WÜRZBURG

Aussehen noch ein Geheimnis: Bocksbeutel wird schlanker

Star-Designer entwirft neuen Bocksbeutel       -  Ist bauchig bald vorbei? Weinbauverband und LWG wollen den klassischen Bocksbeutel (im Bild) moderner machen.
Ist bauchig bald vorbei? Weinbauverband und LWG wollen den klassischen Bocksbeutel (im Bild) moderner machen. Foto: Hildenbrand, dpa

Der Bocksbeutel, die Ikone des fränkischen Weinbaus, bekommt ein neues Design. Schlanker, eleganter, ein bisschen kantiger, aber dennoch unverwechselbar, wird die Flasche sein, die der Fränkische Weinbauverband am kommenden Freitag gemeinsam mit dem bayerischen Landwirtschaftsminister Hartmut Brunner vorstellt. Bis dahin wollen die Verantwortlichen der Öffentlichkeit nicht mal ein Bild des modernisierten Markenzeichens zeigen.

Der verjüngte Bocksbeutel ist das Werk einer Design-Legende. Entworfen hat ihn der gebürtige Bayreuther Peter Schmidt (78). Der Wahl-Hamburger hat mit seinen Entwürfen Geschichte geschrieben. Allen voran der Parfüm-Flakon für den Jil-Sander-Duft „Woman Pure“, der es bis ins Museum of Modern Art in New York schaffte. Weitere Werke sind Parfümfläschchen für Hugo Boss oder 4711, die Apollinaris-Flasche, die Markenauftritte der Bundeswehr, der Stadt Hamburg, des ZDF und der Bamberger Sinfoniker. Die Liste ist unendlich lang. Auch als Bühnenbildner hat sich Schmidt einen Namen gemacht.

Der Kontakt zum Frankenwein kam 2011 zustande, als Hermann Schmitt, Geschäftsführer des Weinbauverbands, und Hermann Kolesch, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), den Designer als Vortragsredner für eine Tagung „Wein und Architektur“ gewinnen wollten. Weinkenner Schmidt habe sich gleich beim ersten Fachsimpeln angeboten, „die bauchige, ein bisschen kauzig wirkende Flasche“ zu modernisieren, erzählt Kolesch. Eine Idee, die man beim Weinbauverband auch schon hatte. Nach den Investitionen in die Qualität des Weins, in eine zeitgemäße Vermarktung, in Vinotheken und andere moderne Architektur sei dieser Schritt nur folgerichtig gewesen, sagt Schmitt. Rasch hatte Schmidt einen Prototyp gezeichnet.

Diesen hat man immer wieder überarbeitet, vor allem auch aus technischen Gründen. Der „Bocksbeutel Peter Schmidt“ muss wirtschaftlich von den Glashütten gefertigt und er muss bruchsicher gelagert werden können. Schließlich wollte man bei einer groß angelegten Marktforschung in Franken, aber auch in Städten wie München und Hamburg wissen, ob das schlanke Design ankommt. „Cool, spritzig, chic“, das seien Attribute gewesen, die man zu hören bekam, berichtet Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbands.

Gleichzeitig hätten die Weinfreunde anerkannt, dass hier „eine Evolution stattfindet, keine Revolution“. Dass Frankenwein auch für eine lange Tradition steht, wolle man nicht verleugnen.

Die neue Optik habe letztlich auch die 870 fränkischen Weinbaubetriebe überzeugt. Laut Hermann Schmitt haben schon viele Winzer angekündigt, auf den neuen Bocksbeutel umzustellen, auch wenn das mit Kosten für die Abfüllanlagen verbunden ist. Gezwungen werde niemand. „Da entscheidet jeder selbst nach seinen Marktinteressen.“ Klar dabei ist, dass sich an der Auflage, im Bocksbeutel nur Qualitätsweine mit mindestens 72 Grad Öchsle und einem überdurchschnittlichen Abschneiden bei der sensorischen Prüfung abzufüllen, nichts ändert. Ein Drittel der jährlich 45 bis 50 Millionen in Franken abgefüllten Weinflaschen sind derzeit Bocksbeutel.

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