EIBELSTADT

Ausgebremst: Zirkus Kimazi hängt fest

Die Heins wissen, dass sie mit ihrem kleinen Familienzirkus nicht reich werden können. Aber so schlecht wie jetzt ging's ihnen noch nie. Sie sitzen in Eibelstadt fest.
Sitzen fest: Carina, Tanja, Gino und Rudolf Hein steht ein harter Winter bevor. Ein größerer Schaden am Transporter, der für den kleinen Familienzirkus Kimazi so wichtig ist, macht eine Weiterreise unmöglich. Jetzt hoffen die Vier auf Hilfe. Foto: Thomas Fritz

Vorstellungen müssen abgesagt werden. Die Bremsen der alten Zugmaschine tun es nicht mehr. Und ohne die sind die Heins aufgeschmissen.

„Uns steht das Wasser bis zum Hals“, sagt Rudolf Hein. Normalerweise spielt er den Clown in der Manege. Sein Quatsch bringt das Publikum zum Lachen. Doch nach Heiterkeit ist dem Vater zweier Kinder gar nicht zumute. Zirkus ist sein Leben. Er kennt nichts anderes.

In der achten Generation führt er den Familienzirkus „Kimazi“ bereits und kam immer einigermaßen, zumindest ohne groß auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, über die Runden. „Darauf bin ich stolz“, sagt er.

Dieses Mal sieht er aber keine andere Möglichkeit, als um Hilfe zu bitten. Und das fällt ihm schwer. „Noch nie steckten wir in einer Notlage wie dieser“, sagt er verschämt. Klar geht mal das eine oder andere kaputt, aber irgendwie ging's immer, erzählt er.

Dieses Mal allerdings fehlt ihm die Zuversicht. Der TÜV lässt die Zugmaschine keinen Meter mehr fahren. Die Bremsen sind schlecht, „eigentlich gar nicht mehr vorhanden“, zieht Rudolf Hein die Schultern hoch. Die Reparatur des kleinen Lasters würde 4 500 Euro kosten. Vier Mal so viel wie das Fahrzeug wert ist. „Abgesehen davon haben wir das Geld auch nicht“, sagt der Zirkuschef.

Die Zugmaschine ist das Ein und Alles der Heins. Ohne sie geht gar nichts im Zirkusbetrieb. Mit dem Laster werden Heu und Sägespäne transportiert, die Zeltmasten werden mit ihr hochgezogen. Und mit ihr transportieren sie die Requisiten, die Pferdeboxen und Zäune und alles, was der Zirkus sonst noch braucht von Ort zu Ort.

Ohne Zugmaschine kommen die Heins auch nicht nach Veitshöchheim, ihrem nächsten Gastspielort. „Und das ist richtig Sch...“, fährt Rudolf Hein, der sonst eher ruhig und gelassen wirkt, aus der Haut. Denn in die Vorstellungen in Veitshöchheim hat die Familie richtig viel gesetzt. „Hier hätten wir vielleicht wieder mal ein paar Einnahmen gehabt“, sagt der Familienvater.

Denn die Saison bisher lief schlecht. Im Sommer gehen die Menschen eher baden als in den Zirkus und die Vorstellungen in der Region waren auch nicht immer gut besucht. In Ochsenfurt gastierte der Zirkus beispielsweise zeitgleich zum Ochsenfest, wo eh schon viel los war. „Da gehen die Leute nicht mehr in den Zirkus.“

Und jetzt? Die Vorstellungen in Estenfeld und Veitshöchheim sind abgesagt. Eine Tour über den Winter wie geplant wird es wohl nicht geben. Vorerst campiert die kleine Zirkusfamilie mit ihren Kaninchen, Hunden, Hasen, den indischen Laufenten, dem Pony und den Ziegen in Eibelstadt am Skaterplatz.

Bürgermeister Heinz Koch gewährt ihnen dort Unterschlupf. Er hat ihnen auch die Platzkaution zurückgezahlt, so dass sich die Heins mit dem Nötigsten versorgen können.

Eine Hilfe, die die Familie gerne annimmt. „Aber uns ist auch klar, dass dies keine Lösung für die nächsten Wochen sein kann.“ Dringend suchen sie ein Quartier für den Winter. Bislang hagelt es aber überall nur Absagen.

Auch der Bund (der Zirkus wollte in Würzburgs leer stehenden Kasernen oder auf dem Giebelstadter Flugplatz vorübergehend unterkommen) hat kein Erbarmen mit der Familie, deren Existenz bedroht ist.

Und natürlich würden die Vier auch gerne wieder Geld verdienen. In Seniorenheimen, Schulen oder Firmen könnten sie auftreten. Rudolf Hein ist ständig auf der Suche nach Engagements.

Und wenn gar nichts mehr geht? Aufgeben kommt für die leidenschaftlichen Zirkusleute nicht in Frage. Dieser Gedanke ist ihnen noch nie gekommen. „Dagegen wehren wir uns mit Händen und Füßen“, sagt Rudolf Hein.

Eine Haltung, die Außenstehende mit festem Wohnsitz, Haus und Vorgarten, nur schwer verstehen. Aber wahre Zirkusleute sind glücklich, wenn sie von Ort zu Ort fahren können, in der Manege stehen und die strahlenden Gesichter ihres Publikums sehen. „Dafür leben wir“, schwärmt Rudolf Hein noch in der größten Not vom Zirkusleben.

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!