänger, der das Geschehen beobachtet haben soll. Aber der wolle nicht aussagen, weil er „keinen Ärger möchte“.

Deutliche Worte

Nach langem Hin und Her und deutlichen Worten von Oberstaatsanwalt Thomas Trapp ist die 42-Jährige bereit, ihren Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzunehmen, wenn die Tagessatzhöhe reduziert wird. Weil die Frau derzeit ohne Einkommen ist und nach eigenen Worten von ihrer Mutter unterstützt wird, verurteilt das Gericht sie wegen Beleidigung und Körperverletzung zur Zahlung von 30 Tagessätzen zu je 15 Euro, insgesamt also zu 450 Euro. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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